Anjin-Do

Anjin-Do

Freitag, 27. September 2013

Das Shinshu Buddhistische Zentrum Anjin-Do bietet:

·       Regelmäßige Sonntagabend Andachten und Meditation: Beginn 17:15 Uhr

   Buddhistische Hochzeiten
Mindestens ein Partner /in sollte Buddhist/in sein. Auch für gleichgestellte  Paare sind wir da.

   Buddhistische Beisetzung für Buddhisten aller Schulen
Die Zeremonie ist dem westlichen Verständnis angepasst, erfolgt  nach dem  Ritus der buddhistischen Jodo Shinshu Tradition

    Möglichkeiten zur Nyūmonshiki Zeremonie
Zufluchtnahme zu Buddha, Dharma und Sangha, Aufnahme in den Tempel oder Dojo – gilt als Vorbereitung zur Kikyoshiki Zeremonie – d.h. Aufnahme in die große Jodo Shinshu Gemeinschaft, erteilt durch unser Oberhaupt

    Einführungen zur buddhistischen Lehre und zur Jodo Shinshu Tradition

Bei Fragen und zur Kontaktaufnahme stehe ich gerne zur Verfügung

In Gassho

Rev. Chisho Frank Kobs

Buddhistisches Shin – Zentrum Anjin-Do
Oberheydenerstraße 71
41236 Mönchengladbach

02166/1471036
                                            Anjin-Do@t-online.de

Dienstag, 3. September 2013

Sonntagsansprache im Ekō-Tempel (11.August 2013)
Von Rev. Jōchi M. Nottelmann

Wir haben heute eine Sonntagsandacht veranstaltet und dabei wie immer Shinrans Hymne über das Rechte Vertrauen rezitiert. Dennoch ist die heutige Zeremonie etwas Besonderes, da wir zum ersten Mal mit der Andacht eine Nyūmonshiki, eine Eintrittszeremonie in den Buddhismus in Form unserer  Schule veranstaltet haben.

Frau Heinemann-Yang hat dem Tempel um eine Aufnahme in die Jōdo Shinshū gebeten. Bisher haben wir solche Fälle so gehandhabt, dass wir auf die nächsten Besuch des Monshu oder Shinmon-sama verwiesen hat, die alle zwei Jahre eine außerordentliche Kikyōshiki (Konfirmationszeremie) in Europa veranstalten. Die nächste würde voraussichtlich in einem Jahr in Southhampton stattfinden. Dies war aber Frau Heinemann zu spät, und sie hat recht damit: wer weiß schon, was alles dazwischen kommen kann, ob sich nicht besondere Umstände ergeben, die eine Reise nach England im letzten Augenblick unmöglich machen usw. Ich möchte hier an unseren Schulgründer Shinran Shōnin erinnern, der als neunjähriges Kind darauf beharrte, dass seine Tonsur noch am selben Abend stattfand, an dem er das Kloster erreichte. Als Grund verfasste er das folgende kleine Gedicht:

Kirschblüten,
die nicht bis zum nächsten Morgen halten,
bläst der Nachtwind hinfort.

Selbst der Tod könnte dazwischen kommen, wenn man auch nur kurze Zeit  wartet. Selbst für ein neunjähriges Kind gibt es keine Garantie dafür, dass es den nächsten Morgen noch erlebt.

Allein was war im vorliegenden Falle zu tun? In Japan gibt es die Nyūmonshiki, die Eintrittszeremonie. Allerdings wird sie nur sehr selten veranstaltet. Japaner glauben normalerweise, dass sie in den Buddhismus hineingeboren sind. Sie  bekommen alles Notwendige über ihrer Familie schon vermittelt, also braucht es gar keine besondere Zeremonie. Wenn sie es doch tun wollen, dann reisen sie nach Kyōto, um die erwähnte Kikyōshiki direkt vom Monshu zu empfangen. Dies ist natürlich nur eine kleine Reise für sie.

Wie sieht die Situation in Deutschland aus? Für uns Deutsche ist eine Reise nach Kyōto eine Weltreise. Wir empfinden es keineswegs so, dass wir von     unserer Herkunft schon Buddhisten wären, dass uns etwas anderes gleichsam keineswegs einfallen könnte. Wir entstammen aus einer Kultur, in der im Bereich der Religion seit fünfhundert Jahren die confessio, das Bekenntnis zu einer bestimmten Religion erwartet wird. Jeder deutsche Steuerbeleg fragt nach dieser Information. Gretchen fragt Faust gleich bei ihrem ersten Kennenlernen danach. Wenn man eine Sonntagsandacht besucht, und ein Freund fragt vielleicht nur scherzhaft: „Bist du denn Buddhist?“ – dann ist es viel besser, wenn man Ja oder Nein antworten kann. Darum entspricht eine Eintrittszeremonie in den  Buddhismus – und ich meine es jetzt ganz ohne überzogene Selbstkritik -  sicherlich unseren ganz normalen religiösen Bedürfnissen. Darum ist eine Eintrittszeremonie auch subjektiv für uns wichtig. Ich erinnere mich, wie ich z.B. im Herbst 1994 in einer theravada-buddhistsichen Gruppe zum ersten Mal Zuflucht zum Buddha nahm, erstmals das „Buddham saranam gacchami“ sprach und mich seither wirklich als Buddhist betrachtete.

Schon Harry Pieper hat in den sechziger Jahren shin-buddhistische Eintrittszeremonien veranstaltet. Ich habe irgendwann einmal – leider weiß ich nicht mehr wo – eine Zeremoniebeschreibung von Harry Pieper gelesen. Es war eine höchst dramatische Initiationszeremonie ganz im westlichen Sinne. Harry Pieper hatte sie, nachdem ihm die Kyōshi-Würde vom Hongwanji verliehen war, sicherlich selbst zusammengestellt, und zwar in einer Weise wie er dachte, dass es geschehen sollte. Vermutlich leben heute noch einige Menschen, die auf diese Weise Shin-Buddhisten geworden sind, die jedenfalls den Eintritt in einen neuen religiösen Lebensabschnitt mit dieser Zeremonie verbinden.

In der Nyūmonshiki gelobt man die Haltung des Laienanhängers bzw. der Laienanhängerin sein ganzes Leben zu bewahren. Darauf möchte ich etwas näher eingehen:

Schon in den ältesten buddhistischen Sūtren wird berichtet, wie Menschen zur Zeit des Buddha „Buddhist“ wurden.

1.     Erstens sprachen sie die Formel „Ich nehme Zuflucht zum Buddha, ich nehme Zuflucht zum Dharma, ich nehme Zuflucht zum Sagha“. Darin ist ohne Zweifel ein Sich-Anvertrauen enthalten.

2.     Zweitens nahmen sie eine Rolle an, nämlich die Rolle des Laienanhängers oder des Mönch (bzw. der Nonne). D.h. sie wollten ihr Leben ändern, indem sie versprachen, gewisse Vorschriften zu halten. Im Falle des Laienanhängers waren es die fünf Vorschriften, die pañcasīla: d.h. nicht zu  töten, nicht zu stehlen, keine ausschweifenden sexuellen Handlungen zu begehen, nicht zu lügen, sondern wohlwollend zu sprechen, keine berauschenden Substanzen zu sich zu nehmen.




