Anjin-Do

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Freitag, 27. Mai 2011

Shinshu Retreat 2011 in Bad Reichenhall



Vom 05. bis zum 08. Mai 2011 fand unser diesjähriges Shinshu Retreat in der buddhistischen Begegnungsstätte Shindo in Bad Reichenhall statt. Eingebettet in diesem Retreat gab es einige Höhepunkte, die unser Treffen besonders machten. Zunächst aber möchte ich der Shindo Sangha und Rev. Jotoku Thomas Moser für ihre wunderbare Organisation und vielen Mühen, vor und während des Sangha Treffens, danken. Neben den Andachten und liebevoll erarbeiteten Retreat Übungen von Jotoku, durften wir gleich am ersten Abend einem Vortrag von Prof. Dr. Edmund Frühmann lauschen, der in wunderbarer Weise und auf Grundlage der Buddhistischen Lehren über den Begriff „Buddhistische Ethik“ referierte. Das gemeinsame Abendessen im Kleinen Restaurant gegenüber dem Shindo beschloss einen Tag voller Eindrücke und Spiritualität.

Am Samstag begannen wir den Tag mit Andacht und Meditation und folgten den Inspirationen von Jotoku, der uns durch kleinere Übungseinheiten zum nachdenken und reflektieren anhielt. Auch ein persönlicher Bericht von Marc Nottelmann – Feil zur buddhistischen Rezitationspraxis in koreanischen Tempeln und das buddhistischen Leben in Korea allgemein, war sehr aufschlussreich und interessant. Höhepunkt an diesem Tag war die Feier zum 15 jährigen Bestehen der Buddhistischen Begegnungsstätte Shindo in Bad Reichenhall. Gründungsmitglieder und Freunde anderer buddhistischer Traditionen, Nachbarn und Interessierte nahmen an dieser Feier teil und so mancher Redner betonte die wertvolle Arbeit des Shindo und der ansässigen Sangha, insbesondere die von Rev. Jotoku und seiner Frau Helga Moser. In 15 Jahren haben Thomas und Helga viel Zeit, Engagement und Energie aufgebracht um Shindo zu einem Ort der Einkehr und Zuflucht für viele Menschen zu machen. Wir beschlossen den Tag im Gasthaus unseres Dharmafreundes Peter Kappelmeier, der das Festessen und einen sehr schönen Abend für die Gäste zusammenstellte.

Den letzten Tag unseres Retreat nutzte die Shinshu Sangha zur jährlichen Mitgliederversammlung, in der die Weichen für das folgende Jahr gelegt wurden. Die Vorstandwahl, wie angekündigt, ergab einen einstimmig gewählten Positionenwechsel im Vorstand und schloss am Ende des Retreat mit einem positiven Resümee über die vergangenen Tage.

Abschließend möchte ich der Shindo Sangha und den vielen Freunden, wie Peter Kappelmeier, Gakuro Kurt Kramer, Lieselotte Wunderlich und Helga Moser von Herzen für ihre unermüdliche Hilfe und Freundschaft danken. Ohne sie wäre ein solch schönes Treffen nicht möglich gewesen.

In Gassho
Chisho Frank Kobs

Im Vorbeigehen

Von Marc Nottelmann-Feil

Wer die shin-buddhistische Zufluchtnahme – Kikyoshiki – gemacht hat, weiß, dass es sich um eine ganz kurze Zeremonie handelt. Sie ist in kaum zehn Minuten abgeschlossen. Viele Leute, die diese Kikyōshiki erhalten haben und so „offiziell“ zu Shin-Buddhisten geworden sind, denken bald kaum noch darüber nach, sie scheint in ihrer Erinnerung fast keinen Eindruck zu hinterlassen. Neulich drückte das ein Mitglied mir gegenüber mit den Worten aus: „Die Kikyōshiki habe ich damals auch so im Vorbeigehen gemacht.“

Was tun wir eigentlich nicht so im Vorbeigehen? Je nachdem, wo wir stehen, erledigen wir unsere verschiedenen beruflichen und familiären Pflichten. Jeder von uns hat Dinge, die er im Alltag außerordentlich ernst nimmt. Diese Dinge halten uns auf Trab. Bald rennen wir nur noch rum, weil wir irgendetwas zu erledigen haben, was wichtig ist. Selbst Leute, die das Glück haben, ihre Zeit frei gestalten zu können, haben meist keine Zeit. Und wer Geld und Zeit hat, ist in der Regel ständig auf Achse.

