Anjin-Do

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Sonntag, 21. September 2008

Liebevolle Rede

Kogyo Ilona Evers

Das Üben der Rechten oder liebevollen Rede steht im Shin – Buddhismus nicht im Zentrum.
Für uns ist das Vertrauen in den Buddha Amida und die befreiende Kraft des Nembutsu das Wichtigste. Aber auch wir bemühen uns, uns so heilsam wie es uns möglich ist zu verhalten. Auch in unserem eigenen Interesse, denn
unsere Lebensqualität kann sich dramatisch erhöhen, wenn wir bewusster mit unseren Worten umgehen.
Worte können Wunder bewirken. Worte können uns ins Herz treffen.
Worte können uns zu Herzen gehen.
Manchmal ist es sehr wichtig, die richtigen Worte zu finden, um etwas zu erklären oder um etwas zu verstehen.

Wahrhaftigkeit oder Wahrheit und Lüge:
Wir können Menschen, die meinen, was sie sagen und tun, was sie sagen, eher vertrauen. Also ist es wichtig für gute Beziehungen, die Wahrheit zu sagen.
Was ist aber mit so genannten Notlügen oder mit Konventionen?

Konventionen:
Nicht jeder, der uns fragt: Wie geht es dir? Will wissen, wie es uns wirklich geht. Da ist es manchmal angemessen, einfach zu sagen „danke, gut“, auch wenn wir vielleicht gerade unter Liebeskummer leiden oder uns die Füße weh tun. Statt „danke, gut“ können wir auch einfach „danke“ sagen oder „danke, und dir/ Ihnen?“

Notlügen:
Soll ich wirklich alles sagen, was ich gerade denke und fühle?
Nach dem Motto: „wahr, aber gemein ? “.
Der Buddha hat großen Wert darauf gelegt, dass wir mit dem, was wir sagen, niemanden verletzen. Es ist also nicht immer sinnvoll, ganz authentisch zu sein. Es ist manchmal sehr sinnvoll, Dinge nicht auszusprechen und Gefühle nicht auszudrücken.
Das macht uns nicht krank, so lange wir unseren Ärger und unsere Wut oder unsere Ablehnung bemerken.
Manchmal ist es besser, überhaupt nichts zu sagen. Oder sich für das unpassende Geschenk zu bedanken und dabei an die Mühe zu denken, die sich die Schenkende vielleicht gegeben hat oder an ihren guten Willen,
ihre Absicht, mir eine Freude zu machen.
Es ist auch nicht immer sinnvoll, einem Sterbenden die Wahrheit über seinen Zustand zu sagen.
Der Buddha empfiehlt, sich möglichst in die Gesprächspartnerin hinein zu versetzen und dann zu überlegen, was sinnvoll ist, zu sagen.

Klatsch und Tratsch:
Ein bisschen tratschen kann Spaß machen. Manche sagen, dass Tratsch zur Psychohygiene gehört.
Trotzdem rät der Buddha davon ab.
Warum?
Weil wir bei Klatsch und Tratsch vor allem über die Schwächen unserer Mitmenschen reden. Weil es z.B. dem Betriebsklima schaden kann.
Weil wir wahrscheinlich nicht begeistert wären, wenn die anderen so über uns reden würden.
Viel sinnvoller ist es, auf die Stärken unserer Mitmenschen zu achten, uns darüber zu freuen und das auch zu sagen.

Geschwätz/ törichte Rede:
Der Buddha empfiehlt, sinnvoll und hilfreich zu reden und sinnloses Geschwätz zu vermeiden.
Was ist sinnloses Reden oder Geschwätz?
Jeder Mensch findet etwas anderes wichtig.
Viele Menschen, die die tieferen Dimensionen des Lebens gerade für sich entdeckt haben, wollen vor allem darüber reden. Und finden alles andere, wie Berichte über Arbeitsstellen, Einkäufe oder Beziehungen banal und sinnlos.
So eine Einstellung zeugt aber nicht von großer spiritueller Reife, sondern eher von mangelndem Mitgefühl. Von mangelnder Einfühlung in mein Gegenüber. Natürlich spricht nichts dagegen, wenn ich gerade besonders von einem Thema begeistert bin, mich mit Menschen zu treffen, mit denen ich mich darüber austauschen kann.

Sylvia Wetzel definiert sinnloses Geschwätz für sich so:
„…sich nur im Bekannten bewegen und auf der Oberfläche der Erfahrungen. Das kann man auch mit religiösen und philosophischen Begriffen tun. …“
Dem schließe ich mich an.

