Anjin-Do

Anjin-Do

Freitag, 30. April 2010

Shindo Gründungstag



Liebe Weggefährten und Freunde des "ShinDo"

Am Dienstag 4. 5. feiern wir den 15. Gründungstag der "Buddhistischen Begegnungsstätte ShinDo" in Bad Reichenhall.
Beginn 19:00

Anschließend wollen wir diese 14 Jahre in einem Restaurant bei Speis und Trank Revue passieren lassen.

14 Jahre Jodo Shinshu und eine stetig offene Tür für alle am Buddhismus Interessierten, haben ShinDo so sehr mit Leben erfüllt, dass dieser Ort der Einkehr und Besinnung nicht mehr aus dem spirituellen Leben Bad Reichenhalls wegzudenken ist.

Auch nach dieser Zeit wird die Lehre des Buddha und die buddhistische Praxis nie zur Routine.

Sie ist wie eine Blume, die jeden Morgen neu ihre Blätter öffnet um die Kraft der Sonne in sich aufzunehmen und zu gedeihen.

Mit herzlichem Namu Amida Butsu, Jotoku

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Shinran Shonin's 750th memorial - 2011
Yo no naka annon nare -- Möge Friede und Harmonie die ganze Welt durchdringen
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Buddhistische Begegnungsstätte ShinDo // ShinDo Buddhist Center and shrine room
Rev. Jotoku Thomas Moser

Montag, 19. April 2010

Mantras und Nembutsu

von Marc Nottelmann-Feil

Neulich erzählte mir eine Weggefährtin (es war, wie ihr vielleicht erraten werdet Ilona) von einem Gespräch, das sie mit Anhängern des tibetischen Buddhismus geführt hat. Für tibetische Buddhisten ist es natürlich das Naheliegendste, das Nembutsu mit einem Mantra wie OM TARE TUTTARE TURE SOHA
zu vergleichen und so ging dieses Gespräch um einen Erfahrungsaustausch – den Versuch zu beschreiben, was man empfindet, wenn man die eine oder die andere Praxis wählt.

Nach meiner Meinung gefragt, wie ich dazu stehe, war ich etwas in Verlegenheit. Normalerweise versuche ich, wenn ich nach einem Zusammenhang gefragt werde, den ich spontan nicht kenne, erst einmal, so gut ich es kann, zu recherchieren. Aber wenn man nach dem Bodhisattva Tara im chinesischen und japanischen Buddhismus sucht, so findet man nur sehr wenig. Tara, manchmal mit die „rettende Mutter“ übersetzt, tritt als Aspekt der Welterrettenden Kannon auf einem der Mandalas des Shingon- bzw. Tendai-Buddhismus auf. Allerdings hat Tara dort nicht die aus dem tibetischen Buddhismus bekannte Ikonographie, und ihr sind mehrere Keimsilben und meines Wissens kein Mantra (jedenfalls sicherlich nicht das genannte) zugeordnet. Die Tara-Verehrung scheint in Indien erst relativ spät aufgekommen zu sein (etwa im 6.Jahrhundert), zu einer Zeit also, als der Buddhismus schon weitgehend nach China überliefert war. Für China war der Zeitpunkt also schon sehr spät und nur noch die Esoterischen Schulen haben die Tara-Verehrung noch am Rande rezipiert, aber für Tibet der Zeitpunkt gerade richtig. - Aber das ist nur trockenes Wissen, das nur begründet, warum man in China und Japan über Tara nur wenig findet, das aber die eigentliche Frage nicht beantwortet.

Aber vielleicht führt hier eine persönliche Erfahrung weiter: Den Mahāyāna-Buddhismus – nicht als Wissengebiet, sondern als Element meines Lebens – habe ich in Form des tibetischen Buddhismus kennengelernt. Natürlich war mir die Tara-Praxis in dieser Zeit vertraut. Wenn ich meinen Gemütszustand etwas heben wollte, setzte ich mich auf mein Meditationskissen und stellte mir vor, ich würde einen wunderbaren klaren Gebirgssee umschreiten, dann einen abgelegenen malerischen Tempel erreichen, wo ich ganz allein oder mit wenigen Freunden, von aller Mühsal des Lebens befreit, unendlich lang das Tara-Mantra sagen könnte. Das waren außerordentlich beruhigende Vorstellungen für mich.