Die Situation erinnert mich sehr an die Geschichte vom Kissen von Kantan. Sie ist oft erzählt worden, von Zeami, Yukio Mishima und anderen. Ich habe sie sogar einmal von einem tibetischen Lama gehört. Aber jeder erzählt sie anders und ich würde sie so erzählen:

Ein Reisender muss unbedingt ins südliche China. Seine Handelspartner warten auf ihn, es gilt wichtige Verträge abzuschließen. Vollkommen erschöpft erreicht er die kleine Ortschaft Kantan und bittet in einer Pension um Unterkunft. Gedankenlos gibt er der Wirtin die Anweisung, für ihn eine Tasse Tee zu kochen, er selbst begibt sich auf sein Zimmer, legt sich kurz hin und starrt auf die Decke. Dann wird ihm klar, dass er gar keine Zeit hat, er eilt zur Wirtin zurück, sagt, er habe sich anders entschlossen, setzt sich auf sein Pferd und reitet davon.

In Nanking trifft er seine Geschäftspartner, man vereinbart ein Seehandelsgeschäft ins Ausland. Das Geschäft wirft erstaunliche Gewinne ab, bald ist der Reisende so reich, dass er eine Familie gründen kann. Sein Geschick im Handel macht ihn nach und nach zu einem der reichsten Kaufleute in Nanking. Der Hof wird auf ihn aufmerksam. Er wird zum Geldgeber des Kaisers und schließlich zu dessen Finanzminister. Der Kaiser hält große Stücke von ihm, und auch umgekehrt ist er einer der getreusten Vasallen.

Doch dann fällt eine feindliche Armee ins Land ein. Die kaiserliche Armee wird geschlagen, der Kaiser flieht. Während sich die feindlichen Truppen schon dem Palast nähern, stürmt ein Diener in das Zimmer des Ministers. Er hält ihm eine randvoll gefüllte Schale vor die Nase und fleht ihn an: „Trink dieses Gift! Es ist das einzige, was der Kaiser noch für dich tun kann. Die Feinde kommen. Du hast keine Zeit mehr zu verlieren!“ Verzweifelt setzt der Minister die Schale an den Mund. Wie konnte das passieren? Warum trifft ausgerechnet ihn, der sein ganzes Leben für die Zukunft seiner Familie und seines Landes aufgeopfert hat, dieses Schicksal?

Er trinkt. In diesem Augenblick steht die Wirtin vor ihm und fragt höflich, ob sie die Tasse Tee neben ihn stellen soll.

Bei Zeami endet das No-Spiel mit dem Ausruf des Reisenden: „Ich nehme Zuflucht zu den drei Juwelen!“ und der Chor antwortet: „Das Leben ist nur ein Traum. Kehre heim aus dieser Ortschaft Kantan!“ -

Zum Buddha nimmt man nicht im Vorbeigehen Zuflucht, sondern genau umgekehrt: man tritt aus dem Vorbeigehen heraus, indem man Zuflucht nimmt.

Die Kikyoshiki ist nichts Besonderes. Sie ist keine Attraktion, die unsere Sinne fesseln würde. Sie vermittelt auch keine tiefe Erfahrung, wie man sie vielleicht auf einem Meditationsretreat oder im Gespräch mit buddhistischen Meistern erreichen kann. Aber sie soll uns zum Nachdenken veranlassen. Man denkt z.B. über den Tod nach, denn der Dharmaname den man erhält, ist in erster Linie ein Name für die Verstorbenen. Es ist unser Name im Reinen Land und wir dürfen uns sogar vorstellen, dass es der Name ist, unter dem wir einst Buddha werden.

Die Kikyōshiki ist außerdem so kurz, weil jeder (auch jeder Japaner und jede Japanerin!) die Gelegenheit haben soll, sie unmittelbar vom Monshū oder dem zukünftigen Monshū zu empfangen. Mathematiker haben einmal ausgerechnet, dass wir von jedem lebenden Menschen nur fünf Handschläge entfernt sind. Wenn ich A kenne und A B kennt usw. so lässt sich bis zur Stufe F jeder beliebige Mensch auf der Welt erreichen. Und nun überlege man sich einmal, dass man als Shin-Buddhist in der Kikyōshiki der Familie Shinrans begegnet. Dies alles geschieht natürlich nicht, weil der Monshū ein Heiliger ist, der uns von unseren Problemen erlöst oder uns anleitet, wie wir sie selbst optimal lösen können. Vielmehr sollen wir in dieser Zeremonie den engen Zusammenhang zwischen allen Menschen und unsere besondere Beziehung zu Shinran Shōnin und der buddhistischen Lehre spüren. Wenn man in einem von den Ursprungsländern des Buddhismus so entfernten Land wie Deutschland geboren ist, kann man über diese Begegnung nur staunen. Es ist auch ein Grund zu Dankbarkeit.