Ich brauche nicht zu erwähnen, dass fast alle dieser Vorschriften der ganz allgemeinen Vernunft entsprechen. Unendlich viel Leid entsteht z.B. durch den Alkoholkonsum – 40000 Menschen sterben jedes Jahr daran in Deutschland   unzählige leichte und schwere Straftaten entstehen unter Alkoholeinfluss - das wird niemand bestreiten.

Auch ist vieles erlaubt nach dem staatlichen Gesetz, aber nur weniges ist gut in dem Sinne, dass es das Wohl der Gesellschaft fördert. Nach dem Gesetz kann man sich z.B. viermal scheiden lassen. Mancher Politiker heiratet nach jeder gewonnenen Wahl neu, aber ist das gut? Ein Spitzenpolitiker oder -manager kann sich das vielleicht erlauben, aber was passiert, wenn ein Normalverdiener diesem Beispiel folgt? 2,7 Millionen alleinerziehende Mütter und Väter leben in Deutschland (2011). Ihre Kinder haben es nicht nur schwerer im Leben, sie sind auch von Armut bedroht. Denn jede Scheidung - d.h. jede radikale Änderung des Lebenskonzepts in der Mitte – erhöht das Armutsrisiko für alle Beteiligten um ein Vielfaches. Wie soll ein geordnetes Leben entstehen, wenn man sich auf den Partner nicht verlassen kann?

Die Vorsätze weisen auf einen vernünftigen Lebensstil, und es ist sehr wichtig, dass man sich bemüht, den Geist dieser Vorsätze zu bewahren. Dennoch weist die Jōdo Shinshū bei allen ihren Einweihungszeremonien ganz explizit darauf  hin, dass man nicht die śīla (kai) die Vorschriften nimmt. Wer Zen-Buddhist wird erhält einen kaimyō einen Vorschrifts- oder Ordensnamen, wer Shin-Buddhist wird erhält nur einen hōmyō einen Dharmanamen. Auch wir Priester sind im technischen Sinne mukai bo sōryō (無戒の僧侶), [1]  Mönche ohne Vorschriften, was beinahe ein Paradox ist.

Der Grund ist folgender. Die Jōdo Shinshū geht wie jede Form des Buddhismus vom Hier und Jetzt aus, von der Beobachtung des Menschen, wie er ist. Wenn man die Menschen beobachtet, dann ist man vielleicht noch nie jemandem  begegnet, der die kai wirklich eingehalten hat. Wenn man dies berücksichtigt, dann kann man sie vielleicht als ein Ideal hinstellen, als etwas, um das man sich bemühen soll – aber nicht mehr.

Aber selbst dieses eingeschränkte Verständnis der kai als Ideal wäre aus Sicht der Jōdo Shinshū schon zu viel, weil hierin leicht etwas Ausgrenzendes  enthalten ist. Im Falle der pañcasīla geht es, denke ich, vor allem um das erste: nicht zu töten. In einem Land, das zu Shinrans Zeiten ständig von Hungersnöten heimgesucht wurde, so zu tun, als könnte oder würde man auch den Verzehr von Fisch verzichten, und alle Jäger und Fischer als Nicht-Buddhisten zu brandmarken, wäre eine beispiellose Heuchelei. Wenn das Gelübde des Buddhas für alle Menschen da ist, dann muss es auch für die Jäger und Fischer da sein. Auf der Shinran-Darstellung in unserem Tempel sitzt Shinran Shōnin auf einem Wildschweinfell, das ihm wahrscheinlich ein Jäger geschenkt hatte. Dies folgt den  ältesten Shinran-Darstellungen und zeigt, wie Shinrans Zeitgenossen Shinran als Mensch und Lehrer sahen.

Das klassische Bekenntnis zum Buddha besteht, wie wir gesehen haben aus zwei Teilen: 1. Zufluchtnahme (kie) und 2. Vorschriften (śīla bzw. kai). Wenn die Jōdo Shinshū keine Vorschriften beim Eintritt verlangt (mukai), ist damit dann das klassische Bekenntnis zum Buddha hinfällig und „abgeschafft“? – Ich denke, dass es keinesfalls so ist. Im Gegenteil! Man kann das klassische Bekenntnis so auffassen, dass es sich wirklich um zwei getrennte Teile handelt. Dann ist die Zuflucht zum Buddha etwas unendlich Tiefes und die Vorschriften sind dazu ein schrecklich formalistischer Zusatz. So denkt die Jōdo Shinshū nicht, sondern auch die Vorschriften sind etwas unendlich Tiefes. Zufluchtnahme und Vorschriften genauer gesagt: der Dharma (d.h. die Art wie man leben soll) sind eins und lassen sich nicht trennen. Der Dharma ist ganz vom Geist des Mitgefühls des Buddhas geprägt. Darum gibt es keine Verkürzungen, die ganze Bevölkerungsschichten ausschließen.

Seit den 1950ger Jahren gibt es einen im modernen Japanisch verfassten              offiziellen Text, dessen Titel man frei mit: „Die Lebensvorsätze eines Jōdo Shinshū-Anhängers“ übersetzten könnte. Es sind folgende vier Sätze, die alle demonstrieren, wie eng die Beziehung zwischen Zufluchtnahme und  Lebenspraxis in der Jōdo Shinshū gesehen wird:

1. Ich vertraue aufs Gelübde des Buddhas, spreche seinen heiligen Namen und versuche so  freudig und voll Kraft zu leben.
-Das bedeutet, dass man aus dem innersten Geist der Zufluchtnahme zum Buddha leben soll. Es ist der erste Teil des klassischen Bekenntnisses, aber selbst das wird schon mit der Lebenspraxis in Zusammenhang gebracht.

2. Stets betrachte ich mich selbst im Licht des Buddhas und bemühe mich voll Dankbarkeit.
- Der Buddha ist voll Mitleid mit allen Wesen, auch mit mir. Ich selbst bin dagegen ganz schön egoistisch. Das erkenne ich erst, wenn ich mich mit dem  Buddha vergleiche. Der Buddha lächelt, ich hingegen mache ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Der Buddha ist dabei, alle Wesen zu retten, mir gehen sie aber oft auf die Nerven. Dass so einer wie ich überhaupt eine Chance habe, ist erstaunlich. Ich kann dem Buddha wirklich dankbar sein.

3. Ich folge der Lehre des Buddhas, höre vom rechten Weg, und möchte mich so um gute Resultate bemühen.[2]
Was ist richtig? Was ist falsch? Wenn man das beurteilen will, hilft einem die Lehre des Buddhas. Hierunter fallen natürlich auch die Regeln(sīla), durch die man sein Handeln auf die guten Resultate hin prüfen sollte.

4. Ich freue mich über die Gnade des Buddhas und möchte mich um eine Gesellschaft bemühen, in der man sich gegenseitig achtet und einander hilft.
Auch dies ist- anders als alle Verbote! - eine positive Aufforderung zu leben.

Ein Letztes möchte ich noch hinzufügen. Wenn man sich dem Buddhismus anschließt, dann tut man es immer in Form einer bestimmten Schule.  Erst wenn man sagen kann: ich habe zur Jōdo Shinshū, zu Sōtō-shū oder meinetwegen zur tibetischen Gelugpa-Schule Zuflucht genommen, ist man Buddhist und nicht nur ein interessierter Schüler des Buddhismus. Im Westen versuchen viele Leute den Buddhismus als Ganzes zu studieren, sie glauben alle Einseitigkeiten der verschiedenen Traditionen abstreifen zu können und suchen sich dann, wie sie meinen, das Beste heraus. Diese Haltung ist am Anfang richtig, da man sich ja orientieren muss. Aber als Haltung für das ganze Leben ist sie falsch und wird von keiner der buddhistischen Schule gefördert. Vielmehr entscheidet man sich irgendwann einmal endgültig und dann geht die Reise eigentlich erst los. Wenn man auf den Berg Fuji steigen will, muss man sich auch entscheiden, ob man es von Norden oder Süden tut, je nach Schwierigkeitsgrad der Route muss man verschiedenes Gepäck mitnehmen, verschiedene Bergführer usw. konsultieren.