Shinran lernte in seiner Jugend auf dem Berg Hiei mit Sicherheit auch solche bildhaften Meditationen und Mantras kennen. Vielleicht hat er sogar die Mandala der Tendai-Schule, auf dem an ganz unprominenter Stelle Tara sitzt gesehen und damit geübt: wir wissen es nicht. Zur welterrettenden Kannon hat er, jedenfalls, wie ihr wisst, eine sehr enge Beziehung gehabt. Dennoch, so sagt man jedenfalls, hat er die Mantra-Praxis als solche später als eine vermischte Übung aus eigener Kraft und letztendlich als obsolet betrachtet. Wie ist das zu verstehen?

Shinran beschrieb seine eigene spirituelle Entwicklung einmal in drei Phasen. Die vermischten Übungen aus eigener Kraft waren die erste Phase seines Wegs. Dann erkannte er, dass die Essenz aller Übungen nur eine Übung, das Nembutsu, ist. Das war die zweite Phase. Ganz zuletzt erkannte er, dass diese eine Übung aus anderer Kraft geschieht.

Schon die vermischten Übungen aus eigener Kraft führen, wenn sie mit dem Wunsch nach Hingeburt geschehen, nach dem 19. Gelübde in Amidas Reines Land. Aber sie führen, wie Shinran aus den Sūtren zu begründen versucht, in Region des Reinen Landes, in der die Eigenkraft noch gebraucht wird. Dieser Gedanke hat mich, als ich ihn mir das erste Mal klar gemacht habe sehr verblüfft. Die wunderbare Vorstellung, die ich mir im Zusammenhang mit der Tara-Praxis gemacht habe, ist sie nicht geradezu ein Landschaftsbild aus einer solchen Grenzregion des Reinen Landes? Es ist die beste Fantasie, die ich mir zum damaligen Zeitpunkt von einer idealen Übungsumgebung machen konnte. Sie war sozusagen meine Privatversion vom Reinen land. Aber war dieses Bild nicht ein erstaunlich präzises Gegenbild meines eigenen armseligen Herzens? Ich bin es ja, der zwischen Freund und Feind unterscheidet, der seine Ruhe und einen Tempel für sich allein haben will. Ich habe mir da in Gedanken das zurechtgelegt, was ich für mich für nötig hielt!

Damit möchte ich natürlich nicht sagen, dass die Mantra-Praxis nur in Grenzregionen führt, die Nembutsu-Praxis aber zur Erleuchtung. Es geht um etwas sehr viel Grundsätzlicheres.

Shinrans religiöse Erfahrung war eigentlich etwas überwältigend Einfaches (und gerade darum ist sie mir lange Zeit vollkommen fremd gewesen!) Im Tannishō spricht er sich in einem einzigen Satz aus: „Für mich Shinran gibt es keine andere Lehre als dem zu vertrauen, was mir von einem guten Menschen (Hōnen) gesagt wurde: man soll nur das Nembutsu sprechen und sich von Amida retten lassen.“ Diese Lehre Shinrans scheint auf den ersten Blick als eine Verkürzung des Buddhismus auf irgendeinen beliebigen Aspekt. Aber wenn man lange darüber nachdenkt, ist das nicht so. Shinran spricht von wenigen schlichten Elementen: die vertrauensvolle Anrufung des Namens eines allergütigsten Wesens. Ist das nicht die Grundstruktur jeder religiösen Übung, ja der Religion überhaupt?