Sonntag, 15. Mai 2011

aus "Die Lehre Buddhas"

Erstes Kapitel

DIE WIRKUNGEN DER URSACHEN

I.

DIE VIERFACHE EDLE WAHRHEIT


1. Die Welt ist voller Leiden. Von Anfang an besteht das Leben aus Leiden. Altersschwäche ist Leiden, Krankheit und Tod sind Leiden. Einem Menschen voller Haß gegenüberzutreten ist Leiden, von einem geliebten Menschen getrennt zu werden ist Leiden, vergeblich zu kämpfen, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, ist Leiden. Kurzum: Leben, das nicht frei ist von Begierde und Leidenschaft, bringt immer Leiden mit sich. Dies wird die Wahrheit des Leidens genannt.

Die Ursache des menschlichen Leidens liegt zweifellos in den irdischen Leidenschaften. Wer nach Wurzel aller Leidenschaften sucht, findet sie in dem Begehren nach Befriedigung lebensnotwendiger Triebe. Triebhafte Wünsche, die von einem starken Lebenswillen gespeist werden, richten sich auf alles, was begehrenswert er scheint. Mancher Wunsch beinhaltet selbst den Tod. All dies wird die Wahrheit der Leidensursache genannt.

Wenn die Wurzel jeder menschlichen Leidenschaft entfernt wird und man von aller Begierde frei ist, dann wird alles menschliche Leiden ein Ende haben. Dies wird die Wahrheit der Leidenserlöschung genannt.

Wer diesen Zustand erreichen will, muß einem vorgeschriebenen Pfad folgen, nämlich dem Pfad der Rechtmäßigkeit. Er betrifft rechtmäßige Ansichten, Gedanken, Reden, Verhaltensweisen, Lebensführung, Bemühungen, Erinnerungen und geistige Sammlung. Dies wird die Wahrheit des achtfachen Pfades zur Überwindung irdischer Wünsche genannt.

Menschen sollten sich stets nach diesen Wahrheiten richten, denn wer dieser Welt voller Leiden entkommen will, muß sich von Fesseln der irdischen Leidenschaft lösen, welche ja die einzige Ursache des Leidens ist. Eine Lebensweise, die von jeder irdischen Leidenschaft und jedem irdischen Leiden frei ist, kann nur durch die Erleuchtung kennengelernt werden; die Erleuchtung aber erlangt nur, wer den achtfachen Edlen Pfad einhält.

2. Wer Erleuchtung sucht, muß diese vierfache Edle Wahrheit verstehen. Ohne ihr Verständnis wird man unendlich lange in dem verwirrenden Irrgarten hoffnungsloser Wünsche umherwandern. Wer die vierfache Wahrheit des Lebens versteht, von dem spricht man als einem "Menschen, der die Augen der Erleuchtung erworben hat."

Man soll mit ganzem Herzen Buddhas Lehre folgen, deshalb seine Sinne auf diese vierfache Edle Wahrheit richten und versuchen, sich über ihre Bedeutung Klarheit zu verschaffen. Zu allen Zeiten ist nur der ein wahrer Wanderer auf dem Edlen Pfad, der diese Wahrheit versteht und sie anderen lehrt.

Wenn ein Mensch die vierfache Edle Wahrheit klar versteht, dann wird ihn der Edle Pfad von seinen Begierden abbringen; er wird nicht mehr mit anderen Menschen streiten, keine Lebewesen ohne Grund töten, nicht stehlen, nicht mehr Sklave seiner Leidenschaften sein, nicht betrügen, nicht verleumden, nicht schmeicheln, frei von Neid sein, stets Gleichmut bewahren und an die Vergänglichkeit des Lebens denken. Auf diese Weise wird er nie vom Pfade abkommen.

3. Dem Edlen Pfad zu folgen, ist so, als ob man einen dunklen Raum mit einem Licht in der Hand betritt; die Dunkelheit vergeht, und der Raum wird hell.

Menschen, welche die Bedeutung des Edlen Pfades kennen und gelernt haben, ihm zu folgen, besitzen das Licht der Weisheit, das die Dunkelheit des Unwissens vertreibt.

