Anjin-Do

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Montag, 25. April 2011

Tsunami-Sushi

von Jan Marc Nottelmann-Feil

Die Nachrichten, die uns aus Japan erreichen, sind nach wie vor nicht gut. Es macht Menschen, die sich mit ganzer Seele dem ostasiatischen Buddhismus verschrieben haben, zutiefst traurig, wenn sie sehen, mit welch fürchterlicher Katastrophe die Menschen in Japan zu kämpfen haben. Es schmerzt aber auch, sehen zu müssen, wie lose die religiöse Rückbindung in einem modernen Land wie Japan geworden ist. Die westlichen Medien haben ja immer nach Gründen für die Gelassenheit der Japaner gesucht, aber die traditionellen Religionen Shintoismus und Buddhismus, scheinen
von Jan Marc Nottelmann - Feil

nicht darunter zu sein. Kein einziger Einwohner der schwer getroffenen Region hat bei Interviews irgendwelche Reflektionen angestellt, die erkennen ließen, dass sein Leben noch von anderer Seite eine Sinngebung erfährt.

Es ist stattdessen viel Hybris allerorts in Ostasien zu spüren. Vor meinem Abflug nach Korea kaufte ich am Düsseldorfer Flughafen noch eine Packung Sushi. Als ich mir die Verpackung näher anschaute, blieb mir beinahe der Bissen im Munde stecken. Die Sushi nannten sich doch tatsächlich Tsunami-Sushi und der Deckel zeigte eine Tsunami-Welle in physikalischer Rasterdarstellung. – Alles berechenbar, alles unter Kontrolle!

Heute wurde die Gefahrenstufe des Atomvorfalls auf die höchste Stufe heraufgesetzt. Die Internet-Zeitung Sankei nyūsu titelte: „Sorgen, dass die japanische Wirtschaft und die Marktstabilität Schaden nehmen könnten“. Dies berichtet freilich eine wirtschaftsorientierte Zeitschrift. Aber trotzdem scheinen die Japaner sich noch gar nicht bewusst zu sein, in welcher Gefahr sie eigentlich schweben. Schon jetzt dürfte ein Zehntel der Radioaktivität von Tschernobyl ausgetreten sein, und der Vorfall ist ja noch gar nicht ausgestanden. Noch immer erschüttern schwerste Erdbeben die Region.

Gestern verwies die englischsprachige „The Korea Times“ zum ersten Mal in diesem Zusammenhang indirekt auf die Religion: Das linke Titelfoto zeigte einen buddhistischen Mönch, der einsam in der zerstörten Stadt Rikuzentakata ein kleines Glöckchen schwenkte. Rechts davon und in gleicher Größe druckte das Blatt die Mitarbeiterin eines Lotte Mart in Seoul, wie sie mit einem Geigerzähler den verpackten Fisch im Kühlregal durchcheckte. Es ist offensichtlich Zeit für beides.
Kein vernünftiger Mensch zweifelt heutzutage an der Bedeutung der theoretischen Vernunft, die quantitativ misst und rechnet, Grenzwerte setzt, Risikoabschätzungen unternimmt usw. . Aber den Sinn des Lebens bzw. die Art und Weise, wie man sein Leben führen soll, wird man nicht in der Natur beobachten können. Man kann ihn auch nicht durch Umfragen ermitteln oder gar den Ökonomen überlassen. Hierin liegt der monumentale Fehler der Moderne. Der moderne Mensch, der nichts kennt als Quantitäten und die Optimierung seines persönlichen, rein zeitlichen Nutzens, wird –so steht zu befürchten – von der Erde seinen Tribut fordern, und er wird seine Antwort erhalten. Dies scheinen die Ereignisse des letzten Jahres (Deepwater Horizon und Fukushima) uns schon vor Augen zu führen.

Es ist wahrhaft Zeit, das Nembutsu zu sprechen.

Sonntag, 10. April 2011

Sieben Arten von Opfern


Liebe Dharmafreunde,

in seiner heutigen Sonntagsansprache im EKO-Ji Düsseldorf zitierte Prof. Rev. Aoyama aus "Die Lehre Buddhas" folgende Worte:

Das Wahre Schenken entspringt spontan dem reinen, mitfühlenden Herzen, ohne Gedanken an irgendeine Rückgabe, und mit dem Wunsch, gemeinsam in ein Leben der Erleuchtung einzutreten.

Es gibt sieben Arten von Opfern, die sogar von jenen Menschen gebracht werden können, die nicht wohl habend sind.

1. Das physische Opfer. Es bedeutet, daß man seine Dienste mit seiner Hände Arbeit anbieten soll. Die höchste Stufe dieser Opferweise ist dann erreicht, wenn man ein eigenes Leben, wie in Ader folgenden Geschichte gezeigt wird, hingibt.

2. Das geistige Opfer, d.h., daß man ein mitfühlendes Herz für andere Menschen haben soll.

3. Das Opfer, das man mit den Augen bringt, d.h., daß man anderen Menschen einen warmen Blick schenken soll, der sie beruhigt.

4. Das Opfer, das man mit dem Gesichtsausdruck bringt, d.h., daß man andere Menschen mit einem milden Gesichtsausdruck und einem Lächeln betrachten soll.

5. Das mündliche Opfer, d.h. man soll freundliche und warme Worte an andere Menschen richten.

6. Das Opfern seines Platzes. Man soll anderen seinen Platz anbieten.

7. Das Opfer, Obdach zu gewähren. Man soll Menschen in seinem Hause übernachten lassen.

Diese Opfer können von jedem Menschen in täglichen Leben gebracht werden.