Ich glaube, man versteht Shinran nur richtig, wenn man dies ganz universal auffasst. Für Shinran ist Amidas Kraft wie ein unendliches schwarzes Loch (Es gibt in der Natur leider kein Beispiel, das wir als positiv empfinden würden. Man müsste von einer Schwarzes-Loch-Sonne sprechen). Alles steht bereits in seinem Schwerefeld, denn er hat gelobt alle Wesen zu retten. Die fernen Wesen steuern ihr „Ego-Raumschiff“ einsam und kalt auf scheinbar noch eigenen Bahnen. Die Wesen, die ihm schon näher geraten sind, empfangen von ihm schon sichtbare Impulse. Irgendwann wird die Kraft Amidas so stark, dass der Weg des Wesens nur noch in eine Richtung geht. Der erste Augenblick des Vertrauens ist dafür Indikator und Auslöser zugleich: das Wesen versteht, dass es einen unermesslich gütigen Buddha gibt und ruft seinen Namen. Die Kraft des Buddha ist in diesem Augenblick so stark geworden, dass das Wesen den Buddha gar nicht mehr ignorieren kann.

Shinrans drei Phasen stehen in Zusammenhang mit diesem Annäherungsprozess. Solange Shinran noch vermischte Übungen macht, ist er sich noch gar nicht ganz klar, wohin die Reise eigentlich geht: zu dieser oder jener Sonne. Das Ziel und der Weg zu seiner Verwirklichung sind erst klar, als er die eine Übung erkennt. Solange er aber mit der einen Übung noch selbst auf Amida hinsteuern will, hat er Amida nicht verstanden und riskiert damit, sich wieder von ihm zu entfernen. Erst als er alles Amida überlässt, ist die Stufe der Unumkehrbarkeit erreicht. Die Leid verursachenden Energien werden mit dem Tod verbraucht sein, und damit ist das Ziel verwirklicht.
Alle Übungen, die die Jōdo shinshū ihren Anhängern empfiehlt, versuchen diesen religiösen Reifungsprozess, den Shinran gegangen ist, anzuregen. Aber natürlich macht man auch in der Jōdo Shinshū viel, was der Form nach nicht das Nembutsu ist. Man setzt sich vor einen Altar, der Assoziationen an das Reine Land wecken soll und wo der Buddha dargestellt ist, wie bei einer Visualisation, man rezitiert gewisse Sūtren usw. Wer garantiert denn, dass das schon die eine Übung ist? Ist es nicht in vieler Hinsicht der Praxis anderer Laienbuddhistischen nicht sehr ähnlich (weshalb auch der Vergleich zur Matra-Praxis nicht so weit her geholt erscheint!)
Ebensowenig ist die Jōdo-Shinshū-Praxis per se vor dem Eigenkraft-Gedanken gefeit. Viele einfache Anhänger in Japan setzen sich z. B. als Ausdruck der Verbundenheit mit den Verstorbenen vor ihren Altar. Daran ist nichts auszusetzen. Aber in vielen Fällen geschieht die Andacht nicht vor den Ahnen, sondern für die Ahnen und dann ist es eine typische vermischte Übung aus eigener Kraft.

Die eigentliche religiöse Übung in der Jōdo Shinshū ist trotz ihrer mannigfaltigen Formen immer das Nembutsu. Das Entscheidende am religiösen Gehalt dieser Übungen ist dabei noch nicht einmal, dass man sich an bestimmte religiöse Formen, die vom Honganji definiert werden, hält (obwohl dies sehr nützlich sein kann!), sondern dass man in aller Übung die eine Übung aus der anderen Kraft, nämlich das Nembutsu, erkennt. Dies ist der Weg, den man für die eigene Übung anstreben sollte.

