Anjin-Do

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Montag, 14. Mai 2012

Der einfache Weg?



Liebe Weggefährten,

wenn wir uns mit etwas Ernst den nachfolgenden Zeilen widmen, bemerken wir ein Unwohlsein, das daher rührt, dass wir Das nicht wirklich wissen wollen. Wer möchte sich schon mit seinen eigenen Schattenseiten beschäftigen?

Wir wollen gar nicht so genau wissen, was in unserem Inneren vorgeht und unser EGO schützt uns zumeist erfolgreich vor dieser Selbstbetrachtung. Wir sind Weltmeister im Erfinden von Entschuldigungen persönlicher Unzuläng-lichkeiten und meistens ist es uns gar nicht bewusst, was da so abläuft. Es gibt immer einen Grund, warum man so oder so handelt oder etwas Entsprechendes sagt. Es gibt immer eine Rechtfertigung dafür, unser EGO behaupten zu müssen und seien die Anlässe hierzu noch so banal. Doch ist dieser aufgebaute Schutz von Argumenten oft trügerisch und dies wird in der Lehre des Buddhas als Verblendung bezeichnet.

Shinran Shonin begann seinen buddhistischen Weg mit neun Jahren und trat im Jahre 1181 im Shoren-in Tempel in den buddhistischen Orden ein. Meister Jien Sojo ordinierte ihn ohne Verzögerung, nachdem der junge Matsuwakamaru folgende Worte sprach: „Kirschblüten von denen man glaubt, dass sie bis Morgen halten, mögen schon in der Nacht verweht sein“. Bis zu seiner Ordination hatte der junge Matsuwakamaru schon viele schmerzhafte Erfahrungen mit der Vergänglichkeit und dem Leben seiner Zeit gemacht und er hatte erkennen müssen, wie viel Leiden dieses Leben bieten kann. Der Verlust beider Eltern war sicher eines der gravierendsten Ereignisse, die er durchleben musste.

So suchte er im buddhistischen Weg die Befreiung aus all diesem Leiden und praktizierte zwanzig Jahre die Übungen der vorherrschenden Tendai Schule auf dem Berg Hiei.

Doch auch hier, auf diesem heiligen Berg und in der Gesellschaft der Schüler Buddhas, fand er keinen Frieden und schon gar nicht den Weg aus dem Leiden in dieser Welt, wonach er sich doch so sehr sehnte. Aber woran lag das? Zwanzig Jahre strebte er unermüdlich nach der Wahrheit und der Befreiung, zwanzig Jahre folgte er den Anweisungen seiner Meister und der Gelehrten, zwanzig Jahre kämpfte er mit seinen inneren Schatten und versuchte sie loszuwerden. Aber am Ende blieb ihm nur Enttäuschung und Verzweiflung.

Er hatte doch gelernt, wie man das macht - mit der Innenschau. Er hatte geübt seine Leidenschaften zu betrachten und doch war er nicht in der Lage sie am Ende loszuwerden.
Wann immer er glaubte eine Sache errungen zu haben, traten neue Schatten in seinem Herzen auf und manche quälten ihn mehr, als jene, die er besiegt zu haben glaubte.

So verließ Shinran letztlich den Berg Hiei und suchte im Rokkakudo Tempel bei Kannon Bosatsu (Avalokiteshvara Bodhissattva) nach Hilfe und Inspiration. Kannon Bosatsu erschien Shinran dann in einem Traum in der Gestalt von Prinz Shotoku und sandte ihn zu Meister Genku (Honen Shonin), von dem er in die ausschließliche Praxis des Nembutsu unterwiesen wurde. Meister Genku lehrte die Bedeutung des Hongan (des 18. Gelübdes)und das allen fehlbaren Wesen die Befreiung durch dessen Kraft möglich ist. Die Hingeburt ins Reine Land wird für jeden durch die Kraft dieses Gelübdes bewirkt.

Doch was bedeutet das für uns? Es bedeutet, dass wir erst einmal feststellen müssen, dass wir der Kraft dieses Gelübdes bedürfen. Der Weg des Nembutsu wird häufig als der einfache Weg beschrieben, doch fängt dieser Weg mit der Schwierigkeit an, diese Bedürftigkeit im eigenen Herzen zu erkennen. Glaube ich immer noch, durch Praktiken der Läuterung und der Meditation spirituellen Fortschritt bzw. die Erleuchtung erlangen zu können? Glaube ich irgendetwas zu meiner eigenen Befreiung beisteuern zu können? Oder erkenne ich die vielen, nicht enden wollenden Schatten (Bonno)in meinem Geist und im eigenen Herzen?

Shinran Shonin wies in allen seinen Aussagen daraufhin, wie unfähig er selber war in Bezug auf die Erleuchtung und das sein Weg in die Hölle unvermeidlich schien. Nur die Hinwendung zum Nembutsu und zur Kraft des Hongan schien ihm dieses Höllenschicksal ersparen zu können. Auffallend dabei ist, dass der Shonin immer nur von sich und seiner eigenen Unfähigkeit sprach und er es jedem selber überließ, ob er das Nembutsu annahm oder nicht. Doch wer sich in der gleichen Situation wie Shinran selber glaubte, sollte seine Zuflucht in die andere Kraft des Hongan nehmen. Den anderen Suchern empfahl er die heiligen und großen Gelehrten, von denen es zur damaligen Zeit so viele gab, aufzusuchen, um sich nach dem Weg zur Befreiung zu erkundigen.