Smalltalk, Höflichkeit, Freundlichkeit:
Wir alle brauchen nicht nur gute Gespräche, die uns in tiefere Dimensionen und zu neuen Erkenntnissen führen. Wir brauchen auch gute Kontakte zu unseren Nachbarn, zu unseren Arbeitskollegen usw. Smalltalk ist ein meist kurzes Gespräch über eher oberflächliche Themen. Zum Beispiel bei einer Party, wo mit uns einem bisher unbekannten Menschen annähern und vielleicht übers Buffet sprechen oder über die schöne Wohnung der Gastgeberin.
Wenn so ein Gespräch beiden Beteiligten gut tut, dann ist es hilfreich.
Hilfreich ist auch Höflichkeit, wie ein freundlicher Gruß im Treppenhaus oder ein „einen schönen Tag wünsch ich Ihnen“ nach einem kurzen Gespräch.

Wie reden wir mit uns selber:
Kritisieren wir uns oft oder loben wir uns?
Gehen wir höflich und freundlich mit uns um oder eher unhöflich und unfreundlich?
Sehen wir eher unsere Fehler, unsere Schwächen?
Sehen wir eher unsere Fähigkeiten und Talente?
Es gibt zwei Möglichkeiten, zu einem freundlicheren Umgang mit sich selber zu finden.
Wir können damit anfangen, andere liebevoller zu behandeln und das färbt dann irgendwann auf den Umgang mit uns selber ab.
Oder wir beginnen mit uns und üben den liebevolleren Umgang mit uns selber und das färbt dann auf den Umgang mit anderen Menschen ab.
Manchmal ist es sinnvoll, mit sich selber anzufangen.
Auf jeden Fall hat die Art, wie wir mit uns umgehen einen direkten Zusammenhang mit der Art, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen.
Es gibt einen klugen Ausspruch: hart gegen andere, brutal zu sich selber.

Literatur:
Worte wirken Wunder, Sylvia Wetzel, Theseus Verlag

Montag, 15. September 2008

Andacht zu Hause




Liebe Dharmafreunde,
nun möchte vielleicht jemand einen Hausbutsudan aufstellen und fragt sich, was nun damit tun und wie weiter vorgehen. In Japan hält man traditionell eine kleine Andacht am Morgen und eine Andacht am Abend vor dem Butsudan ab. Dies geschieht um Amida Buddha für sein grenzenloses Mitgefühl zu danken und um an den Buddha zu denken. Hier in Europa ist dies vielleicht nicht ganz so häufig angedacht, doch es ist wichtig zu wissen, dass der Butsudan ein Platz der Verehrung und Dankbarkeit ist und kein Dekorationsstück, was einfach nur gut aussehen soll. Im Folgenden möchte ich kurz beschreiben, wie eine Andacht in der Jodo Shinshu Tradition gestaltet ist und vielleicht wird es den Einen oder Anderen inspirieren, Amida Buddha in dieser Form zu danken und an ihn zu denken.

Wir begegnen dem Buddha mit einem O-Nenju (Rosenkranz, wie in der Jodo Shinshu Tradition verwendet) in der linken Hand. Wir setzen uns vor den Butsudan, entzünden die Kerze und brennen ein Räucherstäbchen an. Vor jeder Andacht können wir eine kurze Zeit in Ruhe verweilen und unsere Gedanken ein wenig zur Ruhe kommen lassen. Beim Nembutsu falten wir die Hände in Gassho und nehmen den O-Nenju über beide Hände, wie oben zu sehen ist und danach verbeugen wir uns vor Amida Buddha (Gassho).

O= Glocke
Gassho= Gefaltete Hände und Verbeugung

OOO

Vandana Ti-Sarana

Namo Tassa Bhagavato Arahato Samma Sambuddhassa
(Ehre dem Erhabenen, dem Reinen, dem vollkommen Erwachten)

Buddham Saranam Gacchami (Ich nehme Zuflucht zum Buddha)
Dhammam Saranarn Gacchami (Ich nehme Zuflucht zur Lehre)
Sangham Saranam Gacchami ( Ich nehme Zuflucht zur Gemeinschaft)
oder
(jap.) Namo Kie Butsu, Namo Kie Ho, Namo Kie So

OO
+ gefaltete Hände mit O-Nenju

(Nembutsu/Kurzform)

Namandabu
Namandabu
Namandabu


Gassho

wir nehmen den Rezitationstext/Buch in beide Hände und führen ihn zur Stirn
danach rezitieren wir wahlweise:

-Shoshing-Ge (sofu)
-Sanbutsu-Ge
-Jusei-Ge
-Junirai


OO

Namandabu
Namandabu
O
Namandabu
Namandabu
Namandabu
Namandabu
O

(Eko = Verdienstübertragung)