Wenn man sich der eigenen Übung sicher ist, ist man reif für den interreligiösen Dialog. Es gibt eine törichte und eine gute Form dieses Dialogs. Töricht ist es, wenn man zwei Religionen als Erlösungstheorien gegeneinanderstellt und gegeneinander ausspielt. In diesem Falle kommt es nur zu Streit und Rechthaberei. (Ein Nāgārjuna würde beiden Streitparteien nachweisen, dass sie – egal welche Anschauung sie vertreten - unrecht haben.) Eine gute Form des Dialogs ist, wenn man dem anderen deutlich machen kann, dass man das Eigene in seiner Religion wiederentdeckt. Man muss also die Nembutsu-Komponente in der anderen Religion erkennen. Im Falle der Mantra-Praxis von tibetischen Buddhisten könnte man darauf hinweisen, dass auch ein Mantra nicht vom Menschen, sondern vom Buddha stammt, dass es, wenn es mit tiefen Vertrauen gesprochen wird, wohl auch nach tibetischer Auffassung die ganze Praxis sein kann usw. Allerdings muss man natürlich auch den anderen Gelegenheit geben, ihr Eigenes im Nembutsu wiederzuentdecken. Der religiöse Dialog muss immer offen sein, ein lebendiger Austausch zweier Menschen über das ihnen Wesentlichste.

Donnerstag, 15. April 2010

Glück und Freude



v. Rev. Harry Pieper

In den gesammelten Aussprüchen Rennyo Shônins, des vierten
Patriarchen unseres Tempels, lesen wir im 47. Abschnitt:
„Seid niemals zufrieden mit euren eigenen Ansichten und Meinungen,
sondern denkt stets an euren Glauben. Der Buddhismus sieht von
außen sehr trocken aus, in seinem Innern aber findet ihr grenzenlose
Freude,“ – so sagte der Shônin eines Tages.
Dieser Ausspruch ist einfach und klar, eigentlich zu einfach – um
nicht zu sagen primitiv – so dass leicht der Gedanke aufkommen kann,
dass es sich doch eigentlich nicht lohnt, ihn bis auf die heutige Zeit getreu
zu überliefern, was vielleicht nur aus Respekt gegenüber Rennyo
Shônin geschehen ist, unter dessen Patriarchat die Shin-Schule, die
von seinem Vorfahren Shinran Shônin gegründet worden war, erst zu
einer wirklich in sich geschlossenen und in der Lehrinterpretation eindeutigen
Schule geworden ist.

Wenn wir aber ein wenig über diesen Ausspruch nachdenken, so
werden wir entdecken, dass er es durchaus wert ist, weitergegeben zu
werden, denn er trifft mit wenigen Worten den Kern.
Es ist doch eine Tatsache, die wir immer wieder beobachten können,
dass sich Menschen der Lehre des Erhabenen aus echtem Interesse
heraus zuwenden, dass sie aber nach einer mehr oder weniger langen
Zeit des Studiums des (allerdings sehr umfangreichen) Schrifttums
wieder aufgeben, weil sie vielleicht wegen eines fehlenden Impulses,
mehr in die Tiefe zu gehen, sich in der Breite (Weite) verlieren oder
weil sie aus Mangel an rechter Führung durch einen geeigneten Lehrer
das Gefühl haben, sich in einer dürren Wüste zu verlieren und an trockenen
Worten eher zu ersticken als sich erlaben zu können.

Das ist gewiss tragisch, aber wenn wir unseren eigenen Weg überschauen,
werden wir vielleicht feststellen können, dass es uns am Anfang
in gewissen Punkten auch nicht viel anders ergangen ist und dass
wir vielleicht nur ein wenig mehr Energie oder eine bessere Anleitung
gehabt haben, die uns dazu veranlasst haben, nicht aufzugeben. Und
eigentlich hat es doch recht lange gedauert, bis wir so weit waren, dass
wir etwas von dem lebendigen, erquickenden und stärkenden Quell
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entdeckt haben, der unter diesem Berg von nüchternen, oft trockenen
Wortüberlieferungen fast verschüttet ist, und bis wir begannen, eine
tiefe innere Freude an der Lehre und Dankbarkeit gegenüber ihrem
Verkünder und allen, die sie bewahrt und weitergegeben haben, zu
empfinden.

Natürlich war diese Entdeckung kein Wunder und auch nicht das
Ergebnis einer uns unvermittelt zugeteilten Gnade: sie hat ihren natürlichen
Ursprung auch in unserem eigenen Bemühen, diesen lebendigen
Quell beständiger Freude und inneren Glücks zu erschließen, indem
wir uns darum bemühten, immer tiefer zu gehen.

