Anjin-Do

Anjin-Do

Donnerstag, 15. November 2012



                                       Anjin-Do Sangha beim monatlichen Dharma Treffen.

Gäste und Freunde, aber auch Neuinteressierte sind herzlichen Willkommen.
Unsere Treffen finden monatlich statt. Buddhistische Zeremonien werden gehalten
Dienstags und freitags Morgen um 10:00 Uhr.
Samstag Abend Zeremonie um 17:45 Uhr
Shoshinge Andacht jeweils am letzten Sonntag im Monat.
Nächstes Dharma treffen im Dezember ist am 16.12.

Namo Amida Butsu
Anjin-Do




















Schriftrollen von Prof. Rev. Shigaraki Sensei kaligraphiert

Sonntag, 11. November 2012

Die Wichtigkeit der Sangha



Rennyo sagt zum Thema Sangha
Setzt euch zusammen und diskutiert miteinander:
„…setzt euch zusammen und diskutiert über den Dharma.
Wenn fünf Menschen den Dharma hören, ist es wahrscheinlich, dass sie ihn auf fünf verschiedene Weisen verstehen. Deshalb solltet ihr euch über eurer Verständnis der Lehre austauschen, um zu verhindern, dass ihr etwas missversteht.“
(Thus have I heard from Rennyo Shonin (Rennyo Shonin’s Goichidaiki-kikigaki,
ISBN 978-973-88158-5-8, (119))

Schließe Freundschaften mit Menschen, die den Weg des Buddhas ernsthaft gehen:
“Du verlierst nichts, wenn du Freundschaften mit Menschen schließt, die den Weg des Buddhas ernsthaft gehen.
Sie haben den Dharma im Herzen, sogar wenn sie seltsame Dinge tun oder Witze reißen. Indem du Freundschaft mit ihnen schließt, wirst du viel gewinnen.“
(Thus have I heard from Rennyo Shonin (Rennyo Shonin’s Goichidaiki-kikigaki,
ISBN 978-973-88158-5-8, (299))

Frits Bots, ein Weggefährte aus den Niederlanden sagt in seinem Referat auf der ESC 2012 –sicher im Sinne Rennyos- folgendes:
Wir sollten Freunde und Weggefährten füreinander sein:
„Diejenigen, die nach der Geburt ins Reine Land streben, sollten sich gegenseitig helfen, diesen Wunsch zu verwirklichen. Sie sollten Freunde und Weggefährten füreinander sein.“

Was sollen nun aber die Weggefährten tun, die nicht in der Nähe einer Jodo Shinshu Sangha wohnen?
Sehr zu empfehlen ist es, unsere deutschlandweiten Treffen, zum Beispiel im Eko Haus, zu besuchen.

Eine andere Möglichkeit wäre, sich per Email, per Brief oder am Telefon mit anderen Weggefährten auszutauschen. 

Diejenigen von euch, die so eine Möglichkeit suchen, schreiben bitte eine Email an
ilona.evers@web.de. Ich stelle dann gerne den Kontakt zwischen euch her.

In Gassho Eure Rev. Kogyo Ilona Evers

Samstag, 10. November 2012

ICH ?


Liebe Dharma Freunde

Eine Frage, die in allen Traditionen eine große Rolle spielt, ist die Frage nach der eigenen Identitätsvorstellung und danach, wie wir uns von dieser leidverursachenden Vorstellung befreit werden können. Shākyamuni Buddha erklärte in seiner Darrstellung der vier edlen Wahrheiten sehr präzise, wie das Leiden in unser Leben tritt und inwieweit wir etwas dazu beitragen können, dieses Leiden zu vermindern oder zu beseitigen. In der Jodo Shinshu Tradition sind diese Aussagen genau so relevant und brennend, wie in allen anderen Schulen des Buddha Dharma und doch ergeben sich aus dessen Doktrin häufig Unsicherheiten und Fragen danach, wie wir als Jodo Shinshu Buddhisten die Sache mit der Ich-Vorstellung verstehen können.  

Nun, zunächst einmal müssen wir nach der Lehre Buddhas davon ausgehen, dass da schon jemand vor uns war, der sich vielleicht oder auch nicht, mit solchen Gedanken beschäftigt hat. Das wir überhaupt existieren und heute sind, nämlich die, die wir jetzt sind, hat seine Ursache in der Vergangenheit. Wir alle haben unzählige Male diesen Kreislauf von Leben und Tod durchschritten und stehen heute wieder im Leben, so als wäre es unser erstes Mal. Der Buddha sagt, dass dies eine Täuschung ist, die auf Unwissenheit beruht. Das Gesetzt vom bedingten Entstehen lehrt, dass die, die wir heute sind, nur so sind, weil der oder die, die vor uns waren, den Grundstein dazu gelegt haben. Nun hört sich das alles sehr persönlich an, doch eigentlich ist diese persönliche Vorstellung davon schon wieder von Unwissenheit vernebelt.

