Anjin-Do

Anjin-Do

Dienstag, 28. März 2017

Ins Reine Land hingeboren

In Jodo Shinshu gibt es eine Aussage, die oft zitiert und wenig verstanden wird. "Viele werden hin geboren, aber keiner ist dort!" Wenn wir diese paradox klingende Aussage im Licht des Buddha Dharma betrachten, wird klar, warum "ICH" nicht ins Reine Land geboren wird. Zunächst einmal muss man verstehen, dass unsere Hingeburt nur durch die Verdienstübertragung des Nicht zu ermessenden Buddha (Amida) möglich wird. Dharmakara Bodhissattva legte 48 Gelübde ab und übte für eine unvorstellbar lange Zeit, diese Gelübde zu erfüllen und Buddhaschaft zu erlangen. Die dadurch erlangten Verdienste waren so immens, dass sie für alle Zeiten und für alle Wesen reichen, um die Befreiung (Nirvana) zu erlangen. Also, wenn wir auf das 18 Gelübde vertrauen und Buddhas Namen sprechen, werden wir mit so vielen Verdiensten beschenkt, dass unsere Hingeburt ins Reine Land gesichert ist. In der Interpretation von Shinran Shonin ist diese Hingeburt gleichbedeutend mit der Erlangung Nirvanas und wir werden zu Buddhas. Was aber bedeutet das? Nirvana bedeutet Erlöschen, bedeutet Vernichtung, Vergehen oder Auflösung. Was aber erlischt, vergeht oder löst sich auf? Unsere verblendete Vorstellung davon, jemand zu sein. Eine inhärente Persönlichkeit zu besitzen, die unveränderlich fortbesteht und eben "ICH" heißt. Wenn wir also davon sprechen, dass wir/ich ins Reine Land geboren werden, dann ist das ein Widerspruch in sich, jedenfalls nach buddhistischer Anschauung. Nochmal: Also indem wir in das 18. Gelübde vertrauen und Nembutsu sagen, werden wir zu Nichtmehr-Wiederkehrern (durch die Verdienstübertragung), die bei der Hingeburt ins Reine Land Nirvana erreichen. Nirvana zu erreichen bedeutet aber, alle Verhaftung, Gier; Hass und VERBLENDUNG überwunden zu haben. Somit auch die Vorstellung eines ICHS und alle Dualität. Dem Amida Buddha gleich, könne wir dann zum Wohle alle Wesen wieder in Samsara eintauchen und alle Wesen retten, je nach deren Bedürfnissen. Um es deutlicher zu machen, wir sprechen nicht von Dharmakara Buddha, sondern von Amida, Amithaba oder auch Amitayus. So werden auch wir nicht Frank Budhha, Klaus Buddha oder Petra Buddha sein, sonder gleich dem Buddha jenseits aller Beschreibung und Ermessens. AMIDA BUTSU 

Sonntag, 12. März 2017

Andachten im Anjin-Do

Im Anjin-Do Zentrum findet in der Regel jeden Sonntag eine Shinbuddhistische Andacht statt. Für Interessierte, die Meditation sitzen wollen, beginnen wir um 17:00 Uhr. Die Shinshu Andacht findet direkt im Anschluss statt. Bitte beachten Sie, dass es aufgrund von privaten Anlässen, Krankheit oder auswärtiger Termine zu Änderungen kommen kann. Diese werden rechtzeitig bekannt gegeben. Wer sich vorher informieren möchte, kann mir gerne schreiben unter:  EMail - frank-kobs@t-online.de

Sangha in der BGJ-D

Was versteht man unter Sangha in der Buddhistischen Gemeinschaft Jodo Shinshu Deutschland? Zunächst einmal gibt es hier die ordinierte Sangha. 
Rev. Thomas Moser, der unsere Gemeinschaft über viele Jahrzehnte geführt hat und immer noch aktiv in der BGJ-D arbeitet. Rev. Ilona Evers, die in Berlin ebenso seit Jahrzehnten unsere Tradition vermittelt. Rev. Marc Nottelmann, der als Kassierte gerade jetzt in dieser Zeit viel zu tun hat und darüber hinaus im EKO Tempel Düsseldorf mitarbeitet. Zuletzt meine Wenigkeit, der den Vorsitzt hält und unser Zentrum betreut. Dann gibt es die vielen Jodo Shinshu Anhänger, die in der Kikyoshiki Zeremonie ihre Zugehörigkeit zur Tradition beteuert haben und die Laienordination erhielten. Es gibt aber auch die vielen Freunde anderer Traditionen und jene Freunde, die nicht Buddhisten sind. Wenn wir also von Sangha sprechen, reden wir von einer grossen Gemeinschaft und doch sind es nur wenige, die sich aktiv beteiligen. Wenn wir mal den ordinierten Sangha ausnehmen, dessen Einbringen Überzeugung, Ehre und Verpflichtung gegenüber unserer Tradition ist.