Buddha leitet die Menschen, indem er sie nur auf die vierfache Edle Wahrheit hinweist. Wer diese richtig versteht, wird die Erleuchtung erlangen. Er wird fähig sein, in dieser verwirrenden Welt andere zu leiten und zu unterstützen. Wenn die vierfache Edle Wahrheit klar erkannt ist, werden alle Quellen der irdischen Leidenschaft versiegen.

Gehen die Schüler Buddhas von dieser vierfachen Edlen Wahrheit aus, dann werden sie auf diesem Weg zu allen anderen kostbaren Wahrheiten gelangen. Sie werden die Weisheit und Tugendhaftigkeit erwerben, um alle Bedeutungen zu verstehen, und sie werden allen Menschen überall auf der Welt den Dharma predigen können.

II.

DIE WIRKUNGEN DER URSACHEN


l. Alles Menschliche hat seine Ursachen, doch es gibt einen Weg zur Überwindung der Leiden. Denn alles auf der Welt ergibt sich aus einem großartigen Zusammenspiel von Ursachen und Wirkungen, und alles erlischt, wenn diese Ursachen sich ändern und vergehen.

Regen fällt, Wind weht, Blumen blühen, Blätter welken und werden verweht. Diese Ereignisse stehen miteinander in Wechselbeziehung, wobei eines die Ursache von dem anderen ist.

Die Geburt eines Kindes geht auf die Zeugung zurück. Sein Körper wird durch Nahrung, sein Geist durch Lernen und Erfahrung gestärkt.

Deshalb sind sowohl Körper als auch Geist abhängig von bestimmten Bedingungen und werden verändert, wenn diese Bedingungen wechseln.

So wie ein Netz aus vielen miteinander verflochtenen Fäden besteht, so ist alles in dieser Welt miteinander durch eine Vielzahl von Fäden verbunden. Wer glaubt, daß eine Masche im Netz eine unabhängige Einheit sei, der irrt sich.

Alle Maschen eines Netzes sind miteinander verbunden, jede Masche hat ihren Platz im Netz und ihre Bedeutung für alle übrigen Maschen.

2. Blüten kommen durch eine Vielzahl von Bedingungen zustande, die das Blühen bewirken; Blüten er blühen nicht ohne Ursachen, auch ein Blatt fällt nicht von selbst. So ist alles im Kommen und Gehen. Nichts bleibt unverändert.

Alle Änderungen hängen von vielerlei Bedingungen ab. Daher besteht die feste Gewißheit, daß sich alles stets ändert und nichts unverändert bleibt.

III.

DIE KETTE DER VERURSACHUNGEN


1. Wo ist nun der Ursprung alles menschlichen Gram, alles Betrübnis, allen Schmerzes und aller Kümmernis zu suchen? Ist er nicht in der Tatsache zu finden, daß Menschen im allgemeinen unwissend und von Wünschen und Begierden abhängig sind?

Sie verfolgen beharrlich Lebensziele wie Wohlhabenheit und Ruhm, Bequemlichkeit und Vergnügen, Aufregung und Eigennutz, unkundig der Tatsache, daß der Wunsch gerade nach diesen Dingen der Ursprung des menschlichen Leidens ist.

Von Anfang an ist die Welt voller unglückseliger Ereignisse gewesen, ganz abgesehen von den unvermeidbaren Tatsachen wie Krankheit, Siechtum und Tod.

Wer all diese Tatsachen sorgfältig betrachtet, muß zu der Überzeugung kommen, daß die Grundlage allen Leidens Unwissenheit und Abhängigkeit von selbstsüchtigen Wünschen ist. Werden diese beseitigt, dann wird auch das menschliche Leiden erlöschen.

Habgier zeigt sich in Unkenntnis und falschen Wahrnehmungen.

Diese finstere Unwissenheit und falschen Wahrnehmungen ergeben sich aus der Tatsache, daß die Menschen die Vergänglichkeit des Lebens nicht bedenken und den wahren Grund für die Abfolge der Ereignisse nicht kennen.

Finsterer Unkenntnis und falschen Wahrnehmungen entspringen unlautere Wünsche nach Zielen, denen die Menschen rastlos und blind nachjagen, obwohl diese für sie unerreichbar sind.