Die Personen, die vor uns gelebt haben, handelten natürlich aufgrund einer ICH-Vorstellung und begründeten also karmische Energien, die sich nach ihrem Ableben nicht einfach so auflösten, sondern welche sich wieder erneut manifestierten und heute Klaus oder Monika heißen. Auch Klaus oder Monika haben wieder eine Vorstellung davon, dass es da ein ICH gibt und wir denken, sprechen und handeln danach. Was uns dabei seltene bewusst ist, dass wir genau so oder ähnlich handeln, wie die, die vor uns waren. Nun sollten wir uns aber vor Augen halten, dass  es vor Klaus, keinen Klaus gab und nach Klaus wird es vielleicht einen Andreas, eine Claudia oder einen Manfred geben. Wer weiß?                

Nach buddhistischer Lehre setzt sich nur ein Geistkontinuum fort, welches alle karmischen Energien beinhaltet, die wir seit anfangsloser Zeit mit uns herumschleppen und unsere weiteren Manifestationen bestimmen. Energie löst sich nicht so einfach auf und verschwindet, sondern setzt sich fort und wenn die Bedingungen günstig sind oder gegeben, so manifestiert sich diese Energie erneut. Das wir daraus ein ICH machen, liegt in der menschlichen Natur. Wir nehmen durch unsere Sinnesorgane (Tore) äußerliche Reize wahr und bewerten sie naturgemäß in angenehm oder unangenehm. Wir empfinden die Dinge als gut oder schlecht, halten sie für  wahr oder unwahr usw.

Das was da wahrnimmt, nennen wir ICH, weil unser Geistbewusstsein so arbeitet. Es ist unser Denken und unser Bewusstsein, welches uns eine Persönlichkeitsvorstellung vorgaukelt und diese Welt automatisch bewertet und wahrnimmt. Also bin ICH!!!

Nun, wer wird also nach unserer Vorstellung erlöst oder befreit?                   Wenn “Ich” befreit werde, so kann doch eigentlich nur diese Täuschung einer ICH-Vorstellung befreit werden, denn rein faktisch gibt es nach den Worten des Buddhas kein ICH, oder hat der Buddha sich getäuscht?

Solange wir leben, werden wir mit dieser Ignoranz verbunden sein und jeden Tag eine sich fortsetzende ICH-Vorstellung mit uns tragen. Interessant dabei ist, dass das Ich von heute, häufig völlig anders ist, als das Ich von gestern oder von vor einem Jahr oder vor zehn Jahren. Auch wird unsere Vorstellung davon in einem oder zwei Jahren eine andere sein und doch halten wir das ICH für eine konstante Identität. Wenn sich doch alles ändernd und vergeht, wie kann denn ein ICH konstant bleiben? Ich spreche nicht davon, dass wir uns als Menschen natürlich verändern, sondern davon, dass wir glauben, dass diese Identität sich für beständig hält  bzw. die Hoffnung hat, dass es so sein wird.

Amida Buddha ist Manifestation der absoluten Wahrheit und der Soheit. Er ist Dharmakaya, die Buddha Natur oder auch Leerheit. In dieser Buddha Natur ist alles enthalten und nichts kann aus ihr herausfallen. In unserer Tradition sprechen wir vom Licht Amidas, das alles umfasst und alles durchdringt und die drei Reinen Land Sutren erzählen seine Geschichte und von seiner befreienden Gelübdekraft.  Alle Sutren sind Wegweiser, hin auf dieses Ziel, hin zur Befreiung, hin zur Realisierung, dass wir nicht vom Buddha getrennt sind. Shākyamuni Buddha gab uns diese Sutren aus Mitgefühl für jene, die sich eben nicht von einer ICH-Vorstellung selber befreien können. Darum geht es sich in der Jodo Shinshu auch nicht um diese Thematik. Shinran Shonin sagte, dass es uns nicht möglich ist dahinter zu steigen und wenn wir noch so viel darüber nachdenken und philosophieren. Namo Amida Butsu ist = ich nehme Zuflucht zu dem, was ICH nicht erfassen kann und doch mehr Realität besitzt, als meine kleine, ungenügende Vorstellung davon jemand zu sein. Diese Realität, sprich AMIDA BUTSU, wird dereinst, diese ungenügende Vorstellung auflösen und ich werde eingehen in die eine, allumfassende Natur der Buddhaschaft. Dann wird die sich fortsetzende Kette der Manifestationen auflösen und somit auch jede Vorstellung einer konstanten Identität - und doch zum Wohle aller Wesen.