Sind Zenshu und Jodo Shinshu miteinander vereinbar?

Alle Schulen die Shakyamuni Buddha zum Lehrer haben sind Geschwister. Zen und Shinshu stehen sich besonders nah und weisen viele Paralellen auf. Und doch - Zenshu ist für Menschen, die ein hohes Maß an Diziplin aufbringen können. Die gewillt sind, dem Meister (Roshi) bedingungslos zu vertrauen und seinen/ihren Anweisungen zu folgen. Es ist für Menschen, die auch körperliche Anstrengungen auf sich nehmen können und ein ernsthaftes Durchhaltevermögen besitzen. Zen ist ein sehr edler Weg, der aber auch für sich die Eingerichtetheit/den Fokus auf diese eine Methode verlangt. Darin sind sich Zen und Shinshu einig. In Shinshu werden die vorgenannten Eigenschaften und Voraussetzungen nicht verlangt, wobei die Bereitschaft zu Vertrauen auch eine sehr wichtige Rolle spielt. So betrachtet ist Shinshu vermeintlich einfacher. Aber nur oberflächlich betrachtet, denn wer findet es nicht schwierig, sich einfach hinzugeben, nur zu vertrauen und sich retten zu lassen? Somit sind beide Wege sehr effektiv und zielführend, warum aber glaubt man, dass wenn man das Eine schon nicht hinbekommt, das Andere oder beides zusammen einfacher wäre? Der Buddha hat viele Wege und Methoden gelehrt. Jeder muss das Passende für sich selber finden und dann ist das Dabeibleiben sicher keine Frage mehr. Mit Gassho und Respekt

Namo Amida Butsu

Namo Amida Butsu
Namo bedeutet, ich nehme Zuflucht oder gebe mich hin oder auch verehre. Man könnte auch sagen, ich verlasse mich. 
Amida bedeutet, A-mita= nicht zu messen, also unermesslich, nicht zu erfassen oder zu begreifen.
Butsu bedeutet natürlich Buddha, was nichts anderes bedeutet, als die Erleuchtung oder jemand, der Erleuchtung verwirklicht hat.
Wenn wir also über Namo Amida Butsu nachdenken, heisst es übersetzt: Ich nehme Zuflucht und gebe mich hin, dem, was ich nicht erfassen kann, was jenseits meiner Fähigkeiten liegt und das ist die Befreiung oder eben Erleuchtung. Da wir es nicht erfassen können, nicht begreifen, geschweige dann umsetzen können, deshalb gibt es Namo Amida Butsu. Der Name, der zu uns kommt und so einfach ist, dass jeder ihn behalten kann. Das Nicht-Messbare in 6 chinesischen Zeichen, getragen vom Lotus, mehr braucht es nicht, um dem Vertrauen und somit der Erleuchtung ganz nah zu kommen. Wenn jetzt jemand einwendet, dass dies aber keinen Sinn macht; nun schon Shinran Shonin erwähnte, dass dies alles unseren Verstand schlichtweg übersteigt. Na ja, sonst wären wir ja auch schon Buddha und bräuchten das Nembutsu überhaupt nicht. 😌

