Anjin-Do

Anjin-Do

Freitag, 27. September 2013

Das Shinshu Buddhistische Zentrum Anjin-Do bietet:

·       Regelmäßige Sonntagabend Andachten und Meditation: Beginn 17:15 Uhr

   Buddhistische Hochzeiten
Mindestens ein Partner /in sollte Buddhist/in sein. Auch für gleichgestellte  Paare sind wir da.

   Buddhistische Beisetzung für Buddhisten aller Schulen
Die Zeremonie ist dem westlichen Verständnis angepasst, erfolgt  nach dem  Ritus der buddhistischen Jodo Shinshu Tradition

    Möglichkeiten zur Nyūmonshiki Zeremonie
Zufluchtnahme zu Buddha, Dharma und Sangha, Aufnahme in den Tempel oder Dojo – gilt als Vorbereitung zur Kikyoshiki Zeremonie – d.h. Aufnahme in die große Jodo Shinshu Gemeinschaft, erteilt durch unser Oberhaupt

    Einführungen zur buddhistischen Lehre und zur Jodo Shinshu Tradition

Bei Fragen und zur Kontaktaufnahme stehe ich gerne zur Verfügung

In Gassho

Rev. Chisho Frank Kobs

Buddhistisches Shin – Zentrum Anjin-Do
Oberheydenerstraße 71
41236 Mönchengladbach

02166/1471036
                                            Anjin-Do@t-online.de

Dienstag, 3. September 2013

Sonntagsansprache im Ekō-Tempel (11.August 2013)
Von Rev. Jōchi M. Nottelmann

Wir haben heute eine Sonntagsandacht veranstaltet und dabei wie immer Shinrans Hymne über das Rechte Vertrauen rezitiert. Dennoch ist die heutige Zeremonie etwas Besonderes, da wir zum ersten Mal mit der Andacht eine Nyūmonshiki, eine Eintrittszeremonie in den Buddhismus in Form unserer  Schule veranstaltet haben.

Frau Heinemann-Yang hat dem Tempel um eine Aufnahme in die Jōdo Shinshū gebeten. Bisher haben wir solche Fälle so gehandhabt, dass wir auf die nächsten Besuch des Monshu oder Shinmon-sama verwiesen hat, die alle zwei Jahre eine außerordentliche Kikyōshiki (Konfirmationszeremie) in Europa veranstalten. Die nächste würde voraussichtlich in einem Jahr in Southhampton stattfinden. Dies war aber Frau Heinemann zu spät, und sie hat recht damit: wer weiß schon, was alles dazwischen kommen kann, ob sich nicht besondere Umstände ergeben, die eine Reise nach England im letzten Augenblick unmöglich machen usw. Ich möchte hier an unseren Schulgründer Shinran Shōnin erinnern, der als neunjähriges Kind darauf beharrte, dass seine Tonsur noch am selben Abend stattfand, an dem er das Kloster erreichte. Als Grund verfasste er das folgende kleine Gedicht:

Kirschblüten,
die nicht bis zum nächsten Morgen halten,
bläst der Nachtwind hinfort.

Selbst der Tod könnte dazwischen kommen, wenn man auch nur kurze Zeit  wartet. Selbst für ein neunjähriges Kind gibt es keine Garantie dafür, dass es den nächsten Morgen noch erlebt.

Allein was war im vorliegenden Falle zu tun? In Japan gibt es die Nyūmonshiki, die Eintrittszeremonie. Allerdings wird sie nur sehr selten veranstaltet. Japaner glauben normalerweise, dass sie in den Buddhismus hineingeboren sind. Sie  bekommen alles Notwendige über ihrer Familie schon vermittelt, also braucht es gar keine besondere Zeremonie. Wenn sie es doch tun wollen, dann reisen sie nach Kyōto, um die erwähnte Kikyōshiki direkt vom Monshu zu empfangen. Dies ist natürlich nur eine kleine Reise für sie.

Wie sieht die Situation in Deutschland aus? Für uns Deutsche ist eine Reise nach Kyōto eine Weltreise. Wir empfinden es keineswegs so, dass wir von     unserer Herkunft schon Buddhisten wären, dass uns etwas anderes gleichsam keineswegs einfallen könnte. Wir entstammen aus einer Kultur, in der im Bereich der Religion seit fünfhundert Jahren die confessio, das Bekenntnis zu einer bestimmten Religion erwartet wird. Jeder deutsche Steuerbeleg fragt nach dieser Information. Gretchen fragt Faust gleich bei ihrem ersten Kennenlernen danach. Wenn man eine Sonntagsandacht besucht, und ein Freund fragt vielleicht nur scherzhaft: „Bist du denn Buddhist?“ – dann ist es viel besser, wenn man Ja oder Nein antworten kann. Darum entspricht eine Eintrittszeremonie in den  Buddhismus – und ich meine es jetzt ganz ohne überzogene Selbstkritik -  sicherlich unseren ganz normalen religiösen Bedürfnissen. Darum ist eine Eintrittszeremonie auch subjektiv für uns wichtig. Ich erinnere mich, wie ich z.B. im Herbst 1994 in einer theravada-buddhistsichen Gruppe zum ersten Mal Zuflucht zum Buddha nahm, erstmals das „Buddham saranam gacchami“ sprach und mich seither wirklich als Buddhist betrachtete.

Schon Harry Pieper hat in den sechziger Jahren shin-buddhistische Eintrittszeremonien veranstaltet. Ich habe irgendwann einmal – leider weiß ich nicht mehr wo – eine Zeremoniebeschreibung von Harry Pieper gelesen. Es war eine höchst dramatische Initiationszeremonie ganz im westlichen Sinne. Harry Pieper hatte sie, nachdem ihm die Kyōshi-Würde vom Hongwanji verliehen war, sicherlich selbst zusammengestellt, und zwar in einer Weise wie er dachte, dass es geschehen sollte. Vermutlich leben heute noch einige Menschen, die auf diese Weise Shin-Buddhisten geworden sind, die jedenfalls den Eintritt in einen neuen religiösen Lebensabschnitt mit dieser Zeremonie verbinden.

In der Nyūmonshiki gelobt man die Haltung des Laienanhängers bzw. der Laienanhängerin sein ganzes Leben zu bewahren. Darauf möchte ich etwas näher eingehen:

Schon in den ältesten buddhistischen Sūtren wird berichtet, wie Menschen zur Zeit des Buddha „Buddhist“ wurden.

1.     Erstens sprachen sie die Formel „Ich nehme Zuflucht zum Buddha, ich nehme Zuflucht zum Dharma, ich nehme Zuflucht zum Sagha“. Darin ist ohne Zweifel ein Sich-Anvertrauen enthalten.

2.     Zweitens nahmen sie eine Rolle an, nämlich die Rolle des Laienanhängers oder des Mönch (bzw. der Nonne). D.h. sie wollten ihr Leben ändern, indem sie versprachen, gewisse Vorschriften zu halten. Im Falle des Laienanhängers waren es die fünf Vorschriften, die pañcasīla: d.h. nicht zu  töten, nicht zu stehlen, keine ausschweifenden sexuellen Handlungen zu begehen, nicht zu lügen, sondern wohlwollend zu sprechen, keine berauschenden Substanzen zu sich zu nehmen.




Ich brauche nicht zu erwähnen, dass fast alle dieser Vorschriften der ganz allgemeinen Vernunft entsprechen. Unendlich viel Leid entsteht z.B. durch den Alkoholkonsum – 40000 Menschen sterben jedes Jahr daran in Deutschland   unzählige leichte und schwere Straftaten entstehen unter Alkoholeinfluss - das wird niemand bestreiten.

Auch ist vieles erlaubt nach dem staatlichen Gesetz, aber nur weniges ist gut in dem Sinne, dass es das Wohl der Gesellschaft fördert. Nach dem Gesetz kann man sich z.B. viermal scheiden lassen. Mancher Politiker heiratet nach jeder gewonnenen Wahl neu, aber ist das gut? Ein Spitzenpolitiker oder -manager kann sich das vielleicht erlauben, aber was passiert, wenn ein Normalverdiener diesem Beispiel folgt? 2,7 Millionen alleinerziehende Mütter und Väter leben in Deutschland (2011). Ihre Kinder haben es nicht nur schwerer im Leben, sie sind auch von Armut bedroht. Denn jede Scheidung - d.h. jede radikale Änderung des Lebenskonzepts in der Mitte – erhöht das Armutsrisiko für alle Beteiligten um ein Vielfaches. Wie soll ein geordnetes Leben entstehen, wenn man sich auf den Partner nicht verlassen kann?

Die Vorsätze weisen auf einen vernünftigen Lebensstil, und es ist sehr wichtig, dass man sich bemüht, den Geist dieser Vorsätze zu bewahren. Dennoch weist die Jōdo Shinshū bei allen ihren Einweihungszeremonien ganz explizit darauf  hin, dass man nicht die śīla (kai) die Vorschriften nimmt. Wer Zen-Buddhist wird erhält einen kaimyō einen Vorschrifts- oder Ordensnamen, wer Shin-Buddhist wird erhält nur einen hōmyō einen Dharmanamen. Auch wir Priester sind im technischen Sinne mukai bo sōryō (無戒の僧侶), [1]  Mönche ohne Vorschriften, was beinahe ein Paradox ist.

Der Grund ist folgender. Die Jōdo Shinshū geht wie jede Form des Buddhismus vom Hier und Jetzt aus, von der Beobachtung des Menschen, wie er ist. Wenn man die Menschen beobachtet, dann ist man vielleicht noch nie jemandem  begegnet, der die kai wirklich eingehalten hat. Wenn man dies berücksichtigt, dann kann man sie vielleicht als ein Ideal hinstellen, als etwas, um das man sich bemühen soll – aber nicht mehr.

Aber selbst dieses eingeschränkte Verständnis der kai als Ideal wäre aus Sicht der Jōdo Shinshū schon zu viel, weil hierin leicht etwas Ausgrenzendes  enthalten ist. Im Falle der pañcasīla geht es, denke ich, vor allem um das erste: nicht zu töten. In einem Land, das zu Shinrans Zeiten ständig von Hungersnöten heimgesucht wurde, so zu tun, als könnte oder würde man auch den Verzehr von Fisch verzichten, und alle Jäger und Fischer als Nicht-Buddhisten zu brandmarken, wäre eine beispiellose Heuchelei. Wenn das Gelübde des Buddhas für alle Menschen da ist, dann muss es auch für die Jäger und Fischer da sein. Auf der Shinran-Darstellung in unserem Tempel sitzt Shinran Shōnin auf einem Wildschweinfell, das ihm wahrscheinlich ein Jäger geschenkt hatte. Dies folgt den  ältesten Shinran-Darstellungen und zeigt, wie Shinrans Zeitgenossen Shinran als Mensch und Lehrer sahen.

Das klassische Bekenntnis zum Buddha besteht, wie wir gesehen haben aus zwei Teilen: 1. Zufluchtnahme (kie) und 2. Vorschriften (śīla bzw. kai). Wenn die Jōdo Shinshū keine Vorschriften beim Eintritt verlangt (mukai), ist damit dann das klassische Bekenntnis zum Buddha hinfällig und „abgeschafft“? – Ich denke, dass es keinesfalls so ist. Im Gegenteil! Man kann das klassische Bekenntnis so auffassen, dass es sich wirklich um zwei getrennte Teile handelt. Dann ist die Zuflucht zum Buddha etwas unendlich Tiefes und die Vorschriften sind dazu ein schrecklich formalistischer Zusatz. So denkt die Jōdo Shinshū nicht, sondern auch die Vorschriften sind etwas unendlich Tiefes. Zufluchtnahme und Vorschriften genauer gesagt: der Dharma (d.h. die Art wie man leben soll) sind eins und lassen sich nicht trennen. Der Dharma ist ganz vom Geist des Mitgefühls des Buddhas geprägt. Darum gibt es keine Verkürzungen, die ganze Bevölkerungsschichten ausschließen.

Seit den 1950ger Jahren gibt es einen im modernen Japanisch verfassten              offiziellen Text, dessen Titel man frei mit: „Die Lebensvorsätze eines Jōdo Shinshū-Anhängers“ übersetzten könnte. Es sind folgende vier Sätze, die alle demonstrieren, wie eng die Beziehung zwischen Zufluchtnahme und  Lebenspraxis in der Jōdo Shinshū gesehen wird:

1. Ich vertraue aufs Gelübde des Buddhas, spreche seinen heiligen Namen und versuche so  freudig und voll Kraft zu leben.
-Das bedeutet, dass man aus dem innersten Geist der Zufluchtnahme zum Buddha leben soll. Es ist der erste Teil des klassischen Bekenntnisses, aber selbst das wird schon mit der Lebenspraxis in Zusammenhang gebracht.

2. Stets betrachte ich mich selbst im Licht des Buddhas und bemühe mich voll Dankbarkeit.
- Der Buddha ist voll Mitleid mit allen Wesen, auch mit mir. Ich selbst bin dagegen ganz schön egoistisch. Das erkenne ich erst, wenn ich mich mit dem  Buddha vergleiche. Der Buddha lächelt, ich hingegen mache ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Der Buddha ist dabei, alle Wesen zu retten, mir gehen sie aber oft auf die Nerven. Dass so einer wie ich überhaupt eine Chance habe, ist erstaunlich. Ich kann dem Buddha wirklich dankbar sein.

3. Ich folge der Lehre des Buddhas, höre vom rechten Weg, und möchte mich so um gute Resultate bemühen.[2]
Was ist richtig? Was ist falsch? Wenn man das beurteilen will, hilft einem die Lehre des Buddhas. Hierunter fallen natürlich auch die Regeln(sīla), durch die man sein Handeln auf die guten Resultate hin prüfen sollte.

4. Ich freue mich über die Gnade des Buddhas und möchte mich um eine Gesellschaft bemühen, in der man sich gegenseitig achtet und einander hilft.
Auch dies ist- anders als alle Verbote! - eine positive Aufforderung zu leben.

Ein Letztes möchte ich noch hinzufügen. Wenn man sich dem Buddhismus anschließt, dann tut man es immer in Form einer bestimmten Schule.  Erst wenn man sagen kann: ich habe zur Jōdo Shinshū, zu Sōtō-shū oder meinetwegen zur tibetischen Gelugpa-Schule Zuflucht genommen, ist man Buddhist und nicht nur ein interessierter Schüler des Buddhismus. Im Westen versuchen viele Leute den Buddhismus als Ganzes zu studieren, sie glauben alle Einseitigkeiten der verschiedenen Traditionen abstreifen zu können und suchen sich dann, wie sie meinen, das Beste heraus. Diese Haltung ist am Anfang richtig, da man sich ja orientieren muss. Aber als Haltung für das ganze Leben ist sie falsch und wird von keiner der buddhistischen Schule gefördert. Vielmehr entscheidet man sich irgendwann einmal endgültig und dann geht die Reise eigentlich erst los. Wenn man auf den Berg Fuji steigen will, muss man sich auch entscheiden, ob man es von Norden oder Süden tut, je nach Schwierigkeitsgrad der Route muss man verschiedenes Gepäck mitnehmen, verschiedene Bergführer usw. konsultieren.

Natürlich wird man von den anderen buddhistischen Richtungen (und auch den anderen Religionen) sein ganzes Leben lang lernen. Aber die eigene Schule  (Religion) sollte man immer als die Wichtigste weiterverfolgen und man sollte ihr am meisten Zeit widmen. Als Faustregel zur groben Orientierung denke ich, dass man Zweidrittel seiner Zeit dem Studium und der Praxis der eigenen     Tradition und ein Drittel seiner Zeit dem Studium (und ggf. der Praxis) anderer Traditionen widmen sollte.



[1] Die Vorschriften sind genauso gemeint, wie sie dastehen. Wenn ein Mönch einem anderen Menschen die Vorschriften erteilt, dann muss er sie selbst halten, sonst verhöhnt er den Buddha. Diese strenge und kompromisslose Auslegung hielt Shinran davon ab, sich selbst als einen „Mönch mit Vorschriften“ zu bezeichnen.
[2] „makoto no minori o hiromemasu“ bedeutet wörtlich „ich möchte die wahren Früchte ausbreiten“ und wird meisten als Aufforderung, den Dharma zu verbreiten, interpretiert.