Am Ende unseres jetzigen Lebens werden wir immer noch eine ICH-Vorstellung haben, doch im Reinen Land wird diese Vorstellung erloschen sein, weil es in der Soheit, die wir im Reinen Land durch das Hongan realisieren,                                 keine Ich- Vorstellung geben kann.    

In Gassho     Rev. Chisho Frank Kobs

Mittwoch, 7. November 2012


Shinjin (27.09.2012 ) von Prof. Rev. Toshikazu Arai
 Übersetzung ins Deutsche von Rev. Ilona Evers

Zum Thema Shinjin (Vertrauen, Anvertrauen) gibt es immer wieder Fragen.
Neulich fragte mich eine Teilnehmerin meiner monatlich stattfindenden Dharma Klasse, „soll  ich daran glauben, dass Amida mich rettet?“ Meine Antwort dazu war: „Sie sollten Amida glauben, wenn er sagt, dass Sie gar nicht in der Lage sind, ihm zu glauben.“

Eine traditionelle Weise, die Rettung durch Amidas zu erklären, ist:
„Du musst überhaupt nichts tun. Amida tut alles was nötig ist um dich zu retten. Das Einzige was du zu tun hast, ist dich seinem Gelübde anzuvertrauen.“
Diese Erklärung überzeugt moderne Menschen oft nicht so ganz.
Ich erkläre Ihnen, was „anvertrauen“ bedeutet…Stellen Sie sich ein Baby vor, dass friedlich in den Armen seiner Mutter schläft. Tut das Baby nichts? Doch, das Baby vertraut sich an. Sich anzuvertrauen ist eine Menge Arbeit. Indem das Baby all seine Fähigkeiten einsetzt, versteht es, dass die Person, die es hält, vertrauenswürdig ist. Zwischen der Mutter und dem Baby gibt es eine dichte Kommunikation. Aber weder Mutter noch Kind sind sich dessen bewusst. Sollten Sie bezweifeln, dass stimmt, was ich sage, dann nehmen Sie der Mutter das Baby aus den Armen und halten es auf dieselbe Art und Weise. Höchstwahrscheinlich wird das Baby nun protestieren, weil es sich Ihnen nicht so anvertrauen kann wie seiner Mutter. Andererseits überlegt sich das Baby in den Armen seiner Mutter nicht ob es wirklich hundertprozentig sicher ist.

Das meine ich, wenn ich sage „Sie sollten Amida glauben, wenn er sagt, dass Sie gar nicht in der Lage sind, ihm zu glauben.“
Ein anderes Beispiel: in einer Höhle oder einem tiefen Loch sind wir uns vielleicht nicht sicher ob die Luft, die wir dort atmen, genug Sauerstoff enthält. Deshalb benutzen wir eine brennende Kerze. Solange diese brennt wissen wir, dass die Luft in Ordnung ist.
Andererseits denken wir im täglichen Leben nie darüber nach ob die Luft, die wir atmen, für uns sicher ist. Das ist eine Form des totalen Vertrauens in diese materielle Welt.

Der Unterschied zwischen der Luft und Amida besteht darin, dass wir die Luft mit unseren Sinnesorganen spüren können und Amida nicht. Die Liebe der Mutter wird sichtbar, wenn das Baby heranwächst (wenn sie eine gute Mutter ist). Von Amidas Liebe (oder Mitgefühl) wird gesagt, dass sie allumfassend ist und gleichzeitig allein deswegen existiert, um „mich“ zu retten. 

Amidas Liebe können wir nicht mit unseren Sinnesorganen spüren, sondern – so wird es gelehrt – nur mit den Augen der Weisheit, die wir von Amida bekommen.
Wir brauchen eine Menge Pflege und Fürsorge bis wir in der Lage sind, uns Amida wirklich anzuvertrauen. Und es ist Amida, der uns pflegt und umsorgt.
Ich habe das Gefühl, um Zuflucht zu Amida zu nehmen brauchen wir Intuition.
Ein eingefleischter Rationalist, der alles mithilfe der Logik verstehen will, hat es schwer zur Religion zu finden; denn die religiöse Logik arbeitet auf dem Gebiet der Transzendenz.

Wenn die Intuition eines Menschen ihm sagt, dass eine religiöse Lehre – wie Shinrans Lehre – sein Weg ist und wenn er sich entscheidet, sie zu akzeptieren, dann wird diese Lehre ihm sehr logisch erscheinen. Erst dann kann der Prozess des Hörens der Lehre und des Verstehen der Lehre im Licht seiner inneren Wirklichkeit ganz allmählich beginnen. Im Laufe dieses Prozesses, findet er sich dann irgendwann ergriffen vom Wirken Amida Buddhas.

Das nennen wir Shinjin.