Natürlich wird man von den anderen buddhistischen Richtungen (und auch den anderen Religionen) sein ganzes Leben lang lernen. Aber die eigene Schule  (Religion) sollte man immer als die Wichtigste weiterverfolgen und man sollte ihr am meisten Zeit widmen. Als Faustregel zur groben Orientierung denke ich, dass man Zweidrittel seiner Zeit dem Studium und der Praxis der eigenen     Tradition und ein Drittel seiner Zeit dem Studium (und ggf. der Praxis) anderer Traditionen widmen sollte.



[1] Die Vorschriften sind genauso gemeint, wie sie dastehen. Wenn ein Mönch einem anderen Menschen die Vorschriften erteilt, dann muss er sie selbst halten, sonst verhöhnt er den Buddha. Diese strenge und kompromisslose Auslegung hielt Shinran davon ab, sich selbst als einen „Mönch mit Vorschriften“ zu bezeichnen.
[2] „makoto no minori o hiromemasu“ bedeutet wörtlich „ich möchte die wahren Früchte ausbreiten“ und wird meisten als Aufforderung, den Dharma zu verbreiten, interpretiert.

Sonntag, 7. Juli 2013

Sanghatreffen im Jikoji Tempel Antwerpen


Guten Morgen zusammen, gestern am 06.07. trafen wir uns im Jikoji Tempel in Antwerpen, um gemeinsam mit Rev. Kiribayashi (Director des Hongwanji International Centers in Kyoto) über das geplante Hongwanji Büro für Europa zu sprechen. Achtzehn Personen aus Belgien, Deutschland und der Schweiz nahmen an dieser Besprechung teil und wir erörterten unsere Ideen, Vorstellungen und Wünsche. Rev. Kiribayashi wird die Ergebnisse dieser Besprechung mit den zuständigen Stellen in unserem Haupttempel erörtern und vorstellen. Am Tag zuvor besuchte Rev. Kiribayashi das deutsche Anjin-Do Zentrum in Mönchengladbach und erkundigte sich nach dessen Aktivitäten und der deutschen Sangha. Nach der Versammlung im Konferenzraum des Jikoji Tempels beschlossen wir die Konferenz mit einem gemeinsamen Mittagessen. Rev. Kiribayashi wird seine Europareise fortsetzen und zur Vorbereitung der nächsten Europäischen Shinkonferenz Southampton besuchen. 



Mittwoch, 1. Mai 2013


Als Shinran Shonin begann den Dharma des Nembutsu zu lehren, hatte er binnen kurzer Zeit eine große Anhängerschaft. Er sprach aus einem alltäglichen Familienleben heraus und erzählte den Leute auf der Straße von Amida Buddhas Mitgefühl. Nun braucht man nicht viel Phantasie um sich auszurechnen, welchen Menschen er da predigte, denn die „braven“ und „guten“ Buddhisten gingen in die Tempel und Klöster. Die Menschen aber, die zu Shinran fanden, waren jene, die keine Zeit hatten in die Tempel zu laufen, oft waren sie nicht einmal erwünscht und so mancher war der ethischen Lebensweise nicht gerade zugetan. Shinran aber sprach davon, dass gerade solche Leute von Amida gerufen sind und dass des Buddhas Mitgefühl ihnen im Besondern zugedacht ist. „Selbst die Guten werden erlöst, um wie viel mehr die Bösen“. Leider wurde dies aber auch missverstanden und manche glaubten, man könne also machen was man wollte oder dass es eine besondere Voraussetzung sei,  Böses zu tun, um ins Reine Land geboren zu werden.. Dem hat der Shonin aber widersprochen. „Nehmt kein Gift, nur weil es ein Gegengift gibt.“  Shinran Shonin lehrte uns, dass es unser Karma ist, welches uns Gutes oder Schlechtes tun lässt und es nur auf die Bedingungen ankommt, ob wir das Eine oder das Andere wirklich tun können. Das ist auch einer mit der Gründe, warum wir in der Jodo Shinshu keine Silas „versprechen“.  Wir können nicht etwas versprechen, von dem wir nicht wissen, ob wir es auch halten können oder nicht. So kommen wir also immer wieder in Situationen, in denen man darauf aufmerksam gemacht wird, dass Trinken und Rauchen, Fleischessen und andere Dinge nicht wirklich buddhistisch sind und man wird „sehr mitfühlend“ auf einen solchen persönlichen Missstand aufmerksam gemacht. Solche Situationen sind sehr wichtig und man sollte dem Mahner wirklich dankbar sein. Weil er uns bei der Eigenreflektion hilft zu erkennen, dass gerade „ICH“ den Amida Buddha besonders brauche. Amida Buddha nimmt mich so wie ich bin und sein Licht umarmt mich, ohne dass ich etwas Besonderes tun oder lassen zu müsste. Diese Eigenreflektion und Erkenntnis sind auf unserem Weg von essentieller Bedeutung. Wenn wir also einem wohlmeinenden Mahner begegnen, so sollten wir ihm von Herzen dankbar sein, uns aber gleichzeitig davor hüten, eine ebensolche Mahner Position einzunehmen. Wenn der Amida Buddha jeden so annimmt wie er ist, sollten wir dies ebenso tun, im Wissen, dass die karmische Wirkung großen Einfluss hat, aber jeder Mensch uneingeschränkt vom Buddha gewollt ist. 

Mittwoch, 17. April 2013

Warum Religion??



Ein Pladoyer gegen das utilitaristische Religionsbild

von Rev. Jochi Marc Nottelmann

I. Religion und die Suche nach Glück

Es gibt einige Grundannahmen über das menschliche Leben, die heutzutage von fast allen Menschen geteilt werden – und zwar ziemlich unabhängig, wozu sie sich bekennen: zum Christentum oder Islam, zum Buddhismus oder Theismus, zum Agnostizismus, Materialismus oder zu esoterischem Gedankengut. Eine dieser Grundannahmen ist folgende:

Der Mensch sucht ohne Zweifel nach Glück. Dazu gehört eine Form von Sicherheit und sozialer Anerkennung, weshalb man Geld, beruflichen Erfolg und vieles andere braucht. Jenseits dieser materiellen Sicherheit möchte man auch im psychischen Bereich mit sich im Reinen sein, man möchte nicht allen emotionalen Schwankungen hilflos ausgeliefert sein, möchte sich im Griff haben, frei sein, sein Leben zu gestalten und zu planen. Die Grundannahme, von der ich spreche, ist nun, dass diese Suche nach Glück das eigentliche und letzte Ziel des Menschen ist.