Ganz sicher sind uns in diesem Streben auch Anregungen zuteil
geworden, nicht zuletzt vielleicht auch durch Begegnungen mit Menschen,
die wie wir auch Buddhisten waren und in deren Wesen wir
etwas wahrnahmen, das unsere Aufmerksamkeit erweckte, da es etwas
Strahlendes, Lebendiges gewesen ist. Hierzu möchte ich besonders
betonen, dass das Wesen solcher Menschen, die gewissermaßen Träger
des Wesens der Lehre sind, absolut nichts mit der Schule zu tun hat,
der sie in ihrer Praxis des Weges folgen.

Es wird z.B. oft gesagt, dass die Theravâda-Tradition als ein Weg
ständiger Selbstanalyse und Selbstkontrolle die nüchternste aller Traditionen
sei, und sie wird deshalb auch gerne in unserer modernen,
nüchternen Zeit als die „echte“ Form des Buddhismus bezeichnet.
Nun, das mag vielleicht nicht unrecht sein, aber Tatsache ist, dass ich
unter den Anhängern dieser nüchternen, analytischen Schule auch solche
getroffen habe, deren Wesen das Wesen der Lehre, insbesondere
bezüglich des inneren Glücks und des inneren Friedens, in ihrer Umgebung
ausstrahlte, wenn ich mich einmal so ausdrücken darf.

In diesem Zusammenhang aber glaube ich feststellen zu können,
daß gerade die europäischen Anhänger dieser Schule wohl nicht auf
dem rechten Wege sind, – vielleicht auch darum, weil sie sich immer
noch und immer wieder nur intellektuell mit der Wortüberlieferung
befassen und daher nicht zu dem Inneren vordringen können, das –
wie Rennyo Shônin sagt – grenzenlose Freude bringt.

Obwohl nun die sogenannten Mahâyâna-Überlieferungen vielfach
„wärmer“ sind und mehr das Herz ansprechen, finden wir aber auch
unter den Anhängern dieser Tradition leider allzu viele, die ebenfalls
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nicht über das Äußere hinausgehen, das in diesem Falle in einer reichen
Tradition von religiösen Übungen, Riten und Ritualen besteht,
von denen sie sich fesseln lassen und weshalb auch ihnen der Quell,
der im Innern vorhanden ist, verschlossen bleibt.
Es ist nicht leicht, zu diesem ganz augenfälligen Mangel etwas zu
sagen, es sei denn, man wäre ein Buddha und in der Lage, die Ursachen
und Zusammenhänge zu überschauen, – aber sicher hat es etwas
mit einem „abendländischen Karma“ zu tun, dem wir alle mehr oder
weniger stark verhaftet sind, andernfalls wir ja nicht in dieses Milieu
hineingeboren worden wären.

Wie dem aber auch sei: wer auch immer behauptet Buddhist zu
sein und dabei mit einem furchtbar ernsten Gesicht herumläuft (da er
ja die Wahrheit vom Leiden kennt!), ist eigentlich schon an der Lehre
vorbeigegangen, denn der Kerngehalt der Lehre ist nicht die Heilige
Wahrheit vom Leiden (die lediglich den Ausgangspunkt darstellt),
sondern der zur Aufhebung des Leidens führende Pfad – und allein
das Wissen um die Tatsache, dass ein solcher Pfad existiert und vom
Erhabenen klar und verständlich aufgezeigt worden ist, könnte selbst
ohne allzu tiefes Eingedrungensein schon Grund zu Dankbarkeit und
Freude sein.

Letzteres ist ohne Zweifel bei allen ehrlich sich bemühenden
Buddhisten der Fall, gleich welcher Tradition oder Schule sie folgen:
ich habe selbst bei sogenannt strengen Theravâdins viel öfter ausgeglichene,
stets freundliche und heitere Naturen angetroffen als solche
„leidbewußten“ Buddhisten, wie sie das Abendland leider in so verhältnismäßig
großer Zahl hervorgebracht hat und immer neu hervorzubringen
scheint, was dem abendländischen Buddhismus immer wieder
seitens der nicht-buddhistischen Umwelt das Urteil einträgt,
Buddhismus sei nichts weiter als religiös verbrämter Pessimismus.
Was können wir aber nun dagegen tun? Nicht viel, wie es auf den
ersten Blick scheint, denn wir können jene Naturen nicht ändern, die
aufgrund eines unglücklichen Karma eben Pessimisten sind.
Was wir aber tun können – und das liegt durchaus in unseren Händen
– ist, dass wir uns immer mehr darum bemühen, das Haften an der
trockenen Oberfläche aufzugeben und uns immer enger mit dem der
Lehre innewohnenden Quell unendlicher Freude zu verbinden, sodass
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wir – ein jeder von uns – zu Gefäßen dieser Freude, dieses tiefen, unzerstörbaren
Glücks werden.

Und wir haben es doch gar nicht schwer bei diesem Bemühen, da
wir die Gewissheit haben, das hohe Ziel der Befreiung vom Leiden
ganz sicher, ganz bestimmt zu erreichen durch die wunderbare Kraft
des Hauptgelübdes des Buddha Amida, der uns dort, wo unsere eigene
menschliche Schwäche hindernd im Weg steht, aus großer
Barmherzigkeit Seine eigenen angesammelten Verdienste zuwendet
und uns Einlass gewährt in Sein Lauteres Land, wo der endgültigen
Verwirklichung des Ziels keinerlei Hindernisse mehr entgegenstehen!

Namu Amida Butsu.

Sonntag, 4. April 2010

Gedanken, basierend auf einem Dharma Gespräch nach der Sonntagsandacht



von Rev. Jotoku Thomas Moser

„Shin Buddhisten können in diesem Leben nicht erleuchtet werden?“
Das klingt absolut und für jene die auf dem Weg der Buddhalehre unterwegs sind, im ersten Moment beängstigend. Zur Beruhigung sagen wir dann gerne: „aber --- unter den vielen Milliarden Menschen gibt es vielleicht doch einige die das aus eigener Kraft schaffen“ ---- (aber keine Shin Buddhisten!)

„Und überhaupt, es gibt keine Erleuchtung, weil es nichts zu erleuchten gibt!“
Hier versucht der Kopf das Regiment zu übernehmen.

Ich sage es mal etwas moderater: „Shin Buddhisten können in diesem Leben nicht die Befreiung erlangen, aber die Zusicherung gerettet zu werden.“ Warum?

Ich möchte mir dazu gern Hilfe bei T. Shigaraki holen. Er sagt: „In Shinjin erwache ich zur Wahrheit dessen, wer ich wirklich bin, erkenne mich als verblendeten Egoisten, dem das bedingte Entstehen nicht bewusst ist.“ Shinjin.

Ich kann zwar Shinjin nicht treffend in einen deutschen Begriff übersetzen und ich denke das sollte man auch nicht. Wir wissen, dass Shinjin umschrieben so viel wie „geschenktes“, „von innen heraus, “ entstandenes Vertrauen bedeutet. Shinjin kann ich nicht durch Übungen, Bemühungen oder Studium erreichen. Es wird mir geschenkt, wenn es an der Zeit dafür ist.
Aus dem Zitat von Shigaraki wird klar, dass wir als Ziel unsere Selbsterkenntnis anstreben, dass sie gewissermaßen der Nährboden dafür ist um uns weiter zu entwickeln und dass wir diese Selbsterkenntnis nicht wirklich (nur) aus eigenem Bemühen schaffen.

Verbal sind wir alle gerne bereit von Ego und eigener Unfähigkeit zu sprechen, wir bemühen zur Bekräftigung sogar den japanischen Begriff des „Icchantika,“ des „Hoffnungslosen“ und merken nicht, dass das kokettieren damit bereits Eitelkeit beinhaltet.
Um uns selbst in aller Tiefe zu erkennen bedarf es Shinjin.
Shinjin gründet sich also auf der Erkenntnis unserer Unwissenheit und Verblendung, auch wenn wir dieser noch nicht voll gewahr sind und damit wird klar, dass wir in diesem Leben nicht Buddha werden können.

Aber --- nun das große Aber: Shinran sagt, dass wir durch Shinjin „dem Buddha gleich“ werden, während wir ganz normale Menschen bleiben.

Kann man das verstehen?

Shigaraki: „Mein wahrer Zustand muss mir dabei zunächst wie mit den Augen eines anderen gezeigt werden. „Erkennen“ in Shinjin heißt, durch den Dharma des Buddha und das Nenbutsu mein Befangensein in Verblendung so zu gewahren, als geschähe dies durch die Augen des Buddha. Wie ein Spiegel das körperliche Ebenbild zeigt, lässt einen der Dharma einen Blick auf die Wahrheit des eigenen Wesens werfen. Dieses existentielle Wissen darum „Wer ich bin“, nannte Shinran die „Weisheit aus Shinjin.“

„Weisheit aus Shinjin.“

Shinjin hat zwei Aspekte: „Wahrheit und Erfahrung“
„Das eigene Herz erfahren“, wie Shigaraki sagt.

Zitat: „Diese Weisheit, Erkenntnis des Herzens, das dabei Läuterung erfährt, ist die Dynamik in Shinjin, Prajna und Cittaprasada. Die Weisheit und das reine Herz, bilden als Wirken und Wesen von Shinjin eine nicht trennbare Einheit.“

Das „reine Herz“ (oft auch als klarer Blick, oder gesammelter Geist, umschrieben) ein Begriff den nicht nur Shinran gerne benutzt um das Erwachen, die Geburt im Reiche des Buddha zu umschreiben. Cittaprasada wird oft gleichbedeutend mit Samadhi, oder Satori verwendet. Shinran schließt diese nicht mit dem Intellekt zu erfassenden Begriffe in Shinjin ein.

Damit wird klar:
a, Die Erkenntnis unseres Selbst ist der Nährboden für Shinjin.
b, Shinjin umfasst eine überweltliche Wahrheit die uns normalen Menschen nicht zugänglich ist.
c, Durch Shinjin mit den Augen des Buddha sehen, macht uns dem Buddha gleich, obwohl wir weiterhin Menschen im gewöhnlichen Alltag mit all seinen Höhen und Tiefen bleiben.
d, diese weltlichen Verstrickungen sind es, die uns die Gewissheit der Befreiung geben, weil sie die Grundlage für Selbsterkenntnis sind und damit ein Loslassen von berechnenden Bemühungen ermöglichen.
Wieder formuliert es Shigaraki treffend: „Shinjin ist reine Erfahrung, Klarheit, Reinheit, Ruhe......... Geist und Herz wurden vollkommen rein und klar.“

Wir können es also beruhigt aufgeben über Erleuchtung, oder Befreiung nachzudenken. Das lenkt uns nur ab.
„Sei wie du bist, das ist es und sonst nichts,“ sagte Bankei Eitaku, woran man sieht, dass diese Erkenntnis nicht uns Shin Buddhisten allein vorbehalten ist.
Ich finde beispielsweise das was ich bei Shinjin „spüre“ auch im Herz Sutra, ---- nachdem ich es mehr als hundertmal gelesen habe.
Mögen unsere persönlichen Wege und Möglichkeiten auch unterschiedlich sein, Shinran macht uns frei von der Angst „das Ziel“ nicht zu erreichen.
Er sagt: (er beschreibt das als Ojo –Neugeburt Erlebnis) „Wie die Schnecke stets ihr Wohnhaus bei sich trägt, begleitet mich die Gewissheit des Reinen Landes.“

Namu Amida Butsu
Jotoku

Quelle: „Sogar der Gute wird erlöst. Um wie viel eher der Böse“ von Takamaro Shigaraki