Wegen dieser falschen Wahrnehmungen und unlauteren Wünsche glauben die Menschen Unterschiede zu sehen, wo es in Wirklichkeit keine Unterschiede gibt. Eigentlich kann man die Gegebenheiten im menschlichen Leben nicht nach richtig und falsch einteilen. Doch stellen sich die Menschen aufgrund ihrer Unwissenheit solche Unterscheidungen vor und beurteilen sie als richtig oder falsch, dies alles aus finsterer Unkenntnis und wegen unlauterer Wünsche.

Wegen ihrer Unwissenheit denken Menschen immer in der falschen Weise und verlieren immer den richtigen Standpunkt, indem sie sich an ihr vermeintliches Ich klammern und falsch handeln. So verlieren sie sich in einem Meer von Täuschungen.

Die Menschen bestellen das Feld des Ego mit ihrer Sündhaftigkeit, indem sie durch ihre Tätigkeiten den Keim legen, um den Verstand mit Unwissenheit zu umwölken, ihn mit dem Regen unlauterer Wünsche düngen, und ihn mit der Schwäche des Ego bewässern. Hierdurch verstärken sie noch die Vorstellung des Bösen und verkörpern die Verblendung durch sich selbst.

2. In Wahrheit ist der Körper der Verblendung ihr eigener Verstand, und deshalb ist es ihr eigener Verstand, der die Verblendungen des Kummers, der Klage, des Schmerzes und der Todesangst verursacht.

Die ganze Welt der Verblendung ist nichts als der Schatten, der von dem menschlichen Verstand geworfen wird. Und dennoch ist es dieser selbige Verstand, durch den sich die Welt der Erleuchtung offenbart.

3. In dieser Welt gibt es drei falsche Auffassungen. Wenn man sich an ihnen festhält, dann wird alles in dieser Welt nur noch verneint.

Einmal meinen manche, daß jede menschliche Erfahrung auf höherer Fügung beruht. Wieder andere meinen, daß alles in der Welt von Gott geschaffen und von seinem Willen gesteuert wird. Schließlich meinen einige, daß alles durch Zufall zustandekommt.

Wenn alles durch höhere Fügung entschieden wird, dann sind gute wie auch böse Taten vorherbestimmt, ebenso Freud und Leid; nichts geschieht, was nicht zuvor schon feststand. Dann würden auch alle menschliche Pläne und Bemühungen um Verbesserung und Fortschritt vergeblich sein, und die Hoffnung auf Menschlichkeit wäre vergebens.

Dasselbe gilt auch für die anderen Auffassungen: Würde letztlich alles in Gottes Hand liegen, oder dem blinden Zufall überlassen bleiben, müßte das Bemühen um Menschlichkeit dann nicht sinnlos sein? Es ist kein Wunder, daß Menschen, die diesen Vorstellungen verhaftet sind, alle Hoffnung verlieren und ihre Bemühungen vernachlässigen, weise zu handeln und Böses zu vermeiden.

Gewiß sind alle diese drei Auffassungen falsch: Alles in der Welt ist eine Aufeinanderfolge von Ereignissen, wobei eines die Ursache des anderen ist, und diese Ursachen lassen sich in einem gewissen Maße verändern und steuern.

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BUKKYO DENDO KYOKAI
Society for the Promotion of Buddhism
3-14, Shiba 4-chome, Minato-ku
Tokyo, 108 Japan

EKO-Haus der japanischen Kulutr - Düsseldorf
Brüggener Weg 6, 40547 Düsseldorf

Freitag, 13. Mai 2011

Tag der offenen Tür



Liebe Dharmafreunde, gerne weisen wir auf folgende Veranstaltung hin und wünschen unseren Dharmafreunden in Salzburg einen schönen und spirituellen Tag mit vielen Besuchern und interessierten Menschen.

im Buddhistischen Zentrum Salzburg
Lehenerstraße 15
/ 14.5. von 13-17 Uhr

Aus Anlass des internationalen buddhistischen Feiertags VESAKH, lädt die Buddhistische Gemeinschaft Salzburg auch diesen Frühling wieder zu einem Tag der offenen Tür.

Das Zentrum ist das gemeinsame Dach für derzeit fünf buddhistische Gruppierungen: Intersein Sangha Salzburg, Jodo Shinshu Salzburg, Meditationsübungen, Theravada Gruppe Salzburg und Zen Gruppe Salzburg und eine Stätte des interreligiösen Dialogs.