Menschen mit materialistischer Lebenshaltung, die sich also keinem religiösen oder in weiterem Sinne spirituellen Gedankengut verpflichtet fühlen, wissen, denke ich, meist sehr genau, was sie erreichen wollen, worum sie sich zu bemühen haben, damit der Erfolg sich einstellt. Andererseits sind auch die Religionen nicht untätig, den Menschen vieles zu versprechen, was ihnen ganz direkt ihre Lebensqualität soll. Der Erfolg des Christentums in Südamerika, von dem man in der letzten Zeit so viel hört, wäre nicht denkbar, wenn es nicht gerade den ärmeren Schichten Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen würde. Das Extrem der Evangelikalen, die predigen, man können durch das Gebet alles erreichen, liegt dann nicht fern.

Auch in Korea, wo das Christentum gerade in den Städten die bei weitem dominante Religion geworden ist, tragen die Kirchen oft Namen wie „Osam Power Church“. Der gute Hirte, der seine Herde voll versorgt, und nicht das Kreuz ist das Symbol dieses Christentums.  Manchmal teilen solche Kirchen eine Wand mit einem schicken Autogeschäft, so dass die Vermutung nicht ferne liegt, hier beteten die Hausfrauen für die Karriere ihrer Männer bei Samsung oder LG, damit sie später in einem prestigeträchtigen Auto fahren können.

Auch wenn man Religionen gewiss nicht unterstellen kann, dass sie bloß auf diesseitige materielle Vorteile ausgerichtet sind, so scheint es sich doch mit dem „Jenseits“, das sie lehren, keineswegs grundsätzlich anders zu verhalten. Auch hier ist die Suche nach Glück offenbar das Entscheidende, wenn auch nicht in diesem Leben, so doch im nächsten.

II  Der Kompetenzverlust der Religion

Wenn man die Geschichte der menschlichen Kultur anschaut, dann stand am Anfang eine Art Einheit, und auf diese Einheit versuchen wir heutzutage mit dem Wort Religion hinzuweisen (Ich will dieses Wort gebrauchen und nicht seine Alternativen wie „spirituell“ oder ähnliches, obwohl es uns immer unverständlicher wird und wir im Alltag immer unangenehmere Erfahrungen mit ihm machen).
In den ältesten Kulturen war alles irgendwie religiös. Wer krank wurde ging zum Medizinmann, wer den rechten Zeitpunkt für die Aussaat wissen wollte, ging zu einem Priester, der sich mit dem Kalender d.h. mit den Himmelsgottheiten auskannte. Im Theater sah man Göttergeschichten, und auch das Gemeinwesen und die Rechtssprechung waren untrennbar mit der Religion verbunden. In dieser Phase der Kultur war die Suche nach dem ganz alltäglichen Glück notwendigerweise mit der Religion verknüpft, einfach weil es nichts anderes gab.

Diese ursprüngliche Einheit hat sich im Verlauf der Kulturgeschichte immer mehr aufgebläht, sie ist sozusagen wie das Universum seit dem Urknall expandiert. Alle möglichen Bereiche unserer Kultur sind früher oder später aus der Hand der Priester in die Hand von Fachleuten geraten. Die Priester sind heute nicht mehr für Meteorologie, Psychotherapie oder Juristerei zuständig. Mit Religion haben all diese menschlichen Kulturleistungen nach dem Selbstverständnis ihrer Fachleute eigentlich nichts mehr zu tun.

Der Prozess der Expansion der kulturellen Einzelbereiche ist ein Prozess, der, denke ich unumkehrbar ist, und der seit etwa dreihundert Jahren in einem immer unvorstellbarer werdenden, sich beschleunigendem Tempo stattfindet. Vor 150 Jahren verlor die Religion ihre Deutungskompetenz über die zeitliche Herkunft des Menschen: die Evolutionslehre ersetzte in der Welt der Tatsachen Adam und Eva. Gegenwärtig wackelt infolge der Entwicklungen der Genforschung und Neurobiologie vieles andere, was zum klassischen religiösen Menschenbild gehört. Damit tritt die Frage nach der Religion als der ursprünglichen Einheit immer deutlicher zutage: Braucht man die Religion noch? Ist sie überhaupt noch relevant? Unter der obigen Grundannahme kann man sogar fragen: trägt die Religion überhaupt noch zum Glück der Menschen bei, oder hat man sie durch die Einzelwissenschaften usw. nicht schon längst ersetzt worden?

Man kann sicherlich von einem scheinbaren „Kompetenzverlust der Religion“ sprechen, und es gibt die unterschiedlichsten Formen darauf zu reagieren: Einige schreiben die Religion bereits ab, und betreiben –wie sie meinen – „Aufklärung“ gegen die Religion, in der Annahme, dass z.B. religiöse Differenzen nur entstehen, weil Menschen noch nicht bereit sind, ihr vorwissenschaftliches Weltbild aufzugeben. Ihrer Meinung schadet die Religion sogar, da sie zu Konflikten führt, wo die Wissenschaft oder die gesellschaftliche Entwicklung schon längst ein Wort gesprochen hat. Andere fühlen ein zunehmendes Unbehagen mit einer Welt, in der alles auf Zahlen und abstrakte Begriffe zurückgeführt werden soll. Sie spüren, dass etwas in der Mitte fehlt, und blicken auf – im technischen Sinne rückständige Völker, bei denen bis ins zwanzigste Jahrhundert die ursprüngliche Einheit noch spürbar war: z.B. die tibetischen Kultur oder die Kultur gewisser Indianerstämme. An ihnen sollten wir uns wieder ein Vorbild nehmen, so lautet ihr Projekt, - und unser westlicher Buddhismus gehört ja ganz bis zu einem gewissen Grade zu dieser Denkhaltung.

III Zwischen Skylla und Charybdis

Der Sage nach durchquerte Odysseus die Meerenge von Messina, wo auf beiden Seiten des Ufers Ungeheuer lauerten, die ihm zahlreiche Gefährten fraßen. In einem ähnlichen „tragischen Dilemma“ scheint mir auch die Religion der Gegenwart zu stecken. Sie leidet an zwei Extremen, an der der einzelne Mensch als religiöses Wesen fast schon im Regelfall scheitert.

Das erste Extrem ist die Religionsvergessenheit. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland und Japan sind mit ganz anderen Dingen als Religion beschäftigt, man widmet ihr fast keine Zeit mehr. Wenn die Religion überhaupt noch ins Blickfeld gerät, dann geht man diplomatisch vor. Man gibt vielleicht noch vor, die religiöse Tradition zu schätzen: die Kirchen und Tempel lässt man stehen, die Schriften der Religion werden sorgfältig archiviert und der historischen Forschung zugänglich gemacht. Die Vertreter der Religion lädt man höflich zu Diskussionsrunden ein, da sie Teile der Gesellschaft „repräsentieren“. Aber im Grunde genommen ist man sich bewusst, dass die Religion all ihren positiven Nutzen, den sie einst für die Gesellschaft gehabt hatte, schon längst an andere Bereiche der Gesellschaft (die Fachwissenschaften usw.) verloren hat. Die Beschäftigung mit Religion nötig, um einen Ausgleich zwischen religiösen Interessengruppen zu erreichen, ansonsten ist es allenfalls ein Rückblick in die Vergangenheit. Sieht man Menschen, die die Religion noch „freiwillig“ (d.h. ohne eine Verpflichtung durch ihre Herkunft) praktizieren, so reagiert man argwöhnisch und glaubt, es müsse sich um ein Missverständnis handeln.