Vortrag von Rev. Nottelmann

Ich möchte euch hier ein paar Gedanken über das Sterben mitteilen. Herr Beeh, der die Zen-Gruppe des EKO-Tempels leitet, betont immer wieder, dass es in der Zen-Meditation einzig und allein darum gehe, das rechte Sterben zu lernen, oder genauer gesagt, zu erfahren. Man muss aufhören, Leben und Tod als zwei Seiten zu betrachten, beides ist ein und dasselbe, und je mehr man dies versteht, umso tiefer ist der Friede, den man im Herzen erreichen kann. Solange man gegen das Sterben und den Tod ankämpft, hat man Unfrieden, denn man möchte die Welt ja anders haben als sie ist, und diesen Kampf kann man am Ende nur verlieren. Wenn man aber versteht, dass der Tod immer schon da ist, und zwar nicht als Feind, sondern als Freund, dann erst wir das Leben frei. SHŌJI SOKU NEHAN – Samsara (Leben und Tod) ist Nirwana. Das ist ein Ziel, um das sich alle Buddhisten bemühen.
Für den Reines-Land-Buddhismus und alle mit ihm zusammengehörenden Richtungen sind vor allem das Sterben und der Tod selbst von großem Interesse. Im tibetischen Buddhismus gibt es die „Phowa-Praxis“ (leider ist dieses Wort in Japan durch den Aumshinrikyo-Vorfall in Misskredit geraten). Es handelt sich um eine Anleitung für Sterbende, in der Zeit des nahenden Todes den Buddha Amitābha zu visualisieren und sich vorzustellen, wie man durch den Scheitelpunkt im Augenblick des Todes den Körper verlässt und zu Amitābha emporgezogen wird.
Shinran Shōnin hat im Saihō shinanshō, seinem fast vergessenen Spätwerk, von dem Prof. Arai jüngst die erste Übersetzung ins moderne Japanisch veröffentlicht hat, eine Predigt seines Lehrers Hōnen überliefert, die sich mit dem Thema auseinandersetzt. Auch Hōnen ist kein Verächter der visuellen Vorstellungskraft des Menschen, für ihn ist die bildliche Darstellung wichtig. Am karmisch verdienstvollsten, d.h. am nützlichsten für den Übenden, sind für Hōnen die Amida-Darstellungen, die ihn mit goldener Körperfarbe und in der Pose des Empfangs zeigen (so wie etwa die Statue im EKO-Tempel oder die Bilder auf kleineren Shin-buddhistischen Buddhaaltären). Buddhas anderer Körperfarbe, wie man sie auf den Mandalas des Esoterischen Buddhismus sieht, seien nur transformierte Buddhas, d.h. es sind für die Umstände der fühlenden Wesen angepasste Formen des Buddha, aber nicht letztendliche Buddhas (Buddhas in ihrer wahren Gestalt). 
 Hōnen erörtert dann – immer gestützt auf buddhistische Schriften – wie im Augenblick des Sterbens, je nach dem spirituellen Grad, den der Sterbende erreicht hat, unterschiedliche Visionen vor dem Auge des Sterbenden erscheinen. Die am höchsten entwickelten Wesen sehen den wahren Buddha umgeben von unzähligen transformierten Buddhas, die Wesen der zweiten Stufe (von oben) sehen nur noch 1000 transformierte Buddhas an der Seite des wahren Buddha, usw. bis zu den Wesen der achten Stufe, die nur noch relativ kleine Visionen von zwei Bodhisattvas (Avalokiteshvara und Mahasthamaprapta) und dem Buddha haben. Die Wesen der neunten Stufe, d.h. die niedrigsten Anhänger des Buddha, sehen nur noch die goldene Lotosblume, die sie dann ins Reine Land trägt. So jedenfalls, nach Hōnen, die direkte Bedeutung der Schriften.
Warum kommt der Buddha zum Empfang des Sterbenden? Hierfür gibt es nach Hōnen drei Gründe: Er kommt, 1. um dem Sterbenden die Rechte Achtsamkeit zu geben und auf diese Weise zu beschützen, 2. um ihm den Weg ins Reine Land zu weisen, 3. als Gegenmittel gegen die Kraft des Mara.
Der erste Punkt ist am wichtigsten und stimmt mit dem dritten weitgehend überein. Ich möchte das Saihō shinanshō direkt zitieren:
„Erstens, kommt er zum Empfang, um uns die Rechte Achtsamkeit zu geben. Wenn wir es uns überlegen, so sind wir, wenn wir sterben müssen, von Krankheit und Leiden bedrängt, und sicherlich kommen uns anhaftende Gedanken in dreifacher Hinsicht: wir haften an der Welt, diesem Körper und diesem Leben. Aber wenn der Buddha Amida seinen großen Lichtglanz entsendet und vor dem Übenden erscheint, so ist das ein so unvorstellbares Ereignis, dass gar kein anderer Gedanke als der der Zufluchtnahme und Ehrfurcht entstehen kann. Die drei anhaftenden Gedanken verflüchtigen sich und tauchen nicht mehr auf. Ferner nähert sich der Buddha so dem Übenden und gewährt ihm seinen Schutz.“
Noch deutlicher wird Hōnen weiter unten. Ich war selbst überrascht als ich diesen Text das erste Mal las, nie war mir so deutlich erklärt worden, was Befreiung aus Fremdkraft bedeutet:
„Folglich ist klar, dass Amida nicht kommt, weil der Übende am Ende seines Lebens rechte Achtsamkeit praktiziert, sondern der Übende praktiziert rechte Achtsamkeit, weil Amida kommt. D.h. Menschen, die die zur Hingeburt führenden Übung vollendet haben, während sie in dieser Welt leben, werden am Ende ihres Lebens sicherlich von einer Schar Heiliger empfangen werden. Wenn sie empfangen werden, ist die rechte Achtsamkeit sofort da.“
Der Nembutsu-Übenden erbringt also keine Vorleistung, er muss sich nicht aus eigener Kraft für die Hingeburt „startklar“ machen; sondern gerade das ist die Bedeutung des Empfangs, Amida erbringt die „Vorleistung“.
Mit der zur Hingeburt führenden Übung, ist übrigens das Nembutsu im Vertrauen auf das 18. Gelübde gemeint, das Shinran im Shōshinge anspricht: 
本願名号正定業HON-GAN MYŌ-GŌ SHŌ-JŌ-GŌ
„Der Namensruf, der nach dem Grundgelübde [von Amida selbst ausgeht], ist das Karma, das [die Geburt in sein Reines Land] wahrhaft sichert.“
Dabei ist das, was in meiner üppigen ergänzten Übersetzung, mit „wahrhaft sichert“ SHŌ-JŌ übersetzt wird, zugleich das achte Glied des Achtfachen Pfades, die „Rechte Festigung“ oder auch „Rechte Sammlung“, nach dem man die Shin-Buddhisten ja immer wieder fragt. „Sammlung“ bedeutet nämlich, dem Herz „Festigung“ (samādhi) zu geben. Spätestens im Augenblick des Todes schenkt Amida dem Nembutsu-Übenden diese zwei wichtigen Glieder des Achtfachen Pfades: „ Rechte Achtsamkeit“ und „Rechte Sammlung“.
Dieser Text hat nicht nur sehr lehrreich für uns selbst und unser Verhältnis zum Tod, sondern auch für unseren Umgang mit Sterbenden. Von Menschen, die eine Nahtoderfahrung genacht haben, ist immer wieder bezeugt worden, dass sie ein helles Licht sahen, ganz ähnlich wie die in diesen Texten beschriebene „goldene Lotosblume“. Wir sollten deshalb nicht so pessimistisch sein, wenn Menschen in ihrem Leben die buddhistische Lehre nicht kennengelernt haben oder gar Vorbehalte dagegen haben. Wir sollten einen Sterbenden nicht bekehren wollen, insofern sollte wir auf zu explizite Symbole und Zeremonien des Buddhismus verzichten. Nur Menschen, die gleichermaßen Buddhisten und zum Sterben bereit sind, finden darin eine zusätzliche Unterstützung. Bei allen anderen erzeugt man auf diese Weise bloß Zweifel bzw. Angst, also negative Geistesfaktoren. Lassen wir den Buddha einfach seine Arbeit tun!
Guter Freund im Sinne des Buddhismus ist man aber, indem man versucht dieses Ereignis der Hingeburt „auszustrahlen“. Menschen reagieren nicht nur auf ausgesprochene Gedanken, sondern vor allem auch auf non-verbale Signale. Man kann versuchen, den Geist des Sterbenden auf lichtvolle Dinge hinzuwenden. Vor allem kann man sich in seinem Herzen auch das Bild vom Empfang durch den Buddha vorzustellen, und anstelle des Sterbenden das Nembutsu rezitieren. Wir sollten uns nicht schämen, dies zu tun. Wir erbringen dadurch keine „Vorleistung“ oder vollziehen etwas für den Sterbenden, sondern wir begleiten einfach mit unseren Gedanken das, was gerade geschieht. Dadurch verneigen wir uns vor großen Lehrern wie Hōnen und üben das Nembutsu. Weil wir aber das Nembutsu üben, gleichsam in Resonanz zum Ruf des Buddha Amida geraten, geben wir dem Sterbenden eine weitere Möglichkeit, das Nembutsu zu hören.