Neben Meditationsabenden werden Vorträge, Seminare, Gesprächsrunden und Freizeitaktivitäten wie Singen und Wandern angeboten. Neben einer Vernetzung mit anderen buddhistischen Gruppen in Österreich, ist die BGS (Buddhistische Gemeinschaft Salzburg) auch ein aktives Mitglied in der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft und der Europäischen Buddhistischen Union.

Den Besucherinnen und Besuchern wird neben Tee und Keksen die Atmosphäre eines echten buddhistischen Zentrums geboten:

Neben Einführungen in Methoden der Meditation, wird es Kurzvorträge zu Grundlagen und Geschichte des Buddhismus, zur Entwicklung unterschiedlicher Ausprägungen des Buddhismus, zu buddhistische Achtsamkeit im täglichen Leben, zum Thema Buddhismus und moderne Wissenschaft, zum Buddhismus in Salzburg und Europa und zum buddhistischen Religionsunterricht in Salzburg geben. Die Besucher werden immer wieder Gelegenheit haben, kompetente Antworten auf ihre Fragen zu erhalten.

Gōtan-e im EKO-Ji Düsseldorf

宗祖降誕会 Gōtan-e

Sa 14.5., Beginn: 14 Uhr (Dauer etwa 1 Stunde)
Geburtstagsfeier für Shinran
浄土真宗の宗祖、親鸞聖人のご生誕をお祝いする法要です。


Festtagsvortrag: Кleine Einführung in den Shin-Buddhismus (IV): Der Begriff "Buddha" (ca. 40 Min.)

Marc Nottelmann-Feil M.A.
Beginn: ca. 15 Uhr, Seminarraum

Buddhismus ist die "Lehre des Buddha (仏教)". Aber der Begriff "Вuddha" taucht nirgendwo anders auf als in der Lehre des Buddha selbst. Sobald man darüber nachdenkt, wird dieser scheinbar so klare Begriff rätselhaft. Was lehrt denn "der Buddhismus" vom Buddha? Was heißt z. B. "Der Buddha spricht" (仏説) oder "Еr wurde Buddha" (成仏)?

Montag, 2. Mai 2011

Aus "Die Lehre Buddhas"


III DER WEG DES VERTRAUENS

1. Diejenigen, die in den drei Schätzen, Buddha, Dharma und Samgha Zuflucht suchen, werden die Jünger Buddhas genannt. Die Schüler Buddhas beachten die vier Regeln der Geisteskontrolle; die Gebote, das Vertrauen, das Geben und die Weisheit.

Die Jünger Buddhas haben Vertrauen auf Buddhas Gebote: nicht zu töten, nicht zu stehlen, keinen Ehebruch zu begehen, nicht zu lügen und keinerlei Rausch mittel einzunehmen.

Die Jünger Buddhas haben Vertrauen auf Buddhas vollkommene Weisheit. Sie versuchen, sich von Habgier und Egoismus fernzuhalten und sich im Schenken zu üben. Sie beachten das Gesetz von Ursache und Wirkung, indem sie immer an die Vergänglichkeit des Lebens denken und sich entsprechend der Regel der Weisheit verhalten.

Ein Baum, der sich gen Osten neigt, wird natürlicherweise ostwärts fallen, und so werden diejenigen, welche die Lehre Buddhas vernehmen und ihr ganzes Vertrauen in sie setzen, mit Gewißheit in Buddhas Reinem Lande wiedergeboren werden.

2. Es wurde bereits ganz richtig gesagt, daß jene, die den drei Reichtümern - Buddha, Dharma und Samgha vertrauen, die Jünger Buddhas genannt werden.

Buddha ist derjenige, der vollkommene Erleuchtung erwarb und das Erworbene dazu benutzte, die ganze Menschheit zu befreien und zu segnen. Dharma ist die Wahrheit, der Geist der Erleuchtung und die Lehre, die dies erklärt. Unter Samgha ist die vollkommene Brüderlichkeit der Vertrauenden in Dein Buddha und Dharma zu verstehen.

Wir sprechen von Erleuchtung, Dharma und Brüderlichkeit, als ob sie drei verschiedene Dinge wären, aber sie sind in Wirklichkeit nur ein und dieselbe Sache. Buddha wird in seinem Dharma offenbart und durch die Brüderlichkeit verwirklicht. Deshalb, vertraut man dem Dharma und pflegt die Brüderlichkeit, so heißt das, daß man Vertrauen in den Buddha hat. Und hat man Vertrauen in den Buddha, so heißt das, daß man auch dem Dharma vertraut und die Brüderlichkeit pflegt.