Das zweite Extrem besteht darin zu leugnen, dass die Religion Kompetenzen abgegeben hat, bzw. dass diese Abgabe legitim gewesen sei. Man glaubt, dass die Einzelwissenschaften zu Unrecht die Meinungsführerschaft in gewissen Gebieten übernommen hätten, die einst die Domäne der Religion waren. Wenn die Einzelwissenschaften überhaupt etwas zu melden hätten, dann erst, nachdem sie die Religion befragt haben. Auf diesem Standpunkt tummeln sich die verschiedensten Denkrichtungen und Ansätze Sie sind höchst uneinheitlich und niemals wirklich konsequent, aber sie haben alle etwas gemeinsam: sie sind eine Reaktion darauf, dass sich gerade in der Moderne die Kultur in einzelne „von der Religion unabhängige Systeme“ weiterentwickelt hat. Als Beispiel könnte man den Kreationismus nennen, der die Evolution leugnet und ganzen Bereichen der Naturwissenschaft den Mund verbieten will. Oder auch verschiedene Spielarten der Esoterik, z.B. die „Christliche Wissenschaft“, die durch Gebet Heilung herbeiführen will, aber keineswegs durch die Schulmedizin. Sogar der „islamische Fundamentalismus“ ist, da er die Rechtsordnung wieder auf Religion zurückführen will, letztlich eine Strömung dieser ganz universellen geistigen Bewegung.

Die Tragik des religiösen Menschen unserer Tage besteht darin, dass er entweder gezwungen wird, der Religion als Beobachter von außen gegenüberzutreten. Dass er z.B. nur noch gelehrt über Religion reden soll und angehalten wird, sie wie ein Obduktionsmediziner zu sezieren, ohne sich Gedanken zu machen, dass es sein eigenes religiöses Leben ist, das da auf dem Obduktionstisch liegt.  – Oder aber: dass er sich in die Religion hineinstürzt, sich von ihr alles Mögliche erhofft, was sie letztendlich überfordert; schlimmstenfalls landet er so bei irgendeiner Süßholz raspelnden Sekte. Im ersten Falle reagiert er auf die oben erwähnte Expansion der kulturellen Bereiche, indem er behauptet: in der Mitte ist nichts mehr (Nihilismus). Im zweiten Falle tut er so, als ob die Expansion gar nicht stattgefunden hätte, weil sie gar nicht stattfinden kann (Äternalismus).

Die Rechnung, die hier aufgemacht wird ist klar: entweder die Religion hat einen Nutzen für den Einzelnen bzw. die Gesellschaft oder sie hat keinen. Im letzteren Falle ist sie sinnlos, schafft nur Konflikte und sollte langfristig verschwinden.


IV Die Religion und das Leiden
.
Ich denke, die Rettung der Religion und unseres Daseins als religiöse Menschen liegt darin, dass wir die Grundvoraussetzung, von der all dieses Denken ausgeht, einmal infrage stellen müssen: dass die Religion auch nur eines jener gesellschaftlichen Systeme (wie das Gesundheitssystem, Rechtssystem, Finanzsystem usw.) ist, die das Glück des Menschen zu optimieren versuchen. Meine These ist: die Religion (in Form des Christentums, des Buddhismus usw.) war niemals eine solches System und kann es auch niemals sein. Wer die Religion dazu machen will, hat die Religion von Anfang an missverstanden und wird sie verlieren, wenn er das Missverständnis nicht irgendwann einmal einsieht.

Ich möchte diesmal ein jüdisch-christliches Beispiel anführen: Im Buch Rut wird die Geschichte der Urgroßmutter des Königs David erzählt. Es heißt, eine Frau namens Noomi, habe wegen einer Hungersnot ihre Heimat, die Stadt Bethlehem, verlassen und sei mit ihrer ganzen Familie nach Moab gezogen. Aber auch im Ausland sei ihr das Glück nicht hold gewesen. Nach und nach starb ihre ganze Familie, auch alle ihre Söhne sanken kinderlos ins Grab. Einzig und allein ihre Schwiegertochter, eine Moabiterin namens Rut, bleibt übrig, und diese hält treu zu ihr. Nicht einmal als Noomi mittellos in ihre Heimat zurückkehrt, weicht Rut von ihrer Seite. Die Nichtjüdin Rut erweist sich auch im weiteren Verlauf als die vollkommene Schwiegertochter. Es gelingt, eine Heirat Ruts zu eben jenem reichen Mann einzufädeln, der nun über den verlorenen Grundbesitz der Familie Noomis verfügt. Er wird als Schwiegersohn der Familie Noomis adoptiert und damit ist die Familie Noomis – wie durch ein Wunder - wiederhergestellt. Wie erwähnt, geht aus ihr nichts Geringeres hervor als das Haus Davids.

Wenn man die Geschichte aus heutiger Perspektive liest, dann stellt man  sogleich die Frage: und was ist denn mit den Söhnen Noomis geworden? Waren sie nicht auch fromme Juden? Warum hat Gott, wenn er allgütig ist, ihre Gebete nicht erhört? Warum mussten sie so jung sterben? Warum funktioniert das Gebet im einen Fall, im anderen Fall aber nicht? Das ist das Theodizee-Problem, das in der gesamten neuzeitlichen Philosophie herumgeistert.
Das Buch Rut selbst ist vollkommen unsensibel für diese Frage, sie kommt für die Autoren dieses Buchs gar nicht in Betracht. Das Versprechen Gottes gilt dem Volk Israel (auch wenn hier der erste bemerkenswerte Adoptionsfall einer Ausländerin geschildert wird!). Es gilt nicht einer einzelnen Person und nicht deren Glück oder Unglück. Der Sinn eines einzelnen jüdischen Lebens (wenn man das recht moderne Wort „Sinn“ einmal gebrauchen darf) besteht darin, an diesem Projekt des „Volkes Israel“ teilzuhaben. Insofern hat Gott sein Versprechen auch den glücklosen Söhnen Noomis gegenüber voll und ganz erfüllt. Sie sind Ahnherren des Hauses David und damit aus höherer, sozusagen Gottes Perspektive außerordentlich glücklich.

Das menschliche Leben wird auf ein höheres Ganzes bezogen, das viel wichtiger ist als jedes individuelle menschliche Leben mit seinem Glück oder Unglück: dies ist die typisch religiöse Denkweise. Ähnlich, wenn auch in etwas anderer Form findet man sie auch im Buddhismus. Dadurch dass Menschen sich zum Buddhismus bekannten oder sogar eine große Rolle in seiner Geschichte gespielt haben, fiel ihnen das irdische Glück keineswegs in den Schoß. Buddhas Mutter starb ein paar Tage nach seiner Geburt, Buddhas großer Förderer König Bimbisara verhungerte im Gefängnis, Maudgalyayana wurde von fanatischen Sektiereren erschlagen usw. usf.

Darauf, dass der Buddhismus das menschliche Leben beglückte, darauf gibt es schon in seinen ältesten Schriften wenig Hinweise. Auch wenn gute Werke gute Resultat haben, so heißt das für die Gegenwart überhaupt nichts. Der Buddhismus ist gar nicht auf die Suche nach Glück ausgerichtet, sondern auf die Überwindung des Leidens. Einem nach Glück suchenden Menschen gönnt er es gerne, dass er etwas Glück findet – aber das Leiden in Form von Alter, Krankheit und Tod bleibt davon unberührt.