Übrigens; ist dies auch heute noch ratsam. Es gibt für jeden einen geeigneten Weg des Buddha Dharma, es muss nicht zwingend der Weg des Nembutsu sein.

Dennoch, um was geht es also bei unserer Praxis des Nembutsu? Es geht darum, wie in allen buddhistischen Schulen, sich selber genau zu beobachten und zu betrachten. Beim Hören des Dharma, sein Inneres zu prüfen und die vielen inhärenten Schatten zu erkennen. Es geht darum, dies in unserem alltäglichen Leben zu tun und unser Leben im Spiegel des Dharma zu reflektieren. Es geht darum, vielleicht zu erkennen, wie aussichtlos unser eigenes Streben nach Befreiung ist und wie wunderbar die Möglichkeit besteht, durch die andere Kraft der Verdienstübertragung durch das Hongan, die Befreiung dennoch geschenkt zu bekommen.

Dies ist der Moment, wo Shinjin (das vertrauende Herz) sich uns eröffnet und wir uns der Dankbarkeit gegenüber Amida Buddhas bewusst werden können. Zenmon-samma sagte einmal in einem Interview, dass der Weg des Nembutsu in der Tat der leichte Weg ist, jedenfalls so lange, bis man ihn dann beschreitet.

Erst die eigene, ungeschönte Betrachtung unseres Selbst lässt uns erkennen, wie sehr wir der anderen Kraft Amida Buddhas bedürfen und das wir in seinem Licht unsere eigenen Schatten erkennen dürfen. Da gilt es keine Scheu davor zu haben oder wegschauen zu müssen, denn das Hongan (Gelübde) wurde gerade dazu vom Buddha erdacht, uns selber ungeschönt zu erkennen, damit wir uns gerade diesem Grundgelübde vertrauensvoll zuwenden.

Aus dem Tannisho:
Ü: Muneto Sonoda (§1-§7), Takao Aoyama (§8-§12)

„In dem Augenblick, in dem der Glaube in uns erwacht, dass wir durch das
unerforschliche Gelöbnis des Buddha Amida die Hingeburt ins Reine Land erreichen werden, und der Gedanke in uns aufsteigt, Nembutsu zu sagen, wird uns sofort die Gunst der Aufnahme und des Nicht-Verlassens zuteil.“

… „Mit mir, Shinran, hat es keine andere Bewandtnis, als dass ich das Wort des guten Lehrers befolge, der mich gelehrt hat, ich solle nur das Nembutsu sagen und mich vom Buddha Amida erretten lassen. Ob das Nembutsu wirklich die Geburt im Reinen Land verursacht oder vielmehr das Karma für den Sturz in die Hölle ist, das weiß ich überhaupt nicht. Ich würde es durchaus nicht bereuen, auch wenn ich, vom verehrten Hônen betrogen, durch das Nembutsu in die Hölle versänke. Denn, wenn ich tatsächlich jemand wäre, der durch die Anstrengung anderer Übungen Buddha werden könnte, dann könnte ich mich betrogen fühlen und es bereuen, durch das Nembutsu in die Hölle gefallen zu sein. Da ich aber in keiner Weise zu solchen Übungen fähig bin, wäre die Hölle unweigerlich meine Wohnstätte.“….

…… „kurz gesagt, so verhält es sich mit meinem Glauben. Ob Ihr noch das Nembutsu annehmen und darauf vertrauen wollt oder es verwerft, das überlasse ich ganz Eurer Erwägung...“

Soweit die Aussagen Shinran Shonins.

Vielleicht sollte Eines aber noch geklärt werden. Es geht nicht darum, uns als unfähige Menschen zu verstehen. Wir brauchen keine Minderwertigkeitskomplexe zu entwickeln oder zu glauben, dass wir ausschließlich böse Menschen sind. Es geht sich nur darum zu erfahren, dass wenn wir einen buddhistischen Weg gehen wollen und wir den Dharma für uns als wahr erkennen, wir uns auch darüber im Klaren sein müssen,wie beschwerlich der Weg der Heiligkeit und der Selbstbefreiung ist.

Der Buddha des Mitgefühls und der Weisheit, Amida Buddha, zeigte uns daher einen Weg, der für alle Wesen gangbar ist, sogar für jene, die zu keiner der vielen guten, aber auch schwierigen Übungen im Stande sind.

In Gassho
Chisho Frank

Sonntag, 13. Mai 2012

Programm Anjin-Do Zentrum Mönchengladbach

Im Mai

• 14. bis 20. Mai geschlossene Zeit
• Dienstag 22. Mai - 10:00 Uhr Morgenandacht
• Freitag 25. Mai – 10:00 Uhr Morgenandacht
• Samstag 26. Mai 17:45 Uhr Abendandacht, danach
18.30 – 19:45 Uhr freie Meditationsgruppe
Pfingstmontag 28. Mai – 14:00 Uhr Shoshinge Andacht und Sangha Treffen



Im Juni


• Dienstag 5.+12.+19.+ 26. Juni – 10:00 Uhr Morgenandacht
• Freitag 8.+ 15.+22.+29. Juni - 10.00 Uhr Morgenandacht
• Samstag 9. + 23. Juni 17:45 Uhr Abendandacht, danach
18:30 - 19:45 Uhr freie Meditationsgruppe
• Sonntag 24. Juni – 14:00 Uhr Shoshinge Andacht und Sangha Treffen