GA NI SHI KU DO KU
BYO U DO U SE IS SA I
DO U HO TSU BO DA I SHI N
O U JO U AN RAK KOKU

(Ich gelobe, diese wundervolle Wahrheit
mit allen Wesen ausnahmslos zu teilen,
so das alle die Weisheit erlangen
und im Reich der Freude und der Wahrheit erwachen)

OOO

wir nehmen den Rezitationstext/Buch in beide Hände und führen ihn zur Stirn

Nembutsu + Gassho

kurze Lesung eines Dharmatextes, z.B. aus dem Tannisho oder andere Schriften

Liebe Freunde, es versteht sich sicher von selbst, dass die Utensilien, wie der O-Nenju, die Rezitationstexte und der Butsudan insgesamt, mit Respekt und Achtung behandelt werden sollten.Sollten jetzt vielleicht noch Fragen offen sein, könnt ihr Euch gerne an die einzelnen Kontaktstelle wenden und einfach einmal nachfragen.

mit lieben Dharmagrüssen und in Gassho
Euer Shaku Chisho

Sonntag, 14. September 2008

Der Butsudan



Der Butsudan kann in unserer Tradition sehr unterschiedlich ausfallen. In den Tempeln und Andachtshäusern in Japan sind sie sehr traditionell und prunkvoll ausgestattet. Die Butsudane für die eigene Wohnung oder das eigenen Haus sind da zumeist doch eher schlichter gehalten, wobei dies natürlich auf den jeweiligen Besitzer ankommt. Am obigen Beispiel sehen wir, wie man einen einfachen Shin-Butsudan herrichtet, aber es gibt auch noch schlichtere Variationen, wie am nächsten Beispiel zu sehen ist.



Worauf es beim "Homebutsudan" ankommt ist, dass Amida Buddha oder sein Name - "Myogo" im Mittelpunkt des Altares steht.In den meisten Fällen finden wir den Buddha noch von Shinran Shonin und Rennyo Shonin flankiert. Weitere Bestandteile des Butsudan sind , wie auf allen buddhistischen Altären, die Vase für frische Blumen, der Kerzenständer, die Weihrauchschale und die Opferschale mit Reis oder Obst. Eine kleine Klangschale gehört natürlich auch dazu. Nun möchte ich nicht verschweigen, dass es nicht so ganz einfach ist, alle notwendigen Utensilien für einen "korrekten" Shinbutsudan zu bekommen. Da unsere Tradition vielleicht weniger bekannt ist, haben sich halt noch wenige Händler oder Bezugsquellen für Europa oder Deutschland aufgetan. Doch wenn man es wirklich ernst meint, mit seinen Bemühungen einen Butsudan im Hause zu haben, ist es nicht unmöglich.



Eine weitere Besonderheit in der Shinshu-Tradition ist, dass der Buddha Amida stehend dargestellt wird, dies soll unter anderem darstellen, dass Amida Buddha uns entgegenkommt und empfängt. Auch hier ist es nicht immer ganz einfach, eine solche Statue des Buddha zu bekommen, aber wie bereits erwähnt, kann man auch seinen Namen, das "Myogo" zum Mittelpunkt des Butusdan machen.




Wenn man natürlich keine Möglichkeit hat, all diese Utensilien zu bekommen, braucht man dennoch nicht auf einen Hausaltar zu verzichten. Eine Statue des Amida Budhha in der Meditationshaltung ist fast überall erhältlich und man richtet den Altar genau so her wie oben beschrieben.



In Gassho
Shaku Chisho

Donnerstag, 11. September 2008

Liebe Dharmafreunde,
das es in diesem Blog auch englischsprachige Beträge gibt, soll natürlich nicht die Regel werden. Dennoch habe ich mich dazu entschlossen, diesen Dharmavortrag von Rev. Dr. T. Unno mit in den Blog aufzunehmen. Jene unter uns, die der englischen Sprache mächtig sind, werden seinen Vortrag sicher inspirierend finden.
in Gassho
Shaku Chisho

Dr. Taitetsu Unno Part II

Dr. Taitetsu Unno Part I

Freitag, 5. September 2008

Keine Praxis ?