Im Mahāyāna-Buddhismus ist das Ziel nicht einmal die Überwindung des persönlichen Leidens, sondern das Leiden der anderen soll überwunden werden – genauer gesagt: es wird gar kein Unterschied mehr gemacht zwischen dem eigenen Leiden und dem der anderen. Darum ist der Weg des Bodhisattva – wie ihn beispielsweise S’āntideva lehrt– eine Einübung in das Leiden für andere. Der Bodhisattva opfert sich in einer alten Erzählung für eine hungernde Tigerin und ihre Jungen. Dies greift S’āntideva poetisch auf, wenn er die Gebefreudigkeit folgenderweise beschreibt: „Erst gibt man Karotten und anderes Gemüse, dann gibt man seine eigenen Gliedmaßen und seinen ganzen Körper.“

Selbst der Glückszustand in der Meditation oder die physische Gesundheit, die dadurch gefördert zu werden scheint, sind nur Nebeneffekte. Was vielen westlichen Buddhisten als Motivation gilt, ist eigentlich nicht Ziel des Buddhismus. Genau genommen wird in den buddhistischen Schriften nicht einmal dieser Nebeneffekt für das gegenwärtige Leben garantiert. Im Gegenteil, es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Mensch, der sein Leben mit ganzem Herzen dem Buddhismus weiht, trotzdem weiterhin physische, materielle und sogar emotionale Schwierigkeiten hat. Vielleicht verstärkt das Buddhistsein diese Schwierigkeiten sogar noch. Denn nur wenige Menschen haben Verständnis dafür, dass jemand sich zum Buddhismus bekennt. Wenn jemand all die Zeit und Mühen, die er der buddhistischen Praxis opferte, für seinen beruflichen Erfolg oder die körperliche Fitness aufgewendet hätte, dann hätte er wohlmöglich größere, sichtbarere Ergebnisse erzielt. Dies ist, was ich oben schon andeutete: wenn man die Religion (nicht nur den Buddhismus, sondern irgendeine andere auch) zu einem begrenzten Zweck ausübt, dann wächst, wenn man zu sich ehrlich ist, der Zweifel und man verliert sie.

Ein Mensch, der sich um etwas bemüht, ohne einen unmittelbaren Vorteil daraus zu erzielen: der kämpft. Alle anderen Religionen sprechen vom Kampf mit der Welt, dass man das Kreuz auf sich soll usw. Sollten Buddhisten nicht kämpfen müssen, etwas weil sie das Leiden vermeiden wollen? Das Gegenteil ist der Fall: Auch der Buddha sprach einmal davon, dass ein Elefant in der Schlacht erst kämpft, wenn er seinen Rüssel aufgegeben hat. Im Großen Sūtra (266b19) heißt es sogar (ganz ähnlich wie im Christentum), ein Bodhisattva nimmt die Last der fühlenden Wesen auf sich. All das zielt nicht auf eigenes Glück ab – jedenfalls nicht in diesem Leben und, streng genommen, noch nicht einmal im nächsten. Dies ist die Dimension des Ertragens, der „Geduld“ (k.sānti), die mir in der Lektüre immer mehr als die Haupteigenschaft des Bodhisattvas erscheint. In dieser k.sānti steckt die Lebenskraft des Buddhismus, durch die er immerhin schon 2500 Jahre alt geworden ist.

V Sich selbst opfern – aber wofür?

Warum soll man sich im Leben um etwas bemühen, das nicht der Optimierung des eigenen Glücks dient? Diese Frage führt schon aus dem Menschenbild heraus, das wie eine dunkle Wolke über unserer ganzen Gegenwart liegt. Man muss diese Frage allerdings entschlossen stellen. Wenn man hier zögert, dann fällt man wieder in die alten Gleise und gewohnten Vorstellungen über Religion zurück. Denn dann lautet die Standardantwort, die einem schon fast jeder Intellektuelle entgegenhält: Die Menschen praktizieren Religion, weil Religion ein Leben nach dem Tod lehrt und es um die Optimierung des Glücks im künftigen Leben geht. (Wer also nicht an das Leben nach dem Tod glaubt, wofür es ja keine empirischen Daten gibt, der braucht auch keine Religion und sollte sich um die Optimierung des Glückes in diesem Leben kümmern, was ohnehin sinnvoller ist etc.etc.)

Aber in der Religion geht es um viel mehr als diese moderne Religionsvorstellung uns weismachen will. Das Glück der Religion oder, genauer gesagt, der Grund, warum ein religiöser Mensch niemals auf seine Religion verzichten will, selbst wenn ihm das vollkommene Glück winkt, besteht darin, dass er in der Religion sein eigenes Dasein auf etwas Höheres bezogen sehen kann. Der Mensch sucht eine Perspektive auf sich und die Welt, die er als letztendlich und von seinem fehlerhaften Selbst unabhängig anerkennen kann, es ist eine Perspektive Gottes oder Buddhas, die ihm sein Dasein erklärt. Nicht die Suche nach dem Glück ist also das Motiv der Religion, sondern es geht in der Religion um eine Art von Weisheit oder Erkenntnis, die alle begrenzten Begründungen überschreitet und dennoch den Anker gleichsam auswirft. (Die Buddhaschaft ist durch universale Erkenntnis sarvaj~nana 一切智 charakterisiert!) Solange der Mensch eine solche sein Leben selbst begründende Erkenntnis nicht hat bzw. sie nicht einmal ahnt, ist er sich selbst irgendwie unvollständig. Er hat an der  Welt teil, aber es ist ein Anhäufen von Einzelerfahrungen, eine Art Konsum – und irgendwie fehlt darin die Würde.

Dies ist, glaube ich, ein ganz allgemeiner Gedanke, den es sehr ähnlich in allen Religionen gibt, und darum ist Religion eine viel zu ernste Angelegenheit, als dass man sie nur als eine Kalkulation über das Leben nach dem Tod missverstehen dürfte. Religion muss noch nicht einmal ein Leben nach dem Tod lehren – wie das Beispiel des alten Judentums zeigt. Die Behauptung, die Optimierung des Glücks im zukünftigen Leben sei das Motiv der Religion scheitert sie schon an den Fakten, die die Westler schon von ihrer heimischen Religion her kennen müssten.

Vielleicht hat die Menschheit seit den Tagen des antiken Judentums ihr religiöses Bewusstsein noch verschärft. Zu Zeiten Ruts, vor über 3000 Jahren, mag das Höhere, in dem das individuelle Leben seine eigentliche Erfüllung fand, der Ankerort, der zur Bedeutung des menschlichen Lebens hinüberführte, noch in dem Begriff „Volk“ versammelt gewesen sein (der damals wahrscheinlich eine unendlich viel reichere Bedeutung hatte, als er es heute hat), im Christentum wurden daraus schon „alle Völker“ (was sicherlich ebenfalls mehr bedeutet als das, was ein moderner Philanthrop unter „Menschheit“ versteht). Im Mahāyāna-Buddhismus wird es klar, dass das „Meer aller fühlenden Wesen“ dieses Höhere (den sogenannten Tathāgatagarbha) darstellt. Ein Wesen, das diesem Meer der Wesen, Einsicht (bodhi) bringt, ist ein Bodhisattva und verkörpert aus Mahāyāna-Perspektive das ideale Menschsein. Wenn der Bodhisattva allen Wesen dient, um ihnen die Einsicht zu bringen, so ist es vollkommen unerheblich, ob er nach menschlichen Maßstäben als glücklich oder unglücklich zu bezeichnen ist. Manche große buddhistische Lehrer sind ihr ganzes Leben mit einem mürrischen Gesicht herumgelaufen, z.B. der in Tibet berühmte Geshe Langri Thangpa (1054–1123), der nur ein einziges Mal in seinem Leben gelacht haben soll - so bemitleidenswert empfand er den Zustand seiner Zeitgenossen.