Namo Amida Butsu

Dienstag, 5. April 2011

HERZLICHE BITTE

In Japan hat die Natur ein Erdbeben der Stärke 9.0 ausgelöst und einen über 10 m hohen Tsunami, der die Ostküste zerstört und die Kernkraftwerke von Fukushima zu einer riesigen Gefahr gemacht hat. Weit über 10 000 Menschen sind elend umgekommen, über 20 000 sind vermisst, noch mehr haben Angehörige verloren oder Hab und Gut. Die furchtbaren Tatsachen sind hinreichend bekannt.

Wie wir teilhaben am Glück anderer Menschen, so teilen wir auch das Leid. Beim Leid anderer Menschen können wir nicht unser Glück genießen und wir können nicht im Leid versinken beim Glück anderer. Das ist Kern und Quell aller Moral und Religion, und vor ihm werden alle Unterschiede zwischen Religionen und Weltanschauungen unbedeutend. Buddhistische Priester und Mönche kennen das Wort ‘Leben-Sterben – das ist die Große Sache’ und empfehlen das Überschreiten dieses Gegensatzes durch Nembutsu, Zazen, Meditation, Beten oder etwas anderes. Vgl. http://revsokun.blogspot.com/


Aber was können wir als gewöhnliche Menschen tun? Wir können nicht selbst Hand anlegen, und die Betroffenen können das Elend nicht einfach fliehen. Es ist bekannt, dass es immer noch u.a. an finanziellen Mitteln zur Versorgung der Notleidenden fehlt. Hier gibt es Möglichkeiten der Hilfe. Der Direktor des Ekô-Tempels in Düsseldorf (Jôdo-Shin-Shû-Tradition des Buddhismus) kommt aus der Stadt Sendai im Zentrum der Verwüstung und ist bereit, Ihre Spenden den Opfern zukommen zu lassen:

Empfänger EKŌ - Haus der Japanischen Kultur e.V.
Konto Nr. 3085 933 600
Kreditinstitut Mizuho Corporate Bank
BLZ 300 207 00


[Bei Spenden bis 200 Euro gilt als Spendennachweis der unter www.eko-haus.de/Ueberweisungsvordruck-Zahlschein.pdf als Download zu findende Zahlungsbeleg in Verbindung mit einer Buchungsbestätigung Ihres Kreditinstituts. Bei Spenden ab 200 Euro und Angabe Ihres Namens und Ihrer vollständigen Anschrift wird Ihnen automatisch eine Spendenbescheinigung seitens des EKŌ-Hauses zugesandt.]



Besonders schreiend ist die Not der Kinder, die Eltern und sämtliche Angehörigen verloren haben. Sie sind hilflos und auf längere Zeit auf Zuwendungen angewiesen. Es gibt Menschen, die sich der Waisen annehmen, und wir möchten Ihnen deren Unterstützung ans Herz legen. Eine Möglichkeit ist die folgende:

Empfänger UNICEF
Konto Nr. 300 000
Kreditinstitut Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 370 205 00
Stichwort “Japan”


Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Bemühungen

Volker Beeh, Karl Heinz Glätzer, Yosuke Iwata, Hisataka Izumi, Ulrich Krömer

Montag, 4. April 2011

Tannisho Kapitel 11



Wenn man einen keines Schriftzeichens kundigen Anhänger, der das Nembutsu
rezitiert, mit der Frage überrascht: “Worauf vertraust du, wenn du das Nembutsu
sprichst: auf das unergründliche Gelübde oder den unerforschlichen Namen?” und
dabei keine genauen und deutlichen Erklärungen gibt, was beides bedeutet, leitet man
ihn in die Irre. Darum sollten wir über diesen Fall immer wieder nachdenken und ein
klares Verständnis davon erlangen.

Durch das unergründliche Gelübde hat Buddha Amida den Namen ersonnen, der leicht
zu behalten und leicht zu sprechen ist, und er versprach diejenigen [bei sich]
aufzunehmen, die Seinen Namen anrufen. Wenn man zuerst darauf vertraut, dass man
durch das unergründliche Wirken des großen mitfühlenden Gelübdes Geburt und Tod
(Samsâra) entrinnen wird, und wenn man bedenkt, dass man das Nembutsu durch die
Absicht des Tathâgata Amida sagt und es nicht im geringsten aus eigenem Ermessen
geschieht, dann wird man in Übereinstimmung mit dem Grundgelübdes in das Wahre
Land der Belohnung hingeboren werden.

Wenn wir uns zutiefst dem unergründlichen Gelübde anvertrauen, ist auch sein
unerforschlicher Name eingeschlossen. Sein unergründliches Gelübde und Sein
unerforschlicher Namen sind schließlich ein und dasselbe, und nichts Verschiedenes.
Weiter: wer durch eigenes Ermessen gute und böse Taten unterscheidet, und meint, die
einen seien förderlich, die anderen hinderlich für die Hingeburt, der verlässt sich nicht auf das unergründliche Gelübde, sondern er macht, indem er eigensinnig nach Taten für die Hingeburt trachtet, das Nembutsu, das er spricht, zu seinem eigenen Werk.

Ein solcher Mensch vertraut auch nicht Seinem unerforschlichen Namen.
Wenn ihm aber auch das wahre Vertrauen fehlt, so wird er doch in den Grenzbereichen
[des Reinen Landes], die den Trägen und Überheblichen vorbehalten sind, im Schloss
des Zweifels und in einem Mutterschoß wiedergeboren, von wo aus er kraft des
„Gelübdes der Vollendung der endgültigen Befreiung“ schließlich sogar Hingeburt ins
wahre Reine Land erlangt: Dies ist die Kraft des unerforschlichen Namens, und
wiederum das Wirken des unergründlichen Gelübdes. Beides läuft auf eines hinaus.

Deutsche Übersetzung: Tannisho.pdf
Ü: Muneto Sonoda (§1-§7), Takao Aoyama (§8-§12)