Deshalb werden die Menschen befreit und erleuchtet , indem sie einfach Vertrauen in den Buddha haben. Buddha ist der Vollkommen Erleuchtete, der jeden liebt, als ob jeder sein einziger Sohn wäre. Deshalb wird jeder Mensch, wenn er Buddha als seinen eigenen Vater betrachtet, sich mit Buddha identifizieren und auf diese Weise zur Erleuchtung gelangen.

Diejenigen, die den Buddha so betrachten, werden durch seine Weisheit unterstützt und durch seine Würde beeinflußt werden.

3. Nichts ist auf der Welt von größerem Nutzen als Buddha zu vertrauen. Allein seinen Namen zu hören, auf diesen zu vertrauen, und sich über ihn zu freuen, wenn auch nur für einen Augenblick, ist lohnenswert.

Deshalb sollte man daran Gefallen finden, die Lehre Buddhas zu vernehmen, unabhängig von der Feuersbrunst, welche die ganze Welt erfüllt.

Es wird schwer sein, einem Lehrer zu begegnen, der den Dharma zu erläutern vermag. Es wird noch schwerer sein, einem Buddha zu begegnen. Es wird aber das Schwierigste sein, seiner Lehre Vertrauen entgegen zubringen.

Aber jetzt, da Du dem Buddha begegnet bist, welchen man selten antrifft, und der Dich vernehmen ließ, was kaum zu hören ist, solltest Du Dich daran erfreuen, darauf bauen und Vertrauen in den Buddha haben.

4. Auf der langen Reise des menschlichen Lebens ist das Vertrauen der beste Gefährte, die beste Erfrischung und zugleich das größte Vermögen.

Vertrauen ist die Hand, die den Dharma empfängt, die reine Hand, die alle Tugenden empfängt. Vertrauen ist das Feuer, das all die Unreinheiten der irdischen Leidenschaften verschlingt, die Last von uns nimmt und ist der Führer, der uns auf unserem Wege leitet.

Vertrauen beseitigt Habgier, Furcht und Stolz, es lehrt Höflichkeit und gewinnt Achtung. Es befreit aus der Knechtschaft der Verhältnisse und gibt einem Mut, der Mühsal entgegenzutreten. Vertrauen gibt einem die Kraft, den Versuchungen zu widerstehen und befähigt jeden, glänzende und reine Taten zu vollbringen. Zudem bereichert es den Geist mit Weisheit.

Vertrauen ist die Ermutigung, wenn der Weg lang und mühsam ist, und führt einen zur Erleuchtung.

Vertrauen läßt uns fühlen, daß Buddha gegenwärtig ist, und es bringt uns dahin, wo Buddhas Arm uns unterstützt. Vertrauen besänftigt unseren harten und egoistischen Geist und vermittelt uns einen freundlichen Geist sowie einen solchen, der Mitgefühl beinhaltet.

5. Diejenigen, die vertrauen, verfügen über die Weisheit, die Lehre Buddhas in allem, was sie hören, zu erkennen. Sie besitzen die Weisheit, zu sehen, daß alles nur Schein ist, der durch das Gesetz von Ursache und Bedingung entsteht, und sie verfügen über die Gnade des geduldigen Hinnehmens und die Fähigkeit, den Bedingungen friedlich zu entsprechen.

Das Vertrauen verleiht ihnen die Weisheit, die Vergänglichkeit des Lebens zu erkennen, und die Gnade, nicht überrascht oder betrübt zu sein über das, was ihnen zustoßen könnte oder über das Vorübergehen des Lebens selbst, denn sie wissen, daß die Wahrheit des Lebens immer unverändert bleibt, wie sich die Bedingungen und Erscheinungen auch immer verändern mögen.

Das Vertrauen hat drei bedeutsame Aspekte: ein demütiges und nachsichtiges Absehen von der eigenen Person, eine freudige und aufrichtige Achtung gegenüber den Tugenden anderer und eine dankbare Annahme der Erscheinung Buddhas.

Die Menschen sollten diese Aspekte des Vertrauens pflegen: Sie sollten für ihre Fehltritte und Unreinheiten sensibel sein, sich darüber schämen und diese sich eingestehen. Sie sollten sich fleißig in der Anerkennung der guten Charakterzüge und Taten anderer üben und sie um ihretwillen loben. Zudem sollten sie sich ständig wünschen, im Geiste Buddhas zu handeln und zu lieben.