Shinshu Buddhismus und Nicht – Praxis oder
„Die haben ja nichts zu bieten“

Tannisho (VIII)

Das Nembutsu ist weder eine Übung noch ein gutes Werk für den Glaubenden. Es heißt Nicht-Übung, weil es keine Übung ist, die er aus seinem Vorhaben tut, und Nicht-Gutes, weil es kein Gutes ist, das er aus Berechnung vollbringt. Dabei ist einzig und alleine die Andere Kraft (Amidas) wirksam, frei von jeder Eigenen Kraft des Menschen. Deshalb ist es für den Glaubenden Nicht-Übung und Nicht-Gutes. So sprach der Meister. (Shinran)

Liebe Dharmafreunde,
es ist gar nicht so ungewöhnlich, dass man der Jodo Shinshu Lehre vorhält, dass sie den Suchenden nicht viel zu bieten hat. In allen anderen Traditionen des Buddhismus wird großen Wert auf die Ausübung von Praktiken gelegt, die der historische Buddha Shakyamuni vermittelt und gelehrt hat. Stichwort hierzu ist der Begriff der Meditation in all ihren Ausformungen. Die Meditation soll den Übenden zur Erkenntnis dessen führen, was wirklich ist, so dass er aus eigener Erkenntnis heraus zur Leidfreiheit gelangt. In der Jodo Shinshu Tradition praktizieren wir keine Meditation, sondern verlassen uns auf die ursprüngliche Gelübdekraft Amida Buddhas, der gelobte Alle ins Reine Land zu führen, die ihm vertrauen und seinen Namen anrufen.

Im 18. Gelübde (ursprüngliches Gelübde) gelobte Dharmakara Bodhisattva:

"Selbst wenn Ich die Buddhaschaft erlangen könnte, werde Ich doch den Stand der Vollkommenen Erleuchtung erst annehmen, sobald alle fühlenden Wesen in den zehn Richtungen, die Mir wahren Herzens vertrauen und in Mein Land hingeboren zu werden wünschen und vielleicht nur zehnmal Meinen Namen anrufen, in Mein Reich eingehen werden. Davon ausgenommen sind nur die Sünder der Fünf Abscheulichkeiten und die Tadler der Rechten Lehre.

Meister Shinran Shonin ging sogar noch einen Schritt und sagte, dass wir zu gar nichts wirklich fähig sind, was zur Erleuchtung führt. Und die Praktiken der Selbstkraft (der anderen buddhistischen Traditionen) für den gewöhnlichen Menschen zu schwer sind. Somit ist die Aufgabe jeder Selbstkraft für den Shin Buddhisten von essentieller Bedeutung und er verlässt sich ausschließlich auf die Kraft des Namens, gleichbedeutend mit der Gelübde Kraft, des Amida Buddhas. „Namo Amida Butsu“.

Nun ist es für einige Menschen aber kaum nachvollziehbar, wie diese Lehre zur Befreiung führen kann. Shinran Shonin lehrte hierzu, das dieses Vertrauen in den Buddha, vom Buddha selbst geschenkt wird und wir nur vertrauensvoll seinen Namen „Namo Amida Butsu“ anrufen sollen. Das unerschütterliche Vertrauen (Shinjin) wird uns dann von Amida Buddha selbst geschenkt werden und er wird unser Herz in das Seinige verwandeln. In dem Moment, wo wir auch nur einmal seinen Namen anrufen und wirklich vertrauen, ist uns die Geburt ins Reine Land garantiert und zwar genauso wie wir jetzt sind.

Somit ist die Ausübung einer besonderen Praxis in unserer Tradition, die darauf abzielt der Befreiung näher zu kommen, eher hinderlich und zeugt von einer Vertrauenslosigkeit in Amida Buddha.

Und dennoch - wollte man behaupten, wir hätten gar nichts zu bieten in Bezug auf Ausübung irgendwelche Praktiken, ist dies nicht richtig. Als Shin-Buddhisten sollten wir uns beständig der Güte Amidas bewusst sein und ihm unsere Dankbarkeit erweisen. Das tun wir, indem wir zum Beispiel einen Hausaltar (jap. - Butsudan) zu Hause aufstellen und uns morgens, sowie abends davor hinknien und eine kleine Andacht halten. Wir können das Nembutsu sprechen, wo immer wir uns auch befinden. Wir können den Kontakt zur Sangha halten und (ganz wichtig) dem Dharma lauschen. Das Hören des Dharma ist unsere wichtigste Praxis, neben dem Sprechen des „Namo Amida Butsu“. Nicht zuletzt sollten wir als Buddhisten stets bemüht sein, die Silas zu befolgen, die vier edlen Wahrheiten gut zu kennen und in Achtsamkeit zu leben. Wer also behaupten möchte, Shin – Buddhisten hätten keine Praxis, hat vielleicht noch nicht genau genug hingeschaut. Unsere Praxis ist Ausdruck unserer Dankbarkeit für Amidas Güte und glaubt mir, da kann man jede Menge tun.

In Gassho und Namo Amida Butsu
Euer Shaku Chisho