V. Exkurs: Die Rolle des Glücks in der Jodo Shinshu

Ich möchte nicht missverstanden werden: natürlich kann man die Religion auch als „höchstes Glück“ bezeichnen. So lautet ja auch der Name des Reinen Landes (s. Sukhāvatī j. gokuraku). Die Glücksforschung – das gibt es inzwischen tatsächlich! – hat gezeigt, dass religiöse Menschen im Durchschnitt glücklicher sind als nichtreligiöse.  Aber es ist ein vollkommen eigentliches (und in weltlichem Sinne oft ganz und gar grundloses) Glück. Wer dieses Glück sucht und gleich Ergebnisse haben will, der wird es niemals finden. Stattdessen wird er oft bei Lehren und Lehrern landen, die ihn am Ende doch enttäuschen.

Nach den Lehren der Jodo Shinshu ist das vertrauensvolle Herz (shinjin) von Glück begleitet, aber dieses Glück ist wie ein scheues Kätzchen: sobald die kleinst menschliche Leidenschaft auftritt, ist es schon wieder  verjagt. Dann muss man sich wieder viel Zeit in der religiösen Übung nehmen, um es anzulocken. Wenn dieses scheue Glück der Grund für die Hingeburt wäre, dann wäre der Mensch wahrscheinlich verloren. Denn es ist unwahrscheinlich, dass er, wenn sein Leben endet, gerade die wahre Glaubensfreude im Herzen trägt.

Zwei wichtige Fehler der spirituellen Praxis eines Jodo-Shinshu-Anhängers hängen mit der Überbewertung des Glücks in der Religion eng zusammen: Man spricht von I-Anjin (異安心) „dem vertrauensvollen Herzen in etwas Falsches“ und diese beiden Formen von I-Anjin kommen, denke ich, heutzutage sehr häufig vor.

Die erste ist „das Missverständnis, das Glück für die wahre Ursache [der Hingeburt] zu halten“ (kangi shoon no igi 歓喜正因の異義).[1] Die wahre Ursache für die Hingeburt ist das vertrauensvolle Herz, nicht das Glück, das wie erwähnt nur veränderlich ist. Darum ist es falsch, sich mit autosuggestiven Methoden in eine Glaubensfreude hineinzusteigern, und diese dann für „wahres shinjin“ zu halten. (Klassisches Beispiel dafür ist der Nembutsu-Tanz, der eine Art Glaubens-Trance herstellen will, weshalb man dieses I-Anjin auch als Odori nembutsu no jagi 踊り念仏の邪義bezeichnet).

Die zweite Form von I-Anjin ist die „Zuflucht in den spirituellen Freund“ (chishiki kimyo知識帰命 oder zen-chishiki danomi 善知識だのみ).[2] Die Jodo Shinshu lehrt die Zuflucht in Amida und niemanden sonst. Spirituelle Freunde und Lehrer sind sehr wichtig, weil sie einem die Richtung zeigen und einem helfen, wenn man mit seinen Zweifeln allein zu sein scheint. Aber sie sind für das Eigentliche, worum es geht, nämlich die Zufluchtnahme in Amida, niemals relevant. Es gibt immer wieder Menschen, die uns manipulieren wollen. Sie haben eine Ausstrahlung als wären sie immer glücklich, und suggerieren uns dadurch, dass sie eine besondere Kenntnis über den Zugang zum Glück haben. Andere suggerieren uns mit Schlagfertigkeit und sicherem Auftreten, sie hätten alles bis zum letzten Grunde durchdacht und wir lägen ganz richtig, wenn wir uns ihren Ansichten anschlössen. Lassen wir uns nicht täuschen: wenn diese Menschen ehrlich zu sich selbst wären, dann würden sie nicht so auftreten. Es ist nicht menschlich, immer glücklich zu sein oder alles jederzeit richtig beurteilen zu können.

Der einzige Weg, Amida zu begegnen, ist das Hören der Lehre und sie wird durch keine Form der Suggestion unterstützt. Nur was man selbst im Herzen wirklich verstanden hat, zählt. Das Hören der Lehre ist aber immer ein vernünftiges Zuhören und dieses vernünftige Zuhörenist zu lernen, wenn man sich zum Shin-Buddhismus bekennt. Kein anderer kann für uns denken, und dennoch muss man in keiner Weise klug sein, um die Lehre zu hören.


VI Die Relevanz der Religion im öffentlichen Leben
Doch noch einmal zurück zum allgemeinen Fall! Für die Religion muss man kein Plädoyer abgeben, da der Mensch das religiöse Wesen schlechthin ist. Er besitzt etwas, wofür ihn die Tiere, wenn sie die leiseste Ahnung davon hätten, dass es so etwas gibt, beneiden würden: die Fähigkeit, die Welt und sich selbst aus einer Einheit her zu denken. Der Mensch kann sich also auf etwas beziehen, was ihn selbst übersteigt, und er wird es auch tun, wenn er nicht ganz dem Ich-Wahn verfallen ist. In diesem – sehr weiten - Sinne sind alle Lebensäußerungen des Menschen und auch alle seine Gedanken letzten Endes religiös. Selbst Ludwig Feuerbachs mutig-trotziges „Der Mensch ist, was er isst.“ ist eine zutiefst religiöse Aussage über den Menschen.

Religion bedeutet zweierlei. Einerseits gibt es die religiöse Tradition, die aus fernster menschlicher Vergangenheit bis in die heutige Zeit reicht. Andererseits hat jedes Zeitalter seine Art und Weise, religiös zu sein, und so wie sie ausfällt, so sieht auch das Zeitalter als Ganzes aus. Gegenwärtig droht ein kleiner Diktator der ganzen Welt mit einem Atom-Angriff. Nicht anders als seine Kollegen aus dem zwanzigsten Jahrhundert scheint er keinerlei Begriff von Karma oder der Verantwortung des Menschen vor Gott zu haben. Die religiösen Traditionen der Welt haben in den Köpfen dieser Leute keinen Niederschlag gefunden. Sie sind religiöse Analphabeten.

Aber nicht nur der Extremfall ist lehrreich und bezeichnend. Auch das Menschenbild im Kopf normaler Menschen und der gegenwärtige Zustand der Welt passen erstaunlich gut zueinander. In einer Welt, in der der Raubbau an den Ressourcen der Erde „alternativlos“ ist, in der die Unterschiede zwischen den Menschen allein durch das Geld definiert werden, ist jeder Mensch eine Ich-AG: er ist selbst dafür zuständig, wie viele glückliche Erfahrungen er im Verlauf seines Lebens auf sein Konto sammelt. Welches Interesse hat er am Wohl und Wehe der anderen Ich-AGs? Hat er überhaupt eins? - Vielleicht kann man sagen, er hat ein Interesse auf die anderen Ich-AGs Rücksicht zu nehmen, denn keine Firma kann ohne ihre Handelspartner existieren. Dennoch sind die Ziele zweier Firmen keineswegs die gleichen, und welches Interesse an der Zukunft sollte eine Ich-AG haben, die sich mit dem Tode auflöst?

Und so lebt und stirbt man heutzutage nicht viel anders, als es Tolstoi in seiner genialen Erzählung „Der Tod es Iwan Iljitsch“ beschreibt. So sterben vielleicht auch wir. Bevor wir am Ende unseres Lebens die Augen schließen, erkennen wir in einem wachen Augenblick vielleicht noch, dass die Welt durch uns ärmer geworden ist. Dann aber fällt uns ein, was uns durch Jahrzehnte der Reklameberieselung zur zweiten Natur geworden ist: „Aber ich bereue nichts. Ich habe viele schöne Dinge erlebt. Ich zumindest bin glücklich gewesen.“ Das ist dann der letzte Trost.

Wie unendlich arm und klein ist ein solches Menschenleben gegen das von Geshe Langri Thangba oder den Söhne der Noomi! Wie würdelos! Und wie werden die Nachfahren darüber denken?

Schlussbemerkung

Ich habe oben als Bild für die kulturelle Entwicklung Expansion des Universums nach dem Urknall verwendet. Ein Fehler war zu behaupten in der Mitte ist nichts mehr, ein anderer war, so zu tun, als ob die Expansion gar nicht stattgefunden hätte. Im Falle des expandierenden Universums ist jeder Ort die Mitte. Übertragen auf die Religion bedeutet das, dass die Religion zwar kein Stimmrecht in den Fachwissenschaften usw. hat, aber dass sie nach wie vor die Einheit darstellt, in der der Mensch seine Existenz ordnet. Insbesondere was der Mensch tun und lassen sollte, was für ihn heilsam ist und was nicht, sind Fragen, die man nur in Zusammenhang mit Religion beantworten kann. Die Religion als letzte Einheit, wie Menschen über diese Frage gedacht haben, als „letztes Anliegen“ (Tillich), das sich selbst habe, ist natürlich vielfältig und in sich widersprüchlich. Nichtsdestoweniger muss man die Religion befragen nicht anders als man die Natur befragen muss, bevor man ein technisches Problem löst.

Darum ist die Frage, ob die Religion nützlich ist oder nicht, absurd. Denn das, was dem Menschen im letzten Sinne nützt oder schadet, lernt man von der Religion. Der Grundfehler des heutigen Denkens über Religion ist es, die Religion den Maßstäben des Utilitarismus zu unterwerfen. Aber der Utilitarismus ist nur eine philosophische Mode, die nur Menschen überzeugt, die keine Selbstzweifel daran haben zu wissen, was im letzten Sinne nützlich ist.

Das utilitaristische Denken ist in der menschlichen Kultur eine Art Schmarotzer. So wie die Mistel auf einem Baum sitzt, der ihr alle Nährstoffe zuträgt, während sie selbst diese Nährstoffe nur noch verarbeitet, so profitieren die verschiedenen Formen der utilitaristischen Philosophien von einem von einem Vokabular, das die Religionen in Jahrtausende langem Suchen entwickelt haben. Wenn wir im Deutschen auf alle Wörter verzichten müssten, die eine christliche oder vorchristlich-religiöse Vorgeschichte haben, so müssten wir verstummen. Es sind gerade die ganz entscheidenden Wörter die uns fehlen würden wie Liebe, Vertrauen, Treue, Schuld, Gerechtigkeit usw. Dieses Vokabular verwenden sie ganz ahistorisch. Sie glauben an eine absolute Bedeutung des Wortes (das sich vielleicht sogar unmittelbar mit einer Gehirnaktivität identifizieren lässt), während die menschliche Sprache doch offensichtlich ein geschichtlicher Prozess ist.

Die Utilitaristen – als Menschen, die Einsicht in die letzten Zwecke haben – fordern Flurbereinigungen aller Art. Utilitarismus und Flurbereinigungsdenken ist, logisch gesehen, genau dasselbe. Was uns der Utilitarismus als säkulare Religion verkaufen möchte, ist wie ein Second-Hand-Shop für religiöse Begriffe. Es gibt kein treffenderes Wort dafür als Religion 2.0 . Die Religion 1.0 spricht vielleicht von der „Liebe des Menschensohns“ oder von „Mitgefühl und Weisheit des Bodhisattvas“, die Religion 2.0. spricht von „Menschenliebe“, die Religion 3.0. ist dann vielleicht schon Mao Zedong. – Das ist natürlich polemisch. Ich möchte nur sagen: es ist höchst gefährlich, auf den Erfahrungsschatz, der sich in der religiösen Rede niederschlägt, zu verzichten, und eine Haltung einzunehmen, als wüsste man schon alles. Religiöses Suchen in unser pluralistischen  und multikulturellen Welt ist schwierig, aber sie ist trotz allem möglich und vielleicht sogar faszinierender als je zuvor.


[1] 僧侶必携 改訂版 永田文昌堂 1974, S. 554 Man nennt dies auch „odori nembutsu no jagi“ die „falsche Ansicht des tanzenden Nembutsu“ 
[2] Ebenda S.552

Kurzbericht von der Mitgliederversammlung der BGJ-D und dem Frühlingstreffen im EKO-Haus der japanischen Kultur

Am vergangenen Wochenende  trafen sich die Mitglieder der BGJ-D zu ihrer diesjährigen Vollversammlung im  Anjin-Do Zentrum. Nach der Begrüßung im Zentrum hielten wir gemeinsam Andacht und es war besonders schön  Rev. Jotoku Thomas Moser und Rev. Kogyo Ilona Evers dabei zu haben. Vier ordinierte Priester in unserem kleinen Zentrum ist schon ein schönes Erlebnis, was ja nicht so häufig vorkommt. Die im Anschluss abgehaltene Mitgliederversammlung verlief in Einstimmigkeit und der entsprechende Inhalt der Versammlung wurde bereits vorab angekündigt und wird im Protokoll nochmals allen Mitgliedern zeitnah zugestellt. Nach der MV fuhren  alle in das EKO-Haus der japanischen Kultur nach Düsseldorf, wo wir von Prof. Rev. Aoyama zum Frühlingstreffen der EKO-Gemeinschaft begrüßt wurden. Nach der Begrüßung erfolgte ein vegetarisches Bento (Mittagessen) und danach eine gemeinsame  Andacht im Hondo des Tempels. Gleich im Anschluss hielt ich einen kleinen Workshop zur Tempel Etikette in einem Jodo Shinshu Tempel und Rev. Nottelmann führte die Gäste anschließend durch die Tempelanlage mit  seinem original japanischen Flair. Die Einzigartigkeit dieser Anlage in Europa kann gar nicht oft genug betont werden und leider ist es vielen Menschen immer noch nicht bewusst, dass diese Anlage eine religiöse Einrichtung zur Verbreitung des Buddhismus in seiner Vielfalt ist. Neben dem Jodo Shinshu Dharma, der durch das Haus vertreten wird, trifft sich auch eine aktive Zen-Gruppe  wöchentlich zur Dharma Praxis und auch andere Traditionen  werden durch Schrift und Bild der Öffentlichkeit nahe gebracht. Abschluss des Tages bildeten dann noch zwei Vorträge von Rev. Nottelmann und Rev. Evers. Am Sonntag trafen wir uns dann wieder zur monatlichen Shoshinge Andacht im Tempel und beschlossen das Frühlingstreffen mit einer lebhaften, lockeren Teerunde. Ich möchte mich nochmals bei allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen herzlich für diese wertvolle  Zeit bedanken und nicht zuletzt bei alle jenen, die zum Gelingen dieses Treffens beigetragen haben.

In Gassho