Der Geist des Vertrauens ist der Geist der Aufrichtigkeit . Er ist ein starker Geist, nämlich ein Geist, der aufrichtig froh darüber ist, durch Buddhas Kraft in dessen Reines Land hingeführt zu werden.

Deshalb verleiht Buddha dem Vertrauen eine Kraft, welche die Menschen ins Reine Land führt, sie reinigt und sie vor Selbsttäuschung schützt. Selbst wenn sie nur für einen Augenblick Vertrauen haben, sobald sie Buddhas Namen in der ganzen Welt gepriesen hören, werden sie doch in sein Reines Land hingeführt werden.

6. Vertrauen ist nicht etwas, das dem irdischen Geist hinzugefügt wird. Es ist die Offenbarung des Wesens Buddhas im Geiste, weil jemand, der Buddha versteht, selbst ein Buddha ist; jemand, der in Buddha vertraut, ist selbst ein Buddha.

Aber es ist schwierig, seine Buddha-Natur zu enthüllen und sie dann wieder zu verbergen. Ebenso ist es schwierig, einen reinen Geist zu bewahren in dem ständigen Auf und Ab von Habgier, Zorn und irdischer Leidenschaft. Dennoch befähigt einen das Vertrauen es zu tun.

Im Wald der giftigen Erandabäume sollen nur Erandabäume wachsen, nicht aber der duftende Candana. So ist es ein Wunder, wenn ein Candanabaum in einem Erandawald wächst.

Ebenso bleibt es ein Wunder, daß das Vertrauen auf Buddha in den Herzen der Menschen gedeiht.

Deshalb wird dieses Vertrauen "wurzelloses" Vertrauen genannt. Es hat keine Wurzel, durch die es im menschlichen Geist wachsen kann, dagegen verfügt es aber über eine besondere, um so in dem mitfühlenden Geiste Buddhas zu wachsen.

7. Somit ist das Vertrauen fruchtbar und tugendhaft, aber es kann kaum in einem trägen Geist erweckt werden. Es existieren insbesondere fünf Zweifel, die in den Schatten des menschlichen Geistes lauern und danach trachten, das Vertrauen aufzuheben.

Zuerst bestehen Zweifel an der Weisheit Buddhas. Zweitens existieren Zweifel an der Lehre Buddhas sowie solche an der Person desjenigen, der die Lehre Buddhas auslegt. Viertens bestehen Zweifel darüber, ob die Wege und Methoden, von denen angenommen wird, daß sie mit dem Edlen Pfade übereinstimmen, verläßlich sind. Fünftens mag es zudem eine Person geben, die wegen ihres arroganten und ungeduldigen Geistes an der Aufrichtigkeit der anderen zweifelt, welche die Lehre Buddhas verstehen und ihr folgen.

In der Tat gibt es nichts Schrecklicheres als Zweifel. Zweifel entzweit die Menschen und ist ein Gift, welches Freundschaften und erfreuliche Beziehungen auflöst. Er ist ein Dorn, der reizt und verletzt sowie ein Schwert, das tötet.

Die Anfänge des Vertrauens wurden vor langer Zeit durch das Mitleid Buddhas gesetzt. Wenn man darauf baut, sollte man diese Tatsache anerkennen und Buddha für seine Güte sehr dankbar sein.

Man sollte nie vergessen, daß es nicht das eigene Mitleid ist, durch welches das Vertrauen erweckt wurde, sondern es allein Buddhas Barmherzigkeit war, die vor langer Zeit sein reines Licht des Vertrauens in den Geist der Menschen warf und dadurch die Dunkelheit ihrer Unwissenheit aufgelöst hat. Er, der sich des gegenwärtigen Glaubens erfreut, ist in ihr Erbe eingetreten.

Selbst wer ein weltliches Leben lebt, kann im Reinen Lande wiedergeboren werden, weil bei ihm durch Buddhas unermeßliche Barmherzigkeit Vertrauen aufzusteigen beginnt.

Es ist in der Tat schwer, in diese Welt hineingeboren worden zu sein. Es ist schwierig, den Dharma zu hören und noch schwieriger, das Vertrauen zu erwecken. Des halb sollte jeder alle Anstrengungen unternehmen, um die Lehren Buddhas zu vernehmen.

Die Lehre Buddhas wird herausgegeben von BUKKYO DENDO KYOKAI Society for the Promotion of Buddhism

Die "Lehre Buddhas" ist zu beziehen beim EKO-Haus der japanischen Kultur in Düsseldorf Brüggener Weg 6, 40547